Per Klick zum besseren Prozess: SAP setzt einmal mehr auf Low Code

Build heißt SAPs neues Low-Code-Angebot: Fachabteilungen sollen mit ihrem Prozesswissen Unternehmensanwendungen klickend verbessern.

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Von
  • Achim Born

Die hauseigene Entwicklerkonferenz TechEd hat SAP genutzt, ein neues Low-Code-Angebot vorzustellen: Mit SAP Build sollen Anwender mit minimalen technischen Kenntnissen Unternehmensanwendungen erstellen und erweitern, Prozesse automatisieren und Weboberflächen einfach per Drag-and-Drop zu einem Prototyp zusammensetzen können.

Wirklich neu ist das nicht. Bereits auf der letztjährigen TechEd hatte SAP mit einem Reigen an LC- und NC-Werkzeugen (Low Code und No Code) vorgestellt. Tatsächlich bündelt die Build-Suite, die über die PaaS Business Technology Platform (BTP) zugänglich ist, drei bekannte Tool-Ansätze der Walldorfer. Hinter SAP Build Apps verbirgt sich die zugekaufte No-Code-Umgebung AppGyver. SAP Build Process Automation beinhaltet wie schon zuvor Workflow-Management und RPA (Robotic Process Automation) mit etwas KI für die Begriffserkennung. Und hinter SAP Build Work Zone steckt die vor rund zwei Jahren vorgestellte cloud-basierte Arbeitsplatz-Portalsoftware Work Zone mit zentralem Zugriff auf relevante Inhalte, Funktionen und Prozesse aus SAP- und Non-SAP-Bereichen. Selbst der Name Build ist nicht neu: Unter diesem Namen hatte SAP bereits ein Tool-Angebot im Portfolio, das zur Entwicklung von Oberflächen-Prototypen für mobile Anwendungen diente.

Das Werkeln mit den Tools findet in der Suite jetzt deutlich abgestimmter statt. Neben der Bereitstellung von einheitlichen Lebenszyklusverwaltungs-, Sicherheits- und Governance-Funktionen wird die gemeinsame Nutzung wiederverwendbarer Anwendungskomponenten gefördert. Neu in SAP Build Apps – quasi eine AppGyver-Version für BTP – ist Visual Cloud, mit der sich der Geschäftslogik und Datenmodelle für serverlose Anwendungen grafisch erstellen lassen. Über die Integrationsmöglichkeit mit SAPs Prozessanalyse-Umgebung Signavio werden Build-Anwendern Automatisierungsempfehlungen in ihren Applikationen aufgezeigt, die bei Bedarf automatisch in der Process-Automation-Komponente ausgeführt werden.

In der Entwicklungs-Pipeline für die Build-Suite befindet sich zudem die Einbindung von SAP Graph, der inhaltlich verknüpfte Datenobjekte in mehreren SAP-Anwendungen über eine API zugänglich macht. Zudem steht die Anbindung des SAP Cloud Application Programming Model (CAP) als Service an. In gemischten Teams aus regulären Nutzern und Programmierern sollen Entwickler hierdurch Anwendungen in „echten“ Programmiersprachen schreiben können, die dann den Kollegen aus den Fachabteilungen im Rahmen der Process Automation zur Verfügung stehen.

Ob das neue SAP-Angebot den gewünschten Zuspruch erfährt, bleibt vorerst offen: Die Sogwirkung ähnlicher Toolset-Offerten von Spezialisten wie Siemens-Tochter Mendix oder OutSystems, aber auch AWS, Google, Microsoft & Co. ist hoch. Hinzu kommt, dass die Anpassung und Zusatzentwicklungen für SAP-Anwendungen bislang eher das Spielfeld der IT-Abteilungen und nicht der Fachabteilungen ist.

Für die klassische Entwicklung im SAP-Umfeld hatte die TechEd ebenfalls einige Neuerungen parat. Beispielsweise wird das ABAP-Cloud-Entwicklungsmodell jetzt in allen S/4HANA-Betriebsvarianten unterstützt. Mit der ewigen SAP-Programmiersprache ABAP lassen sich neben der Cloud Edition nun auch in der Private Cloud- und der On-Premises-Version Anpassungen oder Erweiterungen auf dem S/4HANA-Software-Stack vornehmen. Mit dem kleinen, in Hinblick auf die klassische ABAP-Programmierung gravierenden Unterschied: Modifikationen an den SAP-Objekten sind verboten. Schließlich muss in Augen des Herstellers der Kern von S/4HANA unangetastet bleiben, um die Update-Fähigkeit nicht zu verwässern. Erweiterungen dürfen daher ausschließlich über die dafür vorgesehenen Extension Point angegangen werden.

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(fo)