Perseiden 2021: Tipps für die Sternschnuppenjagd mit der Kamera

Die Perseiden erreichen ihren Höhepunkt. Mit Glück und guter Vorbereitung können Sie das Schauspiel nicht nur beobachten, sondern auch fotografieren.

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(Bild: justinbraun/Shutterstock.com)

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Von
  • Peter Mein

Bald ist es wieder soweit: Die Erde quert auf ihrem Weg um die Sonne die Bahn des Kometen Swift-Tuttle. Der Komet hat hier, in Sonnennähe, einiges an Bruchstücken verloren. Und wenn diese dann in der Erdatmosphäre verglühen, sehen wir Sternschnuppen. Dieses Jahr soll mit besonders vielen Sternschnuppen zu rechnen sein, da die Erde diesmal genau ein Trümmerfeld passiert, was der Komet vor 4 Umläufen im Jahr 1479 verloren hat.

Sternschnuppen, die aus so einem Trümmerfeld auf der Erdbahn entstehen, scheinen für den Beobachter auf der Erde ihren Ursprung am Himmel in einem einzigen Punkt zu haben. Dies ist ein ähnlicher Effekt, als wenn man im Winter mit dem Auto durch Schneeflocken fährt. Die Erde ist in den Tagen, wenn die Kometenbahn gequert wird, gerade in Richtung des Sternbildes Perseus unterwegs. Daher sieht es so aus, als hätten die Sternschnuppenbahnen ihren Ursprung in diesem Sternbild. Daher stammt ihr Name: "Perseiden".

Der östliche Sternenhimmel Mitte August gegen 2 Uhr morgens

(Bild: Starry Night)

Das Sternbild Perseus lässt sich in den Morgenstunden übrigens recht einfach finden: Hoch im Südosten sieht man eine Raute aus 4 hellen Sternen, das sogenannte Herbstviereck im Sternbild Pegasus. Vom linken Stern dieser Raute geht horizontal eine Kette hellerer Sterne weiter nach links ab (das Sternbild Andromeda), die an ihrem linken Ende auf einen senkrechten Bogen aus Sternen trifft, die das Sternbild Perseus bilden.

"Ergiebiger Sternschnuppenregen", "bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde", "Feuerwerk am Nachthimmel": So oder so ähnlich lauten jedes Jahr die Schlagzeilen, und viele Menschen, die dann nach einem wahren Sternschnuppenregen Ausschau halten, sind dann meist enttäuscht. Denn wenn man die "bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde" mal nüchtern betrachtet, ergibt sich folgendes Bild:

  • "Bis zu 100" ist ein Maximalwert. Eine Garantie, dass dieser erreicht wird, gibt es nicht.
  • Von den (maximal) 100 Sternschnuppen geht die Hälfte auf der anderen Seite der Erde nieder, die können wir also gar nicht sehen.
  • Und wenn man die restlichen 50 dann über die Stunde verteilt, hat man im Durchschnitt weniger als eine Sternschnuppe pro Minute. Und selbst da kann es sein, dass man in einem kurzen Zeitraum 3 oder 4 Sternschnuppen sieht, und dann minutenlang wieder keine Einzige.

Also sollte man sich, ehe man zu sehr enttäuscht wird, von der Vorstellung eines kontinuierlichen "Regens" aus Sternschnuppen verabschieden. Was man aber erwarten kann ist, dass man bei längerer Beobachtung (mindestens 15 Minuten) doch eine Handvoll Sternschnuppen sieht.

"Das Maximum wird in den frühen Morgenstunden des 12. August erwartet", heißt es für dieses Jahr wieder in den Nachrichten. Das bedeutet aber nicht, dass die Perseiden nur in der Nacht vom 11. auf den 12. August zu beobachten sind. Bereits in den letzten Julinächten sind die ersten Perseiden unterwegs, es werden dann von Nacht zu Nacht mehr, mit dem Maximum um den 11. August herum. Danach nimmt die Anzahl pro Nacht allerdings rapide ab – nach dem 16. August wird man schwerlich noch eine Perseiden-Sternschnuppe zu sehen bekommen.

Das heißt aber auch, dass man nicht unbedingt am 12.8. in den frühen Morgenstunden zur Beobachtung raus muss. Ein paar Nächte früher oder ein, zwei Nächte später hat man auch noch die Chance. Dieses Jahr empfiehlt es sich zwischen dem 8. und dem 12 August "auf die Jagd" zu gehen, da dann der zunehmende Mond noch recht leuchtschwach am Abendhimmel steht und bis Mitternacht untergegangen ist. Danach wird der Mond von Nacht zu Nacht heller, und ein heller Mond, der den Himmel überstrahlt, ist kein guter Begleiter für die Sternschnuppenjagd.

Sternschnuppen zu erwischen ist Glücks- und Geduldssache. Um sie zu fotografieren gibt es mehrere Strategien.

Übrigens ist die ideale Zeit für die Beobachtung der Perseiden zwischen zwei und vier Uhr morgens. Denn dann schauen wir von unserem Standort auf der Erde "in Fahrtrichtung", ohne dass die Sonne bereits bei der Beobachtung stört.

Jeder der schon mal eine Sternschnuppe gesehen hat, wird sich wahrscheinlich gut daran erinnern: Ein leuchtendes Objekt, hell wie ein Stern, was in Bruchteilen einer Sekunde über den halben Himmel huscht und so schnell verschwunden ist, wie es aufgetaucht ist. Etwas komplett anderes als ein Flugzeug, was langsam blinkend vorbeifliegt, oder ein Satellit, der ebenfalls langsam mit einem gleichmäßigen Licht seine Bahn am Himmel zieht. Für den Fotografen bedeutet dies vor allem zweierlei:

  • Die Sternschnuppen treten nicht eng begrenzt um das Sternbild Perseus auf, man muss vielmehr einen großen Bereich des Himmels mit der Kamera abdecken. Also möglichst ein Weitwinkelobjektiv verwenden, und die Kamera hoch in den Himmel Richtung Osten richten, eventuell mit dem Sternbild Perseus in der unteren linken Ecke. So deckt man die größte Fläche ab, auf der Sternschnuppen zu erwarten sind.
  • Sternschnuppen sind schnell. Bei langen Belichtungszeiten hat man mehr Chancen, eine oder mehrere Sternschnuppen zu erwischen. Also am besten Blende und Belichtungszeit so einstellen, dass man möglichst lange belichten kann, ohne dass der Himmel auf den Bildern zu hell wird. Aber Achtung: Die Blende nicht zu sehr zudrehen, sonst sind die Sternschnuppen eventuell zu lichtschwach.

Wie Sie bei der Sternschnuppenjagd mit der Kamera vorgehen, ist Abwägungssache.

Als Startpunkt empfehle ich ISO 100, Blende f/5.6 und 3 bis 5 Minuten Belichtungszeit, aber dies ist sehr von der Kamera und dem Objektiv abhängig, also probieren Sie am besten vorher ein paar Aufnahmen aus. Ein stabiles Stativ versteht sich von selbst.

Ab einer bestimmten Belichtungszeit erhalten Sie allerdings keine runde Sternabbildung mehr, sodass sich Sternspuren im Bild bilden. Die konkreten Zeiten sind dabei abhängig von der Brennweite (und der Sensorgröße) – die Faustformel liegt hier bei 300/Brennweite. Arbeiten Sie mit einem 50-Millimeter-Objektiv, können Sie also sechs Sekunden lang belichten und erhalten punktförmige Sterne. In dieser Zeit allerdings eine Sternschnuppe einzufangen ist nahezu unmöglich. Behelfen können Sie sich beispielsweise mit Aufnahmeserien beziehungsweise Intervallaufnahmen. Diese könnten Sie später für Sternschnuppen- beziehungsweise Startrail-Collagen einsetzen, in dem Sie viele Aufnahmen später am PC (beispielsweise mit Software wie dem kostenpflichten Starry Landscape Stacker oder dem kostenlosen Sequator) kombinieren. Hierbei produzieren Sie allerdings auch sehr viele Bilddateien, was Sie bei der Wahl der Speicherkarte und später für den Zeitaufwand beim Sichten bedenken müssen.

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Und wenn sie eine Reisemontierung wie den Skytracker oder eine Pentax-Spiegelreflexkamera mit Astrotracer haben: Schaltens sie diese Nachführung ein. Und mit ein wenig Glück haben Sie dann eine oder mehrere Sternschnuppen im Bild und dennoch punktförmige Sterne.

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(ssi)