Playstation: Sony lässt sich für Crossplay bezahlen

Sony fordert unter bestimmten Umständen Geld, um Crossplay auf seiner Playstation zu erlauben. Das geht aus dem Gerichtsverfahren Epic gegen Apple hervor.

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Playstation 5

(Bild: dpa, Zacharie Scheurer/dpa-tmn)

Von
  • Daniel Herbig

Dokumente und Zeugenaussagen im Gerichtsfall Epic gegen Apple zeigen, wie ungern Sony seine Crossplay-Blockade gelockert hat: Für "Fortnite" hatte Epic demnach schon 2018 mit Sony verhandelt, um Crossplay auf Sonys Konsole zu ermöglichen – erfolglos. Mittlerweile lässt Sony Crossplay zwar zu, lässt sich aber dafür bezahlen, sagte Epic-Chef Tim Sweeney vor Gericht.

Crossplay bedeutet Spielen über die Plattformgrenzen hinweg: Wer auf einem PC spielt, kann also im Multiplayer-Modus gegen Spielerinnen und Spieler auf einer Xbox antreten. Weil Sonys Playstation deutlich mehr genutzt wird als die konkurrierende Xbox, stand das Unternehmen dem Crossplay lange im Weg, geht nun aus den Gerichtsdokumenten hervor.

"Viele Unternehmen wollen das umsetzen, aber kein einziges kann uns erklären, wie das konsolenübergreifende Spielen das Playstation-Geschäft verbessert", schrieb der frühere Sony-Manager Gio Corsi Epic Games als Antwort auf eine Crossplay-Anfrage. Epic hatte Sony damals ein umfassendes Paket an Marketing- und Werbemaßnahmen in Zusammenarbeit mit "Fortnite" vorgeschlagen – für Sony offenbar nicht genug.

Mit Konsolen-Isolationismus wollte Sony die Spielerinnen und Spieler im eigenen Ökosystem festhalten und zumindest die Brücke zur Xbox verhindern. Den Widerstand gab Sony Ende 2018 überraschend dann doch auf: Der Online-Shooter "Fortnite" wurde zum ersten Titel, der auf Playstation-Konsolen mit Xbox-Geräten zusammengespielt werden konnte.

Doch dafür fordert Sony offenbar Geld: "Unter bestimmten Umständen muss Epic zusätzliche Einnahmen an Sony zahlen", sagte Epic-Chef Tim Sweeney laut dem US-Magazin The Verge vor Gericht aus. Das könnte etwa eintreten, wenn jemand vorrangig auf der Playstation spielt, Geld für Zusatzpakete in "Fortnite" aber vor allem auf dem iPhone ausgibt. Man habe diesen Konditionen zustimmen müssen, um Crossplay für "Fortnite" auf Sony-Konsolen zu ermöglichen.

Gerichtsdokumente zeigen die Formel, mit der Sony die Zahlungsforderungen berechnet: Setzt ein Spiel, das zu 95 Prozent auf der Playstation gespielt wird, 90 Prozent seiner Umsätze auf der Playstation um, ist keine Zahlung fällig. Sinkt der Umsatzanteil der Playstation allerdings auf 60 Prozent bei ansonsten unveränderten Bedingungen, dann müssen Entwickler Sony kompensieren. Bei einem Rechenbeispiel von 1 Million US-Dollar Gesamtumsatz, 95 Prozent Spielanteil und 60 Prozent Umsatzanteil auf der Playstation wäre eine Zahlung von 52.500 US-Dollar fällig.

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In dem Gerichtsverfahren zwischen Epic und Apple geht es vorrangig um die Geschäftspraktiken des iPhone-Herstellers: Epic vertritt die Ansicht, dass Apple seine marktbeherrschende Stellung ausnutzt, indem das Unternehmen andere App-Läden verbietet und gleichzeitig eine hohe 30-Prozent-Provision in seinem eigenen Store einfordert. Im Zuge des ersten Verhandlungstages kamen allerdings einige bislang interne Details ans Licht.

So geben die Dokumente einen seltenen Einblick in Epics Finanzsituation: 2018 und 2019 sollen alleine mit "Fortnite" 9 Milliarden US-Dollar umgesetzt worden sein. Laut Sweeney machte Epic 2020 außerdem einen Gesamtumsatz von 5,1 Milliarden US-Dollar.

(dahe)