Letale Maschinen: Polizei in San Francisco will Roboter für Tötung im Notfall

17 Roboter hat das San Francisco Police Department derzeit. Die sollen bei gefährlichen Einsätzen auch für letale Gewalt genutzt werden dürfen.

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(Bild: daseaford/Shutterstock.com)

Die Polizei in der kalifornischen Stadt San Francisco erwägt den Einsatz tödlicher Gewalt durch Roboter. Das geht aus dem Vorschlag für eine Richtlinie zum Einsatz militärischer Ausrüstung hervor. So heißt es in dem Dokument, dass Roboter dann für letale Gewalt genutzt werden sollen, wenn unmittelbare Lebensgefahr für Zivilisten oder Beamte bestehe und das den Einsatz anderer Optionen überwiege.

In der kommenden Woche muss noch in einem Ausschuss des Stadtrats über den Vorschlag abgestimmt werden, berichtet das Lokalmedium The Mission. Nach kalifornischem Recht muss die Polizei die Genehmigung eines lokalen Gremiums einholen, um militärische Ausrüstung oder Waffen wie Blendgranaten und Drohnen nutzen zu können.

Die Richtlinie wurde demnach schon länger vom zuständigen Ausschuss in der Kommune geprüft. Die ursprüngliche Fassung habe die Frage tödlicher Robotergewalt offen gelassen, sagte Ausschuss-Vorsitzender Aaron Peskin gegenüber Mission Local. Deshalb habe er noch den Zusatz hinzugefügt, dass Roboter nicht gegen Personen eingesetzt werden sollen. Die Polizei habe den Zusatz aber wieder gestrichen, die neue Formulierung vorgeschlagen und Peskin überzeugt, dass es Szenarien gebe, wo Robotergewalt die einzige Option sei.

Dem Dokument zufolge verfügt das San Francisco Police Department derzeit über 17 fernsteuerbare Roboter, von denen aber nur 12 einsatzbereit seien. Laut einem Bericht von The Verge seien die meisten eher für Bombenentschärfungen oder den Umgang mit Gefahrstoffen gedacht. Es könnten einige der Modelle aber auch mit Feuerwaffen ausgestattet werden, etwa ein Remotec F5A von Northrop Grumman und der QinetiQ Talon. Eine Polizeisprecherin betonte gegenüber dem Techmagazin, dass dahinter kein spezifischer Plan für den Robotereinsatz in gefährlichen Situation stehe – letale Gewalt durch Maschinen wäre allenfalls ein seltener Ausnahmefall.

Einen Präzedenzfall gab es in den USA bereits: In Dallas schnallte die Polizei 2016 eine kleine Bombe an einen stadteigenen Roboter, einen Northrop Grumman Remotec Andros Mark. Die Beamten steuerten das 280.000 US-Dollar teure, sich auf Gummirädern fortbewegende Gerät dann in Richtung eines Heckenschützen. Dieser hatte während einer Kundgebung in der Innenstadt fünf Polizisten getötet und wurde daraufhin mittels Roboter in die Luft gesprengt. Andere Strafverfolger lobten die kreative Reaktion, während Kritiker von einer Hinrichtung durch einen Roboter sprachen.

Im vergangenen Oktober wurde auch in der kalifornischen Stadt Oakley über eine ähnliche Regelung gestritten. Nach wochenlangem Ringen ließ das Oakland Police Department vorläufig von seinem Ruf nach einer Lizenz ab, um unter bestimmten Umständen Menschen mit Robotern töten zu dürfen. Offensiver Einsatz von Robotern gegen Menschen wurde untersagt, ausgenommen das Versprühen von Pfefferspray. Das Oakland Police Department erklärte aber, sein Ansinnen weiter verfolgen zu wollen.

Manche Hersteller sehen den Einsatz ihrer Roboter als Tötungswerkzeug überaus kritisch. Der inzwischen zum Hyundai-Konzern gehörige Roboterbauer Boston Dynamics verpflichtete sich in einem offenen Brief zusammen mit weiteren Roboter-Entwicklern dazu, seine Roboter nicht zu bewaffnen. Roboter sollten der Gesellschaft dienlich sein und keinen Schaden anrichten, hieß es. Auch nachträglicher Bewaffnung stehe man ablehnend gegenüber. Weitere Unterzeichner des Briefs waren Agility Robotics, Anybotics, Clearpath Robotics, Open Robotics und Unitree.

(axk)