Europol und FBI gegen kriminelles Kryptonetzwerk: 70 Festnahmen in Deutschland

Bei der Operation Trojan Shield wurden insgesamt über 800 Personen festgenommen. Sichergestellt wurden unter anderem 22 Tonnen Cannabis und 8 Tonnen Kokain.

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In Deutschland im Zuge der Aktion OTF Greenlight / Trojan Shield beschlagnahmte Autos.

(Bild: BKA)

Von
  • Andreas Wilkens

An der internationalen Polizeiaktion "Operation Trojan Shield / OTF Greenlight" gegen Kriminelle und deren Kryptonetzwerk war auch das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) beteiligt. Am gestrigen Montag wurden in Deutschland über 150 Objekte durchsucht und mehr als 70 Personen festgenommen. Der Schwerpunkt Aktion lag dabei in Hessen, teilte das BKA mit.

Insgesamt wurden in den vergangenen Tagen in 16 Ländern gut 700 Objekte durchsucht und mehr als 800 Personen festgenommen. teilte Europol mit. Die Polizei beschlagnahmte über 8 Tonnen Kokain, 22 Tonnen Cannabis und Cannabisharz, 2 Tonnen synthetische Drogen wie Amphetamin und Methamphetamin, 6 Tonnen synthetische Drogenausgangsstoffe, 250 Schusswaffen, 55 Luxusfahrzeuge und über 48 Millionen Dollar in verschiedenen Währungen und Kryptowährungen.

Die Polizeiaktion wurde möglich, nachdem 2019 das US-amerikanische FBI – die sie Trojan Shield nennt – zusammen mit der australischen Bundespolizei – die sie OTF Greenlight nennt – ein Unternehmen namens ANOM für angeblich verschlüsselnde Kommunikationsdienste gegründet hatten. Ihnen war es laut Mitteilung gelungen, über Mittelsmänner etwa 12.000 präparierte Mobilgeräte in 300 kriminelle Syndikate in gut 100 Ländern einzuschleusen, darunter italienische organisierte Kriminalität, verbotene Motorradbanden und internationale Drogenhandelsorganisationen.

Den Polizeibehörden kam entgegen, dass die niederländische und französische Polizei im Juli das Chatsystem EncroChat knacken konnten. Im März darauf wurde auch der Kommunikationsdienst Sky ECC ausgehoben. Diese Aktionen hätten laut Europol "Schockwellen in die Unterwelt" gesandt und wertvolle Einblicke in deren Strukturen ermöglicht. Zudem hätten viele Banden nach einem verschlüsselden Ersatz für ihre Kommunikaton gesucht, das haben das FBI und die australische Bundespolizei bewusst für ihre Zwecke genutzt; so migrierte tatsächlich ein Teil der Nutzer von Sky ECC zu ANOM.

Das FBI und Polizeibehörden in 16 Ländern sowie Europol werteten 18 Monate lang 27 Millionen über diese Mobilgeräte erhaltenen Nachrichten aus, in denen die kriminellen ANOM-Nutzer ihre Aktivitäten koordinierten.

Das BKA und die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main werten die ihnen vom FBI gelieferten Informationen noch aus. Bisher seien in diesem Komplex über 20 Ermittlungsverfahren gegen mehr als 80 Tatverdächtige in Deutschland eingeleitet worden. Sie werden insbesondere verdächtigt, "unerlaubt Handel mit Betäubungsmitteln und Waffen unter Nutzung von verschlüsselten Kommunikationsnetzwerken (sogenannten Kryptonetzwerken) und Endgeräten (sogenannten Kryptohandys) betrieben zu haben", wie es das BKA ausdrückt (PDF).

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(anw)