Post aus Japan: Nippon greift nach den Sternen

Mit einem Plan für Raumfahrt will Japan zu einer „eigenständigen Supermacht“ werden. Die Regierung will auch die militärischen Aspekte des Programms ausdehnen.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 2 Beiträge
Post aus Japan: Japan greift nach den Sternen

Ein Team von JAXA-Mitarbeitern samt Rakete.

(Bild: JAXA)

Von
  • Martin Kölling

Japan setzt in der Weltraumfahrt schon lange technologisch Akzente. Ein Beispiel sind die Abenteuer der Hayabusa-Sonden, die zu Asteroiden fliegen, auf ihnen landen und dann Gesteinsproben zurück zur Erde bringen. Der erstmals seit fünf Jahren revidierte Grundlagenplan für Weltraumfahrt, den die Regierung am Dienstag beschlossen hat, will nun aber neben Forschung und ziviler Nutzung auch die Militarisierung des Alls vorantreiben.

Post aus Japan

Japan probiert mit Elektronik seit jeher alles Mögliche aus - und oft auch das Unmögliche. Jeden Donnerstag berichtet unser Autor Martin Kölling an dieser Stelle über die neuesten Trends aus Tokio.

An ihren Ambitionen lässt die Regierung von Shinzo Abe keinen Zweifel. "Unser Ziel ist es, eine eigenständige Supermacht in der Weltraumnutzung zu werden, die auf dem Gebiet der Weltraumforschung führend sein wird", erklärt der Plan offen. Und wirtschaftlich lohnen soll der Griff nach den Sternen obendrein. Bis 2030 will Abes Regierung das Volumen des Weltraummarkts von derzeit umgerechnet elf Milliarden Dollar verdoppeln.

Die Struktur des Plans stärkt allerdings die Vermutung, dass eine militärische Nutzung künftig deutlich mehr Geld erhalten wird. Der Punkt "Sicherung der Weltraumsicherheit" steht für die Liste der Aufgaben an. Auch die Details lassen aufhorchen. So plant Japan, die Zahl der Aufklärungssatelliten von vier auf zehn zu erhöhen und mit den Vereinigten Staaten bei der Entwicklung von Satelliten zusammenzuarbeiten, die Raketen erkennen und verfolgen können.

Als erstes Ziel der Späher im All gelten Nordkoreas Abschussbasen für atomar bestückbare Raketen, in deren Reichweite Japan liegt. Dazu passt, dass Japan im Sommer eine neue Militärstrategie diskutieren will, die dem Militär im Ernstfall den vorbeugenden Angriff auf feindliche Raketenbasen gestatten will. Achja, und Japans "Selbstverteidigungskräfte" haben zudem dieses Jahr eine kleine Weltraum-Schwadron gegründet.

Dies ist vielleicht verständlich, beruhigt die Nachbarn allerdings. Die koreanische Zeitung JoongAng weist darauf hin, dass Japan damit nicht nur noch stärker Teil der US-Raketenabwehr werden könnte. "Es besteht die Befürchtung, dass die Konzentration von Investitionen im militärischen Sektor wissenschaftliche Forschungsaktivitäten im Weltraum unterdrücken wird", so die Zeitung.

Ausgeschlossen ist das vielleicht nicht, aber nicht unbedingt wahrscheinlich. Erstens führt der Plan eine lange Reihe technologischer und ziviler Projekte weiter wie den Ausbau von Satelliten für Katastrophenschutz. Zweitens hofft die Regierung, dass mit der zunehmenden Kommerzialisierung der Raumfahrt die Privatwirtschaft stärker hochfliegende Ideen finanzieren wird.

Schon jetzt wetteifern mehrere Privatunternehmen bei der Entwicklung preiswerter Weltraumraketen mit Japans Weltraumbehörde Jaxa. Außerdem kündigte diese Woche ein Investorenkonsortium an, 66,5 Millionen Euro in Weltraumunternehmen investieren zu wollen.

Das hört sich erstmal nach wenig Geld an. Aber erstens will der Fondsmanager Sparx bis Jahresende die Einlagen noch mit Geldern anderer Investoren verdoppeln. Zweitens lassen die bisherigen Investoren aufhorchen. Neben Japans globalen Großbanken Mitsubishi UFJ, Sumitomo Mitsui und Mizuho schießt auch der Autokonzern Toyota Kapital in den Fonds. Die Motive sind nicht gänzlich altruistisch. Toyota will die Wettbewerbsfähigkeit japanischer Firmen besonders im Bereich der Satellitenortung und dem Erstellen von hochpräzisen 3D-Karten für autonome Autos stärken. Außerdem entwickelt der Autobauer ein Mondfahrzeug, das mit Brennstoffzellen angetrieben wird. Mobilität, so lernen wir, ist in den Augen des japanischen Autobauers nicht nur auf den Erdboden und Autos beschränkt.

(bsc)