Post aus Japan: Toyota und das Watanabe-Auto

Nicht Null-Emissionsautos sollten das Ziel sein, sondern Minus-Emissionsautos, die die Luft säubern, sagt ein Vorstand des Fahrzeugriesen. Er wirbt damit für die Brennstoffzelle.

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Post aus Japan: Toyota und das Watanabe-Auto

(Bild: Toyota)

Von
  • Martin Kölling

Früher habe ich die Vision des damaligen Toyota-Chefs Katsuaki Watanabe immer belächelt. Auf die Frage, was für Autos er bauen wolle, hatte der Vorgänger des heutigen Konzernchefs Akio Toyoda eine Antwort parat: Sein Traum seien Autos, die die Luft sauberer machen würden anstatt zu verpesten. Diese Idee fand ich zwar gut. Aber ich dachte, dass man damit keine Käufer ködern könnte. Nun wärmt Toyota das Konzept als Werbeargument für Brennstoffzellenautos wieder auf.

Post aus Japan

Japan probiert mit Elektronik seit jeher alles Mögliche aus - und oft auch das Unmögliche. Jeden Donnerstag berichtet unser Autor Martin Kölling an dieser Stelle über die neuesten Trends aus Tokio.

Als Toyota vorige Woche die Freigabe für Hybrid- und Brennstoffzellenpatente bekannt gab, brachte Vizepräsident Shigeki Terashi das "Minus-Emissionsauto" auf. Diese Woche erklärte er den Begriff im kleineren Kreis: Brennstoffzellenautos würden nicht nur Kohlendioxidemissionen eliminieren, da sie als Abgas vorrangig Wasser ausstoßen würden. "Sie nehmen auch Luft auf und können daher als Filter wirken", so Terashi.

90 Prozent der Partikel in der Luft könnten eingefangen werden, Stick- und Schwefeloxide obendrein. "Negative Emissionsautos gehen einen Schritt weiter als Null-Emissionsautos", warb er für das, was ich mal "Watanabe-Auto" nenne.

Hinter der Suche nach weiteren positiven Nebenwirkungen der Brennstoffzelle steht Toyotas eigene Antriebsstrategie. Nach langem Zögern entwickelt der Verfechter des Hybridkonzepts zwar nun auch Elektroautos. Aber die Japaner stört an denen weiterhin vieles: die geringe Reichweite zum Beispiel, die hohen Kosten für den Kunden, der Ressourcenbedarf und das Gewicht.

Dagegen propagiert Toyota offensiv die Brennstoffzelle. Mit dem Mirai hat der Konzern schon ein Wasserstoffauto im Programm. Doch das größte Potenzial wittert Toyota dort bei Nutzfahrzeugen, genauer gesagt überall dort, wo heute Dieselmotoren für Bewegung oder Stromerzeugung sorgen.

Den Brennstoffzellenbus Sora hat Toyota schon vorgestellt. Inzwischen surren die ersten Modelle schon durch Tokio, angetrieben von zwei Mirai-Aggregaten. Über 100 sollen es bis zu den Olympischen Spielen im kommenden Jahr werden. Doch auch für Laster eignet sich die Idee, meint Terashi.

In einem Video zeigt er die Vision, in Häfen den Containerverkehr von Diesel auf Brennstoffzellen umzustellen. Auch für den Fernverkehr sieht Toyota die Brennstoffzelle als erste Wahl – und nicht Batterien. Denn um einen Schwerlaster über mehrere 100 Kilometer zu bewegen, müsste sehr viel mögliche Zuladung für tonnenschwere Akkus geopfert werden.

Außerdem sagt Terashi, dass Toyota auch für andere Anwendungen schon viele Anfragen von Firmen wie Ländern für seine Technik erhalten habe. Zwei Beispiele führt er auf: Für Müllwagen und Stromgeneratoren an Baustellen sei die Brennstoffzelle nicht nur wegen der niedrigen Emissionen interessant, sondern auch wegen der geringeren Lärmentfaltung. Die Einsatzstunden der surrenden Nutzfahrzeuge und Generatoren könnten auf die frühen Morgen-, wenn nicht sogar Nachtstunden erweitert werden.

Ob Toyota mit diesen Argumenten der Brennstoffzelle zum globalen Durchbruch verhelfen kann, bleibt abzuwarten. In Japan könnte es dem Konzern mit seiner Marktmacht und der Unterstützung der Regierung, die eine nationale Wasserstoffstrategie verfolgt, allerdings gelingen.

Denn eines ist auch Terashi klar: Die Kosten für die Brennstoffzelle werden zwar mit jeder Generation stark sinken. Aber zu Beginn der Entwicklung braucht auch der Wasserstoffantrieb staatliche Subventionen, um am Markt erfolgreich zu sein.

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