Potenziell gefährlich für die Erde: Asteroid Apophis bei Übung "wieder entdeckt"

Bei einer Übung wurde der potenziell gefährliche Asteroid Apophis noch einmal "entdeckt" und eine mögliche Gefährdung der Erde einmal mehr ausgeschlossen.

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(Bild: ImageBank4u/Shutterstock.com)

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  • Martin Holland

Um die planetare Verteidigungsbereitschaft der Erde zu testen, haben mehr als 100 Astronomen und Astronominnen in einer Übung den potenziell gefährlichen Asteroiden Apophis "wiederentdeckt". Das berichten sie jetzt in einer ausführlichen Zusammenfassung im Planetary Science Journal.

Der Asteroid war dafür vor seinem jüngsten Vorbeiflug an der Erde aus der Datenbank für die planetare Verteidigung gelöscht worden, um dann in Echtzeit beobachten zu können, wie seine "Entdeckung", Bahnbestimmung und Gefahrenanalyse ablaufen würde. Nachdem der vorgeblich unbekannte Himmelskörper am 4. Dezember 2020 erstmals abgebildet wurde, führten weitere Analysen dazu, dass er am 23. Dezember offiziell als "neuer" erdnaher Asteroid vom Minor Planet Center aufgelistet wurde.

Vor Beginn der Annäherung des Asteroiden an die Erde im Dezember 2020 hatte das Minor Planet Center dafür gesorgt, dass alle neuen Beobachtungen des Himmelskörpers nicht mit den alten verknüpft wurden. So sollte herausgefunden werden, wie lange es dauern würde, um herauszufinden, dass sich der Asteroid im Jahr 2029 der Erde besonders stark annähert, ihr aber nicht gefährlich werden wird.

"Auch wenn wir wussten, dass Apophis in der Realität 2029 nicht auf der Erde einschlagen wird – als wir von vorne anfingen, gab es große Unsicherheiten in Bezug auf die berechnete Bahn und die theoretische Möglichkeit eines Einschlags", berichtet Davide Farnocchia vom Jet Propulsion Laboratory der NASA, der die Übung geleitet hat.

Mögliche Einschläge wurden auch simuliert.

(Bild: Vishnu Reddy et.al)

Mit präzisen Messungen der riesigen Radarantenne des Goldstone Observatory wurde dann im März während der größten Annäherung des Asteroiden ein Einschlag für 2029 ausgeschlossen. Über die Übung hinaus wurde dann auch gleich noch ausgeschlossen, dass Apophis der Erde in den nächsten 100 Jahren gefährlich wird.

Deutlich geholfen haben demnach auch aus dem All vorgenommene Messungen mit dem Weltraumteleskop Neowise (vormals Wide-field Infrared Survey Explorer). Das Gerät sei in der Lage gewesen, die "Wiederentdeckung von Apophis zu bestätigen und gleichzeitig in kurzer Zeit wertvolle Informationen für die planetare Verteidigung zu liefern, wie die Größe, Form und Indizien zur Beschaffenheit", meint Akash Satpathy, der dazu eine weitere Studie geleitet hat.

Der mit vollen Namen 99942 Apophis heißende Asteroid war 2004 entdeckt und nach einem der wichtigsten Antagonisten in der damals aktuellen Fernsehserie Stargate SG-1 benannt worden. Anfangs war für einen Aufschlag auf der Erde im Jahr 2029 eine Wahrscheinlichkeit von immerhin 2,7 Prozent berechnet worden, weswegen dem Objekt seitdem viel Aufmerksamkeit zuteilwurde.

Dank zusätzlicher Daten wurde dieser Einschlag ausgeschlossen, danach richtete sich die Aufmerksamkeit auf das Jahr 2036. Dass auch dann keine Kollision droht, wurde vor neun Jahren ermittelt – übrig blieb der Vorbeiflug 2069. Erschwert wurden die Prognosen dadurch, dass nicht genau genug ermittelt werden konnte, inwieweit Apophis jeweils durch seine Annäherungen an die Erde abgelenkt werden wird.

Erst 2021 war Apophis aus jener "Risiko-Liste" gerutscht, in der die Europäische Weltraumagentur ESA Objekte sammelt, deren Einschlagwahrscheinlichkeit größer ist als Null. Der Asteroid war ein Sonderfall, weil er sich für 17 Jahre geweigert hatte, daraus zu verschwinden. Für die Übung zur planetaren Verteidigung war er damit ein besonders geeignetes Ziel.

Erst vor wenigen Wochen hat die US-Weltraumagentur NASA bekannt gegeben, dass ihre Weltraumsonde Osiris-Rex ihn 2029 besuchen soll. Vorher wird sie die von dem Asteroiden Bennu entnommene Probe auf der Erde abliefern. Danach wird sie in Osiris-Apophis-Explorer (Osiris-Apex) umbenannt.

Apophis wird die Erde am 13. April 2029 in rund 32.000 Kilometern Entfernung passieren, innerhalb der Bahn von geostationären Satelliten. Auf der Erde wird der 340 Meter große Asteroid unter Umständen sogar sichtbar sein.

(mho)