Prioritäten setzen: Mehr Lichterzeichnung aus Digitalfotos herausholen

Kritische Motive

Inhaltsverzeichnis

Testvorlage zur Untersuchung des Tonwert-Prioritäts-Modus mit kritischen "Lichtern"

Für die Tests haben wir eine spezielle Testvorlage mit besonders hohen Kontrasten aufgebaut, die unter anderem aus schwarzem Samt (als Hintergrund), einer Farbkarte mit Grau- und Farbtreppen sowie glänzenden Gegenständen (zwei Christbaumkugeln, ein Möbelknauf und zwei mit Goldmetallic-Lack besprühte Gartenkugeln aus Plastik) besteht. Der Kontrastumfang zwischen dem schwarzen Samt und dem helleren Glanzlicht beträgt etwas über 9,5 Blendenstufen, zwischen Samt und dem matteren Glanzlicht knapp 8,5 Blendenstufen. Das sollte eine Digitalkamera also eigentlich noch verkraften können.

Allerdings wird der Belichtungsumfang nicht in jedem Fall bis zum Äußersten ausgenutzt – was auch sinnvoll ist, denn in den Schatten drohen stufige Tonwertwiedergabe und Rauschen, in den Lichtern Ausbleichen von Farben oder eben Ausfressen (Clipping) bei Erreichen des Grenzwertes. So werden auch "normale" Aufnahmen dieser Testvorlage ohne weitere Nachbearbeitung in den Schatten zulaufen und/oder in den Glanzlichtern ausfressen.

Um die "normale" oder auch abweichende Belichtung und den Kontrastumfang insgesamt zu ermitteln, haben wir eine mit im Bild befindliche Graukarte verwendet. Ein Problem solcher Motive ist, wenn – wie hier – der Abstand der Lichter vom mittleren Grau sehr hoch ist (hier +5,3 Blendenstufen für die großen Glanzlichter auf den Goldkugeln), denn dann muss man ziemlich stark unterbelichten, um ein Ausfressen der Lichter zu vermeiden. Dadurch werden "normale" Bildbereiche zu dunkel und müssen in der nachfolgenden Bildbearbeitung angehoben werden – im Prinzip das, was auch die Aufnahmeart "Tonwertpriorität" macht.

Detail aus einer Montage zweiter Aufnahmen des Testmotivs bei jeweils -0,6 EV, oben im "Normalmodus" bei ISO 100, unten HPM bei ISO 200. Die violetten Linienstücke verdeutlichen die Grenzlinie zwischen den beiden Aufnahmen.

Bei entsprechenden Aufnahmen sollte man sich das Histogramm in der Kamera anschauen und auf die blinkende Überbelichtungswarnung achten. Dabei geht es vor allem um bildwichtige Lichter, die nicht ausfressen sollen bzw. noch Zeichnung und korrekte Farben haben sollen, etwa Himmel mit Wolken.

Belichtung nach Graukarte mit Überbelichtungsanzeige in den Lichtern (Adobe Camera RAW)

In den nebenstehenden Bildern zur Überbelichtungsanzeige bzw. Bereichshistogrammen (Screendumps von Adobes Camera RAW aus der Photosuite CS3) sind die überbelichteten Bereiche durch rote Warnfarbe markiert (Screendumps von ACR). Sehr schön ist auch das in ACR beziehungsweise in Photoshop mögliche Histogramm für frei wählbare Bildausschnitte. Damit kann man gezielt beispielsweise die Glanzlichter auf den Golkugeln überprüfen.

2/3 Blendenstufen unterbelichtet und HP-Modus. Nur noch die beiden großen Glanzlichter auf den Goldkugeln clippen.

Bei Aufnahmen im HP-Modus erzeugt Adobe Camera RAW (grüne Linie) keine sanftere, sondern sogar eine steilere Gradationskurve als bei Aufnahmen im Normalmodus – ist also geradezu "kontraproduktiv". Die Kurve von DPP (rot) weit dagegen einen sanfteren Verlauf in den Lichtern auf. Zwischen +4 und +5 EV setzt Clipping ein.

Bei der EOS 40D kann man die "Tonwertpriorität" auf einen oder mehrere der benutzerdefinierten Aufnahmemodi am Programmwahlrad legen. Bei der 450D muss man leider immer ins Menü der sogenannten Individualfunktionen gehen, um das ein- oder auszuschalten, was recht umständlich ist. Immer eingeschaltet sollte man diese Betriebsart auch nicht lassen, denn Nutzen bringt sie nur bei kontrastreichen Motiven mit hohem Anteil bildwichtiger Lichter, ansonsten verschlechtert sie nur das Rauschen in den Schatten.

Vergleich der Konvertierung von Digital Photo Professional (DPP) versus Adobe Camera RAW (ACR)

Wer es bevorzugt, im RAW-Format aufzunehmen und die Bilder selbst nachzubarbeiten (anstatt dies der Kamera zu überlassen und deren fertige JPEGs zu verwenden), wird nur mit dem Canon-eigenen DPP (Digital Photo Professional) glücklich werden. ACR von Adobe führt zwar die Aufhellung des Bildes um eine Blendenstufe in etwa korrekt aus, nicht aber die Gradationskorrektur der Lichter, um diese weichzuzeichnen – die Aufnahmen im HPM werden im Gegenteil sogar "härter" als ohne. Hier kann man zwar von Hand eingreifen, aber dann ist es praktischer, auf diese Betriebsart zu verzichten. Lieber bei der Aufnahme gegebenenfalls von Hand um etwa eine Blendenstufe unterbelichten und dies anschließend etwa durch Anheben der Bildhelligkeit ausgleichen.

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