Probleme bei Starliner-Testflug: NASA prüfte SpaceX genauer als Boeing

Nach dem missglückten Testflug von Boeings Raumschiff hat die NASA eigene Fehler eingestanden. Eine Prüfkommission hat Verbesserungsvorschläge formuliert.

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(Bild: Boeing)

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Vor dem problembehafteten Jungfernflug von Boeings Raumschiff im Dezember hatte die NASA wohl zu viel Vertrauen in die Ingenieure des US-Konzerns und hat an wichtigen Stellen nicht genau genug hingesehen. Das hat die US-Weltraumagentur nach der ausführlichen Analyse des Flugs nun eingestanden, berichtet die New York Times.

Angesichts einer seit Jahrzehnten andauernden Kooperation mit Boeing "hatten wir möglicherweise weniger Mitarbeiter, die Boeing kontrolliert haben" als Kollegen bei SpaceX, wo die Herangehensweise an Softwareentwicklung "unkonventioneller" gewesen sei, zitiert die Zeitung den NASA-Manager Steve Stich.

Die NASA hatte die beiden Unternehmen 2014 mit der Entwicklung jeweils eines Raumschiffs beauftragt, dass wieder Astronauten von US-amerikanischem Boden zur Internationalen Raumstation ISS bringen sollte. Angepeilt war damals 2017. Das klappte nicht, aber zuletzt hatte sich SpaceX abgesetzt und im Mai schließlich zwei Astronauten sicher zur ISS gebracht.

Boeings Generalprobe war dagegen im Dezember missglückt und das – unbemannte – Raumschiff Starliner erreichte die ISS nicht, konnte jedoch sicher gelandet werden. Verantwortlich war ein Softwarefehler, ein weiterer war gerade noch rechtzeitig behoben worden. Beide hätten zum Verlust der Raumkapsel führen können.

Wie Kathy Lueders, die neue Chefin der bemannten Raumfahrt bei der NASA, nun eingestand, hatte die Weltraumagentur weder von Boeing noch von SpaceX genügend Dokumentation verlangt. Deshalb habe man bei der NASA nicht vollständig verstanden, wie die Starliner-Software funktionierte und getestet wurde.

Außerdem habe sich die Weltraumagentur bei dem Testflug im Dezember auf die wichtigsten Aspekte konzentriert, um vor allem eine Gefahr für die ISS auszuschließen. Deswegen habe die Softwareentwicklung möglicherweise keine hinreichende Aufmerksamkeit bekommen. Inzwischen würde die sowohl bei Boeing als auch bei SpaceX genauer kontrolliert, schreibt die New York Times.

Nach der ausführlichen Analyse des nicht gescheiterten aber auch nicht geglückten Testflugs hat die Untersuchungskommission insgesamt 80 Vorschläge an Boeing formuliert. Aber auch der US-Weltraumagentur wurde geraten, einige Prozeduren zu überarbeiten. Die dürften nun umgesetzt werden, bevor ein weiterer Startversuch unternommen wird.

Boeing hatte bereits angekündigt, auf eigene Kosten einen zweiten unbemannten Testflug unternehmen zu wollen, bevor Astronauten zur ISS gebracht werden sollen. Der soll möglichst noch Ende des Jahres erfolgen, aber bislang steht kein fester Termin.

(mho)