Produktfotografie: Die magische Box

Im Zeitalter einer visuell kommunizierten Medien- und Konsumgesellschaft, kommt es darauf an, in der Masse aufzufallen. Unsere magische schwarze Selbstbau-Box erlaubt es, individuelle Beleuchtungseinstellungen und Lichtsituationen zu simulieren. Mit einfachsten Materialien kann in der Box sogar die Hintergrundfarbe der Aufnahme schnell und einfach angepasst werden.

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Von
  • Joachim Jüttner
  • Eduard Peter

Wenn Sie einen Zahnarzt bitten, er möge seine Patienten doch bitte mit den Instrumenten eines Augenarztes behandeln, wird er dies sehr wahrscheinlich ablehnen – obwohl beide den Beruf des Arztes ausüben. Ungefähr so verhält es sich auch bei Produktfotografen mit unterschiedlichen Arbeitsschwerpunkten. Die Licht- und Studioausstattung eines Uhrenfotografen eignet sich wenig bis überhaupt nicht für die Aufnahme von Flaschen oder Pullovern. Daher ist es unheimlich schwierig, an dieser Stelle konkrete Empfehlungen in Bezug auf die richtige Ausrüstung abzugeben. Es gibt jedoch einige grundlegende Dinge, die Sie bei der Einrichtung Ihres Studioarbeitsplatzes sowie bei der Wahl der Ausrüstung berücksichtigen können.

In Ihrem Artikel zur Produktfotografie geben Joachim Jüttner und Eduard Peter einen detaillierten Einblick in die Arbeit eines Produktfotografen. Neben allgemeinen Empfehlungen zur Ausrüstung, zeigen sie in der c't Fotografie 4/16 auch ihre Selbstbau-Aufnahmebox. Mit dieser magischen Box können Sie mit einfachsten Materialien eindrucksvolle Objektaufnahmen realisieren.

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Materialliste

  • 8 × Regalleisten 710 mm
  • 4 × Regalleisten 510 mm
  • 90°-Eckwinkel mit Bohrlöchern
  • Schrauben, Muttern, Unterlegscheiben
  • Tafelmagneten
  • Fotokarton in Schwarz und Weiß
  • Architektenpapier
  • Acrylglas (glänzend)

Wir basteln aus Regal leisten, Schrauben und Eckwinkeln einen rechteckigen Rahmen. Maße: 710 mm × 710 mm × 510 mm. Bei den Winkeln sollte darauf geachtet werden, dass die Löcher auf einer Höhe mit den Aussparungen der Regalleisten liegen, sodass keine Löcher mehr gebohrt werden müssen und die Winkel schmal genug sind, um in das Profil der Leisten zu passen. Die Konstruktion kann einfach demontiert und zum Einsatzort mitgenommen werden. Hierfür empfiehlt sich der Einsatz von Flügelmuttern.

Ein günstiger und einfacher Aufbau und eine hohe Flexibilität der Aufnahmebox erlauben einen schnellen Einstieg in die Produktfotografie.

Einfache Eckwinkel verbinden die einzelnen Regalleisten. Nutzt man Flügelmuttern, kann die Konstruktion auch schnell zerlegt und mitgenommen werden.

Die Magnete werden verwendet, um den schwarzen Fotokarton am Rahmen zu befestigen.

Auch wenn der Aufbau simpel ist, ermöglichen die wechselbaren Teile zahlreiche Setups.

Jetzt müssen wir noch dafür sorgen, dass unser Gegenstand gleichmäßig von beiden Seiten ausgeleuchtet wird. Hierzu trennen wir den schwarzen Fotokarton auf einer Seite in zwei Hälften, sodass ein kleiner Spalt entsteht. Diesen Spalt decken wir mit dem Architektenpapier ab, das die Funktion einer Softbox übernimmt.

Befestigt wird das Architektenpapier mit weiteren Tafelmagneten. Der Vorteil dieser flexiblen Konstruktion besteht darin, dass wir den Spalt beliebig in seiner Größe anpassen können, je nachdem, wie viel Licht wir für die Aufnahmesituation benötigen.

Das Architektenpapier im Seitenteil übernimmt die Aufgabe einer Softbox. Die weiße Fläche auf der gegenüberliegenden Seite wirkt als Reflektor.

Damit der Gegenstand im Inneren der Box gleichmäßig ausgeleuchtet wird, kleiden wir die andere Seite der Box mit weißem Fotokarton so aus, dass ein großflächiger Reflektor entsteht. Trotz unserer weißen Lichtquelle bleibt der Hintergrund immer schwarz, da das Licht nur von der Seite auf den Gegenstand trifft und die Rückwand nicht beleuchtet wird. Wenn wir die Hintergrundfarbe verändern möchten, können wir die schwarze Rückwand einfach abnehmen und durch farbigen Fotokarton ersetzen.

Allein mit unterschiedlich gefärbten Hintergründen lassen sich eindrucksvolle Lichtstimmungen umsetzen.

Obwohl wir als frontale Lichtquelle immer eine Lampe mit weißem Licht verwenden, sieht es später auf dem Foto so aus, als hätten wir mit farbigem Licht gearbeitet. So wechselt nur die Hintergrundfarbe, aber nicht die Farbe der Glanzlichter. Die passende Farbstimmung erhält das Glas ohnehin aufgrund seiner Transparenz.

Kreativ kombinieren lässt sich dieser Aufbau mit einer Spotlichtquelle, die wir mit Hilfe eines konisch geformten Lampenschirmes von Ikea gebastelt haben. Dadurch erzeugen wir etwas mehr Spannung am Hintergrund. Der Schirm wird vor der Hauptlichtquelle befestigt und bündelt das Licht zu einem Spot. Als Untergrund verwenden wir glänzendes Acrylglas, da es Spiegelungen erzeugt und den klaren Charakter des Glases unterstreicht.

Diese Aufnahme zeigt, was mit der "magischen Box" möglich ist. Die Spiegelung in der Acrylplatte sorgt für eine spannenden Vordergrund.

(tho)