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Profi-Kaliber: Canon EOS 5D Mark II

Die 5D Mark II mit nunmehr 21 Megapixeln ist nichts für Schönwetter-Knipser, sondern versteht sich eher als robustes Arbeitstier. Neu ist gegenüber der alten 5D nicht nur die Auflösung, sondern auch die Live-View- und Video-Funktion.

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Inhaltsverzeichnis

Canon behauptet, dass überarbeitete „spaltfreie“ Mikrolinsen der kleineren Pixelfläche entgegenwirken – bei der alten 5D teilten sich nur 12 Millionen Pixel den Sensor. Äußerlich fällt auf Anhieb das Display auf: Es ist nicht nur größer, sondern hat eine höhere Auflösung (VGA mit mit 640 × 480 Bildpunkten entspr. 920.000 Subpixeln) und erlaubt eine bessere Beurteilung der Aufnahme, zumal der leichte Grünstich des Vorgängermodells fehlt. Leider gibt es keine Möglichkeit, mit einem Knopfdruck in die 1:1-Darstellung zu zoomen. Die automatische Helligkeitsregelung des Displays arbeitet gut, der Ablesewinkel ist hervorragend.

Der Knopf für den Direktdruck schaltet als Zweitfunktion in den neuen Livebild-Modus, der drei Autofokus-Optionen bietet: den Quick-Modus, in dem beim Auslösen oder bei Betätigung der AF-On-Taste der Spiegel herunterklappt und das AF-Modul aktiv wird, der Live-Modus, in dem die Kamera ohne Spiegelgeklapper über eine Kontrastmessung langsamer und ungenauer scharfstellt, sowie der Live-Modus mit Gesichtserkennung. Die Möglichkeit, im Livebild-Modus das Bild zu vergrößern, erlaubt sehr präzises manuelles Scharfstellen. Aktiviert man die Belichtungssimulation, erkennt man auf dem Display außerdem die Wirkung von manuellen Vorgaben für Zeit und Blende. Ein einblendbares Gitter erleichtert etwa Architekturaufnahmen. Außerdem gibt es eine Option, um im Livebild- Modus geräuscharm zu fotografieren. Leider hat Canon bei der spannenden Video-Funktion nur zwei Auflösungen vorgesehen: Bescheidene 640 × 480 und 1920 × 1088 Bildpunkte, ein Wert dazwischen wäre sinnvoll gewesen. Für Aufnahmen in der hohen Auflösung benötigt man eine schnelle Speicherkarte, denn bei 30 Vollbildern pro Sekunde beträgt die (variable) Bitrate im Mittel 37,3 MBit/s. Auf einem fixen PC (in unserem Fall ein Athlon 64 X2 4600 mit 2,4 GHz) klappt die Wiedergabe problemlos, biedere Unterhaltungselektronik scheint von der mäßig komprimierten Datenmasse aber überfordert. Das Videografieren ist übrigens keine einfache Angelegenheit: Nach unseren ersten Erfahrungen sollte man vom Autofokus (AIServo) Abstand nehmen, da er mit seinem Pumpen und Motorgeräuschen die Aufnahmen stört. Ohnehin gilt es, die Kamera absolut ruhig zu halten oder ein Stativ zu verwenden. Camcorder-verwöhnte Hobbyfilmer müssen mit der 5D Mark II kräftig üben.

Eine wichtige Neuerung betrifft das Blitzen: Endlich gibt es eine Automatikeinstellung, die die Belichtungszeit variabel zwischen 1/200 und 1/60 s regelt. Sehr gelungen (und schon beim Kit-Objektiv sinnvoll) ist die neue Funktion, die bei JPG-Bildern die Vignettierung herausrechnet. Allerdings nimmt durch die Aufhellung der Ecken das Rauschen zu, was sich bei hohen ISO-Werten vielleicht sogar störender bemerkbar machen würde als die Vignettierung. Doch Canon war so clever, die Aufhellwirkung bei hohen ISOWerten abzuschwächen.

Das bewährte Canon-Bedienkonzept mit Daumen- und Zeigefinger- Wahlrad findet sich auch an der EOS 5D Mark II wieder. Die Menüs wurden aber kräftig aufgeräumt.

Die neue „Tonwert-Priorität“ verändert die Gradation zwischen mittlerem Grau und hellen Tonwerten, um die Detailzeichnung in den hellen Bereichen zu verbessern. Dabei nimmt das Rauschen in dunklen Bereichen etwas zu. Die automatische Belichtungsoptimierung arbeitet entgegengesetzt: Sie hellt dunkle Bereiche auf, in denen dann mehr Details sichtbar werden. Das Rauschen nimmt dabei erfreulicherweise nur wenig zu. Die mittlerweile obligatorische Sensorreinigung hat Canon der Mark II ebenfalls spendiert.

Beim Autofokus lässt sich hinsichtlich der Empfindlichkeit bei schlechten Lichtverhältnissen keine Verbesserung gegenüber der alten 5D feststellen. Im direkten Vergleich etwa mit der Nikon D300 bei EV 4 benötigt die Mark II erheblich kontrastreichere Strukturen für die Scharfstellung. Für Profis praktisch: Für bis zu 20 Objektive lassen sich Autofokus-Korrekturwerte abspeichern. Eine positive Überraschung gab es dann schließlich hinsichtlich des Rauschens bei hoher Empfindlichkeit: In 3200-ISO-Stellung steht die Mark II ihrer Vorgängerin in nichts nach. Selbst bei ISO 6400 liefert die Mark II noch sehr brauchbare Ergebnisse, zwar mit sichtbarem Rauschen, jedoch mit kräftigen Farben und recht guter Detailwiedergabe.