Programmiersprache Hare: Einfach, stabil, robust und ... "langweilig"

Das Entwicklerteam der Sprache Hare will diese bis zur stabilen Version 1.0 entwickeln und danach nur noch Bug Fixes und kleine Verbesserungen liefern.

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(Bild: Volodymyr Burdiak / Shutterstock.com)

Von
  • Frank-Michael Schlede
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Bereits im April 2022 hat der Softwareentwickler Drew DeVault Hare als einfache, stabile und robuste systemorientierte Programmiersprache angekündigt. Nun bezeichnet er sie in einem Blog-Eintrag vor dem Hintergrund der erklärten Absicht, Hare nur bis zur Version 1.0 weiter zu entwickeln, sogar als “langweilig“. Das soll ein Feature der Sprache sein, die laut DeVault dann auch in 50 Jahren noch die Programme von 2022 problemlos übersetzen kann.

In einem aktuellen Blog-Eintrag bezeichnet DeVault die von ihm entwickelte Programmiersprache Hare als „langweilig“. Er führt dazu aus, dass die Sprache über relativ wenige Funktionen verfügt, die in einer kurzen 67-seitigen Sprachspezifikation umfassend beschrieben werden. Es gibt keine Makros, Generika oder Metaprogrammierfunktionen. Programmierer und Programmierinnen schreiben einfach den Code und der tut dann nach DeVaults Aussagen genau das, was man ihm gesagt hat. Überraschungen soll es auf diese Weise bei der Entwicklung von Software mit Hare nicht geben.

Grundsätzlich handelt es sich bei Hare um eine Systemprogrammiersprache, die einfach, stabil und robust sein soll. Hare verwendet ein statisches Typsystem, manuelle Speicherverwaltung und eine minimale Runtime.

Die Progammiersprache ähnelt - wie hier deutlich zu sehen - in vielen Punkten der traditionellen C-Sprache.

(Bild: https://harelang.org/)

Das Hare-Team führt weiter aus, dass diese Sprache weder große neue Ideen noch neuartige Werkzeuge zu bieten hat. Andere, relative neue Sprachen wie beispielsweise Zig können mit Besonderheiten wie comptime – ein Schlüsselwort, mit dessen Hilfe Code explizit zur Compile-Zeit ausgewertet werden kann – oder wie Rust mit prozedurale Makros aufwarten. Die Entwickler und Entwicklerinnen bezeichnen die ad-hoc getaggte Unions als größte aber im Vergleich auch nicht besonders interessante Innovation bei Hare.

So sollen Entwicklerinnen und Entwickler ihre Hare-Programme nur einmal schreiben müssen. Danach sollen sie sich darauf verlassen können, dass die Programme ihre Aufgabe für eine lange Zeit erfüllen können. In diesem Zusammenhang weisen die Hare-Entwickler darauf hin, dass sie nicht oft gezwungen sind, den von ihnen geschriebenen Code zu überarbeiten: Ein ideales Hare-Projekt schließt nach deren Definition seine Ziele ab und hört auf, behebt nur noch Fehler und fügt im Laufe der Zeit kleinere Verbesserungen hinzu.

Der Plan besteht darin, die Sprache einzufrieren, sobald sie 1.0 erreicht hat, und die Entwicklung neuer Sprachfunktionen einzustellen. Nach 1.0 sollen dann die einzigen Änderungen an der Spezifikation Klarstellungen und kleinere Korrekturen sein. Das erklärte Ziel von DeVault und seinen circa 30 Mitstreitern und Mitstreiterinnen besteht darin, eine Sprache zu entwickeln, auf die sich Programmierer so lange wie möglich verlassen können.

Ein Hare-Programm, das an dem Tag geschrieben wurde, an dem die Version 1.0 veröffentlicht wurde, soll so auch in 50 Jahren noch auf aktuellen Hare-Compilern kompiliert werden können. Ein Hare-Compiler, der am selben Tag der Veröffentlichung geschrieben wurde, soll in einem halben Jahrhundert nach wie vor neue Hare-Programme kompilieren können.

Wer sich für diese Sprache und ihre sehr langfristigen Ziele samt der Versprechen großer Stabilität interessiert, findet auf der Webseite des Projekts sowohl ein Tutorial als eine Liste der unterstützten Plattformen. Dabei handelt es sich ausschließlich um Unix-ähnliche Plattformen, da die Macher von ausdrücklich betonen, dass sie keine proprietären Betriebssystem unterstützen. Neben dem Sourcecode will das Team die komplette Hare-Distribution demnächst auch auf einer 3,5-Zoll Floppy-Disk anbieten. Für diese Fälle bliebe dann allerdings noch zu klären, woher Interessierte die entsprechende Hardware zum Lesen solcher Medien bekommen.

(fms)