Projekt GNU Taler: Das quelloffene Bargeld

Mit dem Bezahlsystem GNU Taler wollen Entwickler die Vorteile des Bargelds in die digitale Welt tragen. In der Mensa der FH Bern lässt es sich jetzt nutzen.

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(Bild: Kowit Lanchu/Shutterstock.com)

Von
  • Monika Ermert
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Mit ihrem neuen elektronischen Bargeld will eine Gruppe von GNU-Entwicklern um den Berner Professor Christian Grothoff eine Alternative zu Blockchain-Währungen und Stablecoins wie Libra anbieten. Ab dem heutigen Montag sollen Kunden mit dem quelloffenen, "Taler" genannten System in der Mensa der Fachhochschule Bern bezahlen können.

Die Entwickler, die auch von GNU-Galionsfigur Richard Stallmann unterstützt werden, versprechen, dass die "Taxable Anonymous Libre Electronic Reserves" so datenschutzfreundlich sein werden wie klassisches Bargeld, bei allen Annehmlichkeiten des Online-Bezahlens. Zudem wollen sie die Nachteile von Bitcoin und Co. vermeiden, wie den hohen Energieverbrauch und die starken Wertschwankungen. Zugleich soll auch die Datenaggregation vermieden werden, wie sie bei dem von Facebook vorangetriebenen Stable Coin Libra drohen könnte. Allerdings baut der Taler auch kein dezentrales Netzwerk mit Blockchain auf, sondern setzt auf zentrale Autoritäten, Exchanges genannt, hinter denen letztlich regulierte Geschäftsbanken stehen sollen. Es gehe nicht darum, eine neue Währung zu schaffen.

Beim Taler soll die Identität der Nutzer bei der Zahlung geschützt sein – die Einnahmen der Händler aber seien etwa für Steuerbehörden nachverfolgbar. Das sei auch gewollt, denn dadurch könne Besteuerung und Anti-Geldwäsche-Regulierung sicher umgesetzt werden. Der Wert eines Talers entspricht dabei der jeweiligen Währung, die hier kryptografisch repräsentiert und transferiert wird. Die Ausgabe der Taler übernimmt eine oder mehrere der Exchanges, bei denen sich die jeweilige Landeswährung in die Taler umtauschen lässt. Der Nutzer muss dafür natürlich Geld einlegen, das auf einem Treuhandkonto bei einer Bank geparkt werde.

Beim Bezahlen signiert der Kunde per Click mit seinem privaten Schlüssel, dass die entsprechenden Taler die Hand wechseln dürfen. Der Händler deponiert sie bei der Exchange. Die prüft, ob die Taler valide und noch nicht ausgegeben sind, schreibt sie dann dem Händler gut und weist eventuell später den Wert in Euro oder etwa Franken auf das Konto an. Dafür muss der Händler natürlich bekannt sein.

Direkte Peer-to-Peer-Zahlungen sind in der aktuellen Version 0.7 des Taler-Protokolls noch nicht möglich, sollen aber folgen. Um Zahlungen anzunehmen und wieder in normales Geld zu tauschen, muss man derzeit die Taler-Verkäuferschnittstelle einrichten und damit zum "Merchant" werden. Die Coins werden über diese API durch die Exchange gesammelt.

Die digitalen Talermünzen werden rein lokal auf dem Rechner des Nutzers abgelegt. Welche "Nummern" die von ihr ausgegebenen digitalen Münzen haben – einfach gesagt handelt es sich dabei um PKI-Schüsselpaare –, weiß die Exchange nicht. Um das zu garantieren, setzen die Taler-Entwickler auf die 1982 von David Chaum entwickelten und später für DigiCash eingesetzten RSA-basierten, blinden Signaturen. Verglichen werden diese mit dem Unterschreiben eines verschlossenen, mit Durchschlagpapier ausgelegten Briefs eines vom Signierer verifizierten Absenders. Der Nutzer prägt gewissermaßen seine Münzen durch die Schlüsselerzeugung und den Blendungsfaktor selbst. Die Bank ist letztlich der Garant dafür, dass jede Münze nur einmal ausgegeben wird.

Für den Nutzer selbst und die Bank haben die Entwickler die Krypto-Operationen bewusst verborgen. Einfache Nutzbarkeit heißt das Gebot. Das Aufsetzen einer Wallet und der Bezug der Taler funktioniert über das Webprotokoll https. Aktuell implementiert sind neben einer Android-App auch Add-ons für Mozilla, Opera und Chrome.