Proteste im Iran: Mit Starlink-Antennen gegen die Internetsperren?

Im Iran sind erneut heftige Proteste ausgebrochen, das Regime reagiert auch mit Internetsperren. Dagegen könnte Starlink helfen, meint Elon Musk.

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(Bild: esfera/Shutterstock.com/Starlink/heise online)

Von
  • Martin Holland

Nachdem Elon Musk behauptet hat, dass SpaceX um eine Ausnahme von Sanktionen bitten wird, um Antennen für das Satelliteninternet Starlink in den Iran liefern zu können, hat die US-Regierung angedeutet, dass das überhaupt nicht untersagt sei. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, hat das US-Finanzministerium erklärt, dass bestimmte Technik für Satellitenkommunikation nicht unter die bestehenden Sanktionen gegen die Islamische Republik falle. Dafür heiße sie Anträge auf spezifische Lieferlizenzen zur Unterstützung der Internetfreiheit im Iran ausdrücklich willkommen. Ohne sich direkt auf Starlink zu beziehen, heißt es demnach, dass bestimmte Exporte, etwa von "Satellitenterminals für Private" erlaubt seien.

Ausgelöst hatte der US-Milliardär die Klarstellung einmal mehr mit einem Tweet. Angesichts der heftigen Proteste und neuerlicher Internetsperren im Iran hatte der Wissenschaftsjournalist Erfan Kasraie Musk gefragt, ob es technisch möglich sei, Iranern und Iranerinnen Starlink anzubieten. Musk antwortete, dass der Anbieter um eine Ausnahmegenehmigung von den drakonischen US-Sanktionen gegen die Islamische Republik bitten werde. Dabei geht es vor allem darum, den Menschen in dem Land einen Internetzugang anzubieten, der nicht von dem Regime in Teheran kontrolliert wird. Das hat das Internet erst vor wenigen Tagen angesichts einer Protestwelle wieder einschränken lassen. Auslöser war der Tod einer 22-jährigen Frau wenige Tage nach ihrer Verhaftung durch die Sittenpolizei.

Ob Starlink-Antennen tatsächlich ein sinnvolles Werkzeug für den Kampf gegen iranische Internetsperre, Internetzensur und Internetüberwachung wären, ist zumindest zweifelhaft. Bislang ist das Satelliteninternet in keinem der Nachbarländer verfügbar, nötig wären aber geografisch vergleichsweise nahe Bodenstationen, mit denen sich die Satelliten verbinden können, wenn eine Internetverbindung aus dem Iran aufgebaut wird. Laut inoffizieller Starlink-Karten scheint es eine solche Bodenstation in Saudi-Arabien zu geben, dort soll der Dienst 2023 freigeschaltet werden. Außerdem müssten die Antennen dann mutmaßlich am Regime der Islamischen Republik vorbei ins Land geschleust werden. Die sind aber nicht unauffällig und können wohl nicht lange heimlich benutzt werden; ohne einen unverstellten Blick auf den Himmel verweigern sie die Arbeit.

SpaceX baut Starlink seit 2019 auf, weit über 2000 aktive Satelliten binden aktuell weite Teile Nordamerikas, Europa sowie Teile Südamerikas und Australiens an. In Afrika, Asien und der Antarktis gibt es bislang lediglich Tests, trotzdem hat der Dienst damit bereits alle sieben Kontinente erreicht. Künftig sollen 30.000 Satelliten vorgeblich Regionen über Starlink einen schnellen Internetzugang bekommen, die über konventionelle Technik nicht wirtschaftlich anzubinden sind. Zuletzt gab es vor allem Berichte über Airlines und dann auch einen Kreuzfahrtkonzern, die sich den Dienst für ihre Kunden und Kundinnen sichern. Zudem hat Starlink dabei geholfen, Hunderttausende Menschen in der Ukraine nach Beginn des russischen Angriffskriegs mit Internet zu versorgen.

(mho)