Proteste im Iran: Starlink angeblich aktiviert, viele Hindernisse verbleiben

Um Proteste niederzuschlagen, hat die Islamische Republik auch das Internet eingeschränkt. Trotz Elon Musks Versprechen dürfte Starlink da nicht viel helfen.

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(Bild: vanchai tan/Shutterstock.com)

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Nachdem der US-Milliardär Elon Musk am Wochenende angekündigt hat, dass sein Raumfahrtunternehmen SpaceX das Satelliteninternet Starlink für den Iran freischalten will, ist das angeblich geschehen. Das jedenfalls hat er angeblich Karim Sadjadpour vom Think Tank CEIP (Carnegie Endowment for International Peace) gesagt. Kurzfristig dürfte das wenig Konsequenzen haben, denn im Iran fehlen nicht nur die Antennen, um über Starlink ins Internet zu kommen. Außerdem sind die benötigten Bodenstationen laut inoffiziellen Zusammenstellungen viel zu weit vom Iran entfernt, um solche Verbindungen herzustellen. Stattdessen nutzen Kriminelle die Hoffnung von Iranern und Iranerinnen auf Internet über Starlink aktuell vermehrt für die Verbreitung von Malware aus.

Musk hat die Hoffnungen vergangenen Woche mit einem Tweet befeuert. Als im Iran als Reaktion auf den Tod einer jungen Frau nach ihrer Festnahme durch die Sittenpolizei massive Proteste ausgebrochen waren, hat der SpaceX-Chef behauptet, dass die Firma eine Ausnahmegenehmigung zur Lieferung von Starlink-Antennen ersuchen würde. Damit könnte den Menschen in der Islamischen Republik ein Internetzugang angeboten werden, der nicht vom Regime kontrolliert wird, implizierte Musk. Teheran hat zur Niederschlagung der Proteste zuerst Instagram sowie Whatsapp und schließlich das mobile Internet gesperrt. Internetverbindungen über Starlink wären von solchen Maßnahmen nicht betroffen.

Als US-Außenminister Antony Blinken auf Twitter erklärte, dass die US-Regierung eine allgemeine Lizenz erteilt habe, um trotz der harten Sanktionen gegen den Iran den Menschen dort "einen besseren Zugang zu digitaler Kommunikation zu ermöglichen", antwortete Elon Musk nur mit "aktiviere Starlink". Der Tweet wurde rasend schnell verbreitet: vor allem auch die iranische Diaspora hatte unter dem Hashtag #Starlink_for_Iran dafür geworben, den Dienst in dem Land verfügbar zu machen. Auch wenn SpaceX das nun aber tatsächlich getan haben sollte, verbleiben noch große Hindernisse. Zugleich ist zweifelhaft, dass der Dienst den Menschen dort wirklich helfen kann und wie das Regime in Teheran auf den Schritt reagiert. Die Internetseite von Starlink wurde dort jedenfalls umgehend gesperrt.

Je nachdem, wie das Satelliteninternet im Iran eingesetzt werden soll, müssten Tausende Antennen in das Land gebracht werden – ohne Kooperation der Behörden ginge das nur über Schmuggel. Schwer vorstellbar ist jedoch, dass die dann heimlich installiert werden könnten, um größeren Teilen der Bevölkerung einen freien Zugang zum Internet zu geben. Nur so wäre es aber vorstellbar, dass die Menschen im Iran die Technik nutzen könnten, um untereinander zu kommunizieren und beispielsweise Proteste organisieren. Sollten dagegen nur wenige Antennen ins Land geschmuggelt und in Betrieb genommen werden, könnten damit vor allem Bilder und Videos in den Rest der Welt geschickt werden. Das gelingt aber auch aktuell trotz der weitgehenden Internetsperren.

Beide Szenarien beruhen aber auf der Voraussetzung, dass Starlink rechtzeitig eine Bodenstation in Betrieb nimmt, die nah genug liegt. Eine womöglich nur für Testzwecke aktive Station in Saudi-Arabien taucht auf den inoffiziellen Starlink-Karten nicht mehr auf. Auf Twitter kursierende Berichte von Starlink-Antennen, die angeblich bereits in den Iran geschmuggelt worden sein sollen, sind deshalb wenig aussagefähig – ein erster hat sich schon als falsch herausgestellt. Bislang haben sich auch weder Elon Musk noch SpaceX dazu geäußert. Die neuesten Starlink-Satelliten können zwar per Laser auch untereinander kommunizieren und damit größere Distanzen bis zur nächsten Bodenstation überbrücken. Das dürfen sie aber nur um den Nord- und Südpol zu Testzwecken.

Die Financial Times verweist derweil darauf, dass die neuen Genehmigungen der US-Regierung für die Lieferung der Antennen in den Iran gar nicht ausreichen könnten. Das meinen demnach anonyme Personen, die früher in relevanten US-Behörden gearbeitet haben. Der US-Regierung gehe es stattdessen um Technik, die Iranerinnen und Iranern über VPN-Dienste einen Internetzugang ermöglicht. Nicht vergessen werden sollten in der Angelegenheit auch Warnungen aus den Anfängen des Ukraine-Kriegs. Als dort in großem Umfang Starlink eingesetzt wurde, um Menschen einen von Russland unabhängigen Internetzugang zu geben, hatten Experten darauf verwiesen, dass diejenigen, die die Antennen aufstellen, sich angreifbar machen. Immerhin können die Geräte geortet werden.

Al Jazeera berichtet unterdessen nicht nur über die Malware-Kampagnen, mit denen die Hoffnung der Menschen im Iran aktuell ausgenutzt wird. Das Nachrichtenportal zitiert einen iranischen Entwickler, der darauf hinweist, dass die Islamische Republik solch eine Einmischung sicher nicht tolerieren werde. Starlink könne seine Dienste im Iran sicher nicht anbieten, ohne gegen internationale Verträge zu verstoßen. Das Regime in Teheran könnte SpaceX dann womöglich Probleme bereiten, etwa bei der ITU. Dabei könnte Teheran auf Unterstützung aus Russland und China hoffen, wo Musks Firma ebenfalls nicht gut gelitten ist.

Update

Der ursprünglich eingebettete Tweet mit dem frischen Starlink-Paket auf einem Persischen Teppich basiert auf einem alten Foto aus den USA und wurde entfernt.

(mho)