Proxima Centauri: "Wahnsinnig große" Eruption bedeutet nichts Gutes für Planeten

Mit gleich fünf Instrumenten wurde vor zwei Jahren eine gigantische Eruption bei Proxima Centauri beobachtet. Die sind dort wohl ziemlich häufig.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 228 Beiträge

Künstlerische Darstellung einer Eruption von Proxima Centauri

(Bild: NRAO/S. Dagnello)

Von
  • Martin Holland

Auf dem sonnennächsten Stern Proxima Centauri könnten Eruptionen an der Tagesordnung sein, die einhundert Mal so stark sind wie die stärksten der Sonne. Eine solch "wahnsinnig große" Eruption haben vor zwei Jahren gleich fünf verschiedene Instrumente beobachtet, wie die verantwortlichen Forscher und Forscherinnen und erläutern. Die Analyse dieses immensen Ausbruchs könnte auch Konsequenzen für die Suche nach außerirdischem Leben haben, meinen sie. So habe der Ausbruch nur sieben Sekunden gedauert, den Stern im ultravioletten Spektrum aber um das 14.000-fache heller werden lassen. Um das zu überstehen, müsste Leben dort ganz anders aussehen als auf der Erde.

Nachdem schon vorher bei dem nur vier Lichtjahre entfernten Stern mächtige Eruptionen beobachtet worden waren, hatten die Forscher und Forscherinnen um Meredith MacGregor von University of Colorado für insgesamt 40 Stunden neun verschiedene Teleskope gleichzeitig auf Proxima Centauri gerichtet. Dazu gehörten das Weltraumteleskop Hubble, das riesige ALMA (Atacama Large Millimeter/submillimeter Array) der Europäischen Südsternwarte (ESO) und sogar der Exoplanetenjäger TESS (Transiting Exoplanet Survey Satellite) der NASA. Fünf davon hätten den massiven Ausbruch am 1. Mai 2019 beobachten können und so kam eine ganze Bandbreite an Spektren zusammen. Die Studie wird nun in den Astrophysical Journal Letters vorgestellt.

Im sichtbaren Licht war der Ausbruch demnach nicht erkennbar, dafür vor allem im UV- und Radio-Spektrum. Insgesamt war die Eruption demnach ungefähr einhundert Mal so stark wie die stärksten der Sonne. Mit der Zeit könnten solche Eruptionen die Atmosphäre eines Planeten hinwegblasen und mögliche Lebensformen tödlicher Strahlung aussetzen, heißt es in der Erklärung. Exoplaneten von Proxima Centauri – von denen bislang zwei entdeckt wurden – wären solch einer Eruption nicht einmal pro Jahrhundert, sondern mindestens einmal täglich oder sogar mehrmals täglich ausgesetzt. Auch andere Ausbrüche wurden demnach beobachtet und das Team hält weitere Überraschungen für möglich.

Proxima Centauri ist als sonnennächster Stern schon lange ein bevorzugtes Ziel für die Astronomie. Als Roter Zwergstern gehört er zur mit Abstand häufigsten Klasse von Sternen der Milchstraße. Rote Zwerge sind aber auch besonders aktiv, erklären die Forscher und Forscherinnen nun. Für Exoplaneten dort bedeutet das nichts Gutes. "Wenn es Leben auf dem Planeten gibt, der Proxima Centauri am engsten umkreist, müsste es ganz anders aussehen, als alles, was wir von der Erde kennen", ordnet MacGregor die Erkenntnis ein: "Ein Mensch auf diesem Planeten hätte es ziemlich schwer." Proxima Centauri war zuletzt im Dezember im Fokus der Aufmerksamkeit gerückt, als dort ein mysteriöses Signal entdeckt wurde, das gegenwärtig noch analysiert wird.

(mho)