Prozessauftakt in Trier: Nie dagewesenes Riesenverfahren um den Cyberbunker

Beim Bulletproof-Hoster an der Mosel wurden unter anderem die C&C-Server des Mirai-Botnetzes beherbergt. Nun begann der Prozess gegen die Drahtzieher.

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In Trier begann heute ein bisher einzigartiger Prozess in der deutschen Strafgeschichte. Angeklagt sind die Betreiber eines sogenannten Bulletproof-Hosters, die vorsätzlich illegale Webseiten gehostet haben sollen.

(Bild: Fabian A. Scherschel)

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  • Fabian A. Scherschel
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Am heutigen Montag wurde an der 1. Großen Jugendkammer des Landgerichts Trier der Prozess gegen die Drahtzieher des vor einem Jahr ausgehobenen Darknet-Rechenzentrums Cyberbunker eröffnet. Vier Niederländern, drei Deutschen und einem Bulgaren wird vorgeworfen, als Betreiber dieses sogenannten Bulletproof-Hosters knapp 250.000 Straftaten mit ermöglicht zu haben. Der Prozess ist der erste dieser Art in der deutschen Strafgeschichte, bei dem die Betreiber eines Hosting-Dienstes für die Straftaten ihrer Kunden mit belangt werden.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten die Bildung einer kriminellen Vereinigung vor, die nur zu dem Zweck bestanden habe, von den Straftaten anderer Krimineller zu profitieren. Den Angeklagten droht somit theoretisch eine Höchststrafe von 15 Jahren Gefängnis, zwei von ihnen waren zum Zeitpunkt der Taten voll oder teilweise Heranwachsende und können deswegen mit einem milderen Urteil rechnen.

Der Mammutprozess an der Mosel ist mit jeweils zwei Verhandlungstagen pro Woche bis Ende 2021 anberaumt. Eine enorme Zeitspanne, die nach der schieren Menge der zu untersuchenden Straftaten zu urteilen allerdings durchaus ausgeschöpft werden könnte. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten insgesamt sieben Straftatenkomplexe zur Last. So hätten sie zum einen die vier Untergrund-Marktplätze Cannabis Road, Wall Street Market, Fraudsters und Flugsvamp 2.0 gehostet. Außerdem haben sie laut Staatsanwaltschaft drei Handelsplätze für experimentelle, synthetische Drogen aus China betrieben. Des Weiteren wird ihnen vorgeworfen, eine Link-Liste mit über 6500 Webseiten im Tor-Netz gehostet zu haben, über die Drogen, Falschgeld, Mordaufträge, Waffen und Kinderpornografie gehandelt wurden.

Schließlich soll das Cyberbunker-Rechenzentrum der Angeklagten im rheinland-pfälzischen Traben-Trarbach auch die sechs Command-and-Control-Server des Botnetzes Mirai beherbergt haben, über das im November 2016 über eine Million Speedport-Router der Deutschen Telekom bei einem missglückten Angriff zum Absturz gebracht wurden. Die Angeklagten hätten dem mittlerweile Verurteilten Drahtzieher des Mirai-Angriffs aktiv Hilfe angeboten, als dessen C&C-Server-Adressen von Anti-Spam-Anbietern geblockt wurden. Sie hätten in diesem Fall versucht, dem Botnetz-Betreiber Premium-Services zu verkaufen, um seine Bots weiter funktionstüchtig zu halten.