Prozessoren mit Übertaktungsgarantie: Silicon Lottery schließt die Pforten

Seit Intels CPU-Familie Core i-4000 bot die Silicon Lottery selektierte Prozessoren an – nun ist Schluss, weil sich das Geschäftsmodell nicht mehr lohnt.

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(Bild: Mark Mantel / heise online)

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  • Mark Mantel

Die US-amerikanische Silicon Lottery machte sich zu Zeiten von Intels Kaby Lake alias Core i-4000 einen Namen: Sie suchte aus zahlreichen Core i7-4790K die besten Modelle, um CPU-Taktfrequenzen von bis zu 5,0 GHz zu garantieren – damals waren solche Werte längst nicht selbstverständlich. Zudem "köpfte" der Anbieter die CPUs, um die Wärmeleitpaste unter dem Metall-Heatspreader mit Flüssigmetall zu ersetzen und so die Wärmeabfuhr erheblich zu verbessern.

Das Konzept bewährte sich über die nächsten Jahre und fand schließlich auch internationale Konkurrenz: In Deutschland etwa bietet Caseking selektierte und auf Wunsch geköpfte Prozessoren an. Im Falle der Silicon Lottery ist jetzt jedoch Schluss. Mangels Profitabilität stellt der Betreiber das Geschäft ein.

Der Entschluss zeigt, wie sich die Prozessorwelt seit AMDs erster Ryzen-Generation und dem daraus entstandenem Druck auf Intel geändert hat.

In einem Hinweis auf der Website nennt die Silicon Lottery drei Gründe für den Ausstieg: Sowohl Intel als auch AMD reizen ihre Prozessoren ab Werk immer stärker aus, sodass kaum noch Spielraum zum Übertakten bleibt. Beim aktuellen Achtkerner Core i9-11900K etwa garantiert Intel einen All-Core-Turbo von 4,7 GHz, unter den richtigen Voraussetzungen schafft die CPU bis zu 5,0 GHz. Für ein 5,1-GHz-Modell rief die Silicon Lottery allerdings schon 780 US-Dollar statt 500 Dollar auf.

Zudem verlötet Intel die Heatspreader bei den Topmodellen wieder, sodass deren Entfernung kaum Vorteile bietet. Ryzen-CPUs verkaufte der Anbieter aus diesem Grund und wegen des ausgefeilten Boosts seit jeher nur vereinzelt. Drittens waren Prozessoren zur Vorstellung laut Silicon Lottery zuletzt besonders schlecht verfügbar.

Der Betreiber schließt nicht aus, künftig wieder selektierte Prozessoren anzubieten, sollte sich der Markt wieder ändern. Mindestens die nächste CPU-Vorstellung, Intels Alder Lake-S alias Core i-12000, lässt der Anbieter aber aus. Auf der Website finden sich derweil noch die Übertaktungs-Statistiken zahlreicher Modelle.

(mma)