Public Cloud als Vorbild: HPE erweitert In-House-Cloud um Software-Dienste

HPE erweitert seine On-Premises-Cloud Greenlake um mehrere Software-Module. So konkurriert HPE stärker mit Public-Cloud-Providern – und bislang treuen Partnern.

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(Bild: Sundry Photography/Shutterstock.com)

Von
  • Harald Weiss

HPE hat sein Software-Angebot im Rahmen seines Greenlake-Portfolios deutlich ausgebaut. Bei Greenlake wird eine Cloud-ähnliche Infrastruktur in den Räumen des Kunden installiert, die aber vom Hersteller gemanagt wird. Dabei erfolgt die Abrechnung dieser Infrastruktur verbrauchsabhängig, wenn auch nur innerhalb gewisser Grenzen – Everything-as-a-Service heißt das dann. Bislang lag der Fokus dieser In-House-Cloud-Angebote bei Hardware- und Netzkomponenten, doch um mit den Cloud-Providern zunehmend gleichzuziehen, wird das Portfolio mit immer mehr mit Software ergänzt.

So ist auch das Kernstück der HPE-Neuheiten eine umfangreiche Software-Erweiterung, die vor allem die Edge-to-Cloud-Plattform betrifft. Hierzu wurde ein Framework vorgestellt, das eine einfache durchgängige Datenverarbeitung von den Enden der IT bis hin zur Cloud ermöglichen soll. Wobei HPE mit dem Begriff Cloud etwas großzügig umgeht: Er wird sowohl in der allgemeinen üblichen Notation einer Public Cloud, als auch für die On-Premises Greenlake-Cloud verwendet. Anwendungsseitig sieht HPE den Einsatz von Edge-to-Cloud im industriellen Umfeld, für den man auch entsprechende IoT-Komponenten anbietet. Laut HPE ist das Edge-to-Cloud-Adoption-Framework das erste seiner Art und adressiert mit seinen vielen Tools und Features nahezu alle zugehörigen Bereiche: Business-Strategie und IT-Governance, Mitarbeiter, Operations, Innovation, Anwendungen, DevOps, Daten und die Sicherheit.

HPE führt neue Software-Module für seine Greenlake-On-Premises-Cloud ein, darunter eine sogenannte Edge-to-Cloud-Plattform.

(Bild: HPE)

Neben dem neuen Framework kündigte HPE auch Greenlake für Unified Analytics und Greenlake für Data Protection an. Ersteres ist eine einheitliche Analyseplattform für Daten und Anwendungen, mit der Analytics- und Data-Science-Teams ihre Arbeiten direkt vor Ort vornehmen können. Ein weiterer Software-Service, der in diese Richtung geht, ist Ezmeral Unified Analytics. Das ist eine einheitliche Analyse- und Data Lakehouse-Plattform, die für die lokale Bereitstellung von Analytics-Tools optimiert ist. Hierzu gehört der Ezmeral Data Fabric Object Store, ein neuer Kubernetes-nativer Objektspeicher, der ebenfalls für hochperformante Analytics ausgerichtet ist.

Die dritte Ankündigung betrifft die Sicherheit und den Datenschutz. Mit Greenlake Data Protection steigt HPE auch in den Markt für "Data Protection-as-a-Service" (DPaaS) ein. Dazu gehört der Backup- und Recovery-Service, der eine richtlinienbasierte Orchestrierung und Automatisierung von Backup und Restore erlaubt. Basierend auf der Zerto-Akquisition plant HPE jetzt auch deren Desaster-Recovery-Programm als weiteren Service in Greenlake aufzunehmen.

"Dieses ist ein wichtiger Schritt im Rahmen unserer Transformation zu einem Software-Unternehmen", sagte Keith White, Senior Vice President und zuständig für den Cloud-Service bei HPE, in der zugehörigen Pressekonferenz. Doch mit diesen Angeboten wird HPE eine ernstzunehmende Konkurrenz für viele etablierte ISVs, die bislang ein betont partnerschaftliches Verhältnis zu HPE haben. Die Frage "ob HPE in Zukunft nur noch Software anbieten will?", verneinte White aber ganz entschieden. Als Grund für seinen Widerspruch verwies er auf die jüngste Akquisition des Supercomputerherstellers Cray.

Was die allgemeine Akzeptanz der neuen In-House-Clouds angeht, gibt es unterschiedliche Informationen. So schätzen viele Analysten die Adaptionsrate als nicht sehr hoch ein. "Das Wachstum bei den Hyperscalern ist eindeutig höher als es bei den On-Prem-Clouds", sagt IDC-Analyst Rick Villars. Das deckt sich mit einigen Zahlen: So meldet HPE, dass Greenlake mittlerweile von mehr als 1.200 Kunden genutzt wird, was einem Gesamtvertragswert von 5,2 Milliarden US-Dollar entspricht. Das ist nicht besonders viel, wenn man bedenkt, dass Greenlake schon seit 2018 im Markt verfügbar ist. Außerdem umfasst der Vertragswert die gesamte Laufzeit – also mehrere Jahre. Zum Vergleich: Der Cloud-Umsatz von AWS betrug allein im vorigen Jahr 45 Milliarden US-Dollar.

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(fo)