Pulverfass Soziale Medien: Bill Gates warnt Microsoft vor TikTok-Übernahme

Der von Microsoft-Chef Satya Nadella vorangetriebene Kauf der chinesischen Plattform TikTok sei ein "vergifteter Kelch", meint der Firmengründer.

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(Bild: dpa, Christian Böhmer/dpa)

Von
  • Stefan Krempl

Microsoft-Gründer Bill Gates sieht das Vorhaben des aktuellen Konzernmanagements zur Übernahme der US-Sparte der chinesischen Videoplattform TikTok äußerst skeptisch. Bei dem geplanten Deal handle es sich um einen "vergifteten Kelch", der dem Softwareriesen zumindest schweren Schaden zufügen könnte, erklärte der jahrzehntelange frühere Konzernchef gegenüber dem US-Magazin Wired. Es sei grundsätzlich nicht einfach, im Geschäft mit Social Media zu einer echten Größe zu werden.

Der aktuelle CEO Satya Nadella hat sich vor Kurzem mit US-Präsident Donald Trump darüber ausgetauscht, ob sich mit der Übernahme das von dem Republikaner angedrohte Verbot von TikTok in den USA verhindern ließe. Das IT-Unternehmen hält bereits einen kleinen Anteil an Facebook und erwarb 2016 das Karrierenetzwerk LinkedIn für über 26 Milliarden US-Dollar. Im Verbraucherbereich spielt Microsoft bei sozialen Medien aber noch keine große Rolle, was sich mit der TikTok-Übernahme ändern könnte.

Gates konstatiert in dem Interview, dass auf diesem Markt mit dem vorgesehenen Kauf mehr Wettbewerb entstehen könnte, was "wahrscheinlich eine gute Sache ist". Es sei aber schon "bizarr", dass Trump offenbar versuche, den "einzigen Herausforderer" dem Erdboden gleich zu machen. Dass der US-Präsident zudem noch die Hand aufhalte und forderte, ein "substanzieller Teil des Kaufpreises" müsse an die US-Regierung gehen, sei mehr als sonderbar in einem bereits an sich ungewöhnlichen Verfahren. Sollte die Microsoft-Spitze ihre Pläne weiter verfolgen, müsse das Unternehmen mit all diesen Merkwürdigkeiten fertigwerden.

Der 64-Jährige unkte angesichts der größtenteils auf Unterhaltung ausgerichteten TikTok-Inhalte, seine "Kritik zu Tanzbewegungen" dürfte keinen großen Mehrwert für das Management darstellen. Neben Microsoft interessiert sich mittlerweile Twitter für die US-Sparte von TikTok, die bisher von der chinesischen Mutter ByteDance betrieben wird.

Auch das Thema Kryptografie bezeichnete der Milliardär als schwierig bei sozialen Netzwerken und damit oft verknüpften Messenger-Diensten wie bei Facebook. Die Regierung dürfe es nicht zulassen, dass Nutzer mithilfe von durchgehender Verschlüsselung etwa über WhatsApp oder künftig auch Facebook Messenger "Lügen, Betrug oder Kinderpornografie" versteckten, befand Gates. Er habe sich darüber auch mit Facebook-Chef Mark Zuckerberg ausgetauscht, den er persönlich möge und dem er "sehr gute Werte" attestierte. Bei den Abwägungen zu geschützten Chats habe man aber Meinungsverschiedenheiten.

(vbr)