Quad-Allianz will IT-Sicherheitsstandards verbessern und Lieferketten absichern

Die USA, Australien, Indien und Japan wollen weltweit bessere IT-Sicherheit durchsetzen und Lieferketten stabilisieren – ein deutliches Signal gegen China.

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(Bild: deepadesigns / Shutterstock.com)

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  • Fabian A. Scherschel

Die Quad-Allianz – ein strategischer Zusammenschluss der vier Nationen USA, Australien, Indien und Japan – verspricht in einem Positionspapier neue Sicherheitsstandards für die globale IT-Industrie. Unter anderem wollen die Regierungen der Staaten zusammen eigene 5G-Technik etablieren und Lieferketten für Chips und Rare-Earth-Metalle stabiler machen. Die gemeinsame Verteidigung gegen staatliche und nichtstaatliche Hackerangriffe steht ebenfalls auf dem Programm. Das Ganze ist augenscheinlich vor allem gegen China gerichtet.

Die Quad-Allianz ist ein eher loser Staatenbund im Pazifisch-Asiatischen Raum, der als sogenannter Quadrilateral Security Dialogue im Jahr 2007 aus der Taufe gehoben wurde. Zehn Jahre lang tat sich nicht viel um die Quad-Allianz, sie wurde allerdings im Jahr 2017 im Zuge erhöhter Spannungen zwischen den teilnehmenden Regierungen (vor allem der USA und Australien) mit China wiederbelebt. Seitdem ist vor allem das US-amerikanische Misstrauen vor einem von chinesischen Firmen geprägten 5G-Ausbau und ökonomischer und politischer Druck Chinas in Australien ein Thema der Quad-Gespräche. Seit dem vergangenen Jahr gibt es auch erste Quad-Plus-Gespräche, die neben den USA, Australien, Indien und Japan auch die Länder Neuseeland, Südkorea und Vietnam umfassen.

Beim letzten Quad-Treffen in der vergangenen Woche gaben die Mitglieder eine Erklärung ab, die ihre Vorstellung von gemeinsamen Interessen im Feld der IT-Sicherheit umschreibt. Die vier Länder gehen dabei, zum ersten Mal in der Geschichte ihrer gemeinsamen Allianz, davon aus, dass eine Umsetzung dieser Ziele notwendigerweise IT-Konzerne und Regierungen auf der ganzen Welt umfassen muss. Das Papier erwähnt deswegen vor allem auch explizit die strategischen Positionen der Europäischen Union in Bezug auf IT-Sicherheit und freien Handel. Man will hier offensichtlich an gemeinsame Interessen, eindeutig auch gegen die des chinesischen Staates, anknüpfen. Die Quad-Allianz stehe für Rechtsstaatlichkeit, die friedliche Lösung von Konflikten, demokratische Werte und die territoriale Unversehrtheit von Staaten, heißt es in der Erklärung.

Beim 5G-Ausbau wolle man gemeinsam an einer Verbreiterung des Marktes arbeiten, in dem Konzerne aus mehr Ländern federführend aktiv sind, als das jetzt der Fall ist. Dieses Ziel kann man mit Blick auf die anhaltenden Streitigkeiten um die chinesische Dominanz bei der 5G-Technik nur so deuten, dass die Quad-Nationen 5G-Netze mit Technik etablieren wollen, die nicht aus China stammt – ähnlich wie es auch hierzulande gewünscht ist.

Außerdem wollen die vier Nationen eine sogenannte "Senior Cyber Group" einberufen, in der sich Branchenexperten und Politiker der teilnehmenden Nationen über IT-Sicherheitsstandards absprechen. Dabei soll es vor allem um die Entwicklung sicherer Software-Stacks und die Förderung des dazugehörigen Know-Hows und entsprechender Arbeitskräfte gehen. Da mit den USA und Indien die wohl mit Abstand größten Software-Entwickler-Nationen Teil der Allianz sind, könnte ein entsprechender Vorstoß, wenn er ernst gemeint ist, durchaus signifikanten Einfluss auf den Weltmarkt haben. Es bleibt abzuwarten, ob der Quad-Allianz im Zuge dieser Entwicklungen auch eine gemeinsame Front gegen staatliche Hackerangriffe – vor allem aus China und Russland, eventuell aber auch vonseiten Nordkoreas – erwächst. Entsprechende Tendenzen lassen sich aus den Quad-Gesprächen jedenfalls herauslesen.

Interessanterweise wollen sich die Quad-Staaten auch der Absicherung von Lieferketten im IT-Bereich widmen. Das bezieht sich unter anderem auf Supply-Chain-Angriffe, die zwar nach dem NotPetya-Angriff im Jahr 2017 erstmals in den Fokus der Weltöffentlichkeit gerieten, aber erst in den letzten Monaten mit den Attacken gegen die Netzwerk-Infrastruktur-Firma SolarWinds und den weitreichenden Angriff auf Exchange-Server so wirklich als ernstzunehmende politische Gefahr gesehen werden. Man will aber auch für eine Stabilität bei der Lieferung von Gütern sorgen, die den Lieferketten für Halbleiter-Produkte zugrunde liegen. Die vier Nationen benennen die aktuelle Chip-Knappheit als strategische Bedrohung für ihre Wirtschaft und darüber hinaus die Sicherheit des Staates.

Das von den Quad-Nationen herausgegebene Positionspapier enthält keine eindeutigen Termine oder detaillierte Ziele. Es sind weitere Treffen der teilnehmenden Nationen zu erwarten, bis konkrete Zielvorgaben veröffentlicht werden – wenn die Bemühungen der Allianz überhaupt genug politische Eigendynamik entwickeln können, um überhaupt zu konkreten Maßnahmen zu führen. Nichtsdestotrotz ist es ein deutliches politisches Signal in Richtung China: Die USA und strategische Partner in der indo-asiatischen Region schicken sich an, die Vormachtstellung des Landes im globalen IT-Markt anzugreifen. Das deutet darauf hin, dass der Handelskrieg mit der Volksrepublik kein Artefakt der Trump-Regierung allein war und weitere Spannungen dieser Art zu erwarten sind.

(fab)