Qualcomm-Chef: "Alle setzen auf ARM"

Cristiano Amon betont die Bedeutung des Chip-Designers für die ganze IT-Branche und bringt erneut ein Konsortium ins Spiel, das ARM auch ganz übernehmen könnte.

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Qualcomm-Chef Cristiano Amon auf der IFA 2019.

(Bild: heise online/vbr)

Von
  • Volker Briegleb

Der US-Chiphersteller Qualcomm strebt weiterhin eine Beteiligung an dem britischen Halbleiterdesigner ARM an. "Wir sind an einer Investition interessiert", sagte Qualcomm-CEO Cristiano Amon der Financial Times. ARM spiele für die Entwicklung der gesamten Branche eine wesentliche Rolle. Amon brachte auch die Idee eines Konsortiums erneut ins Spiel, das eine strategische Beteiligung erwerben oder ARM ganz übernehmen könnte.

Die von Qualcomm und anderen Herstellern wie Mediatek oder Samsung verkauften Mehrkernprozessoren für Smartphones und Tablets beruhen auf von ARM entwickelten Designs. Apple nutzt die ARM-Architektur inzwischen nicht mehr nur für iPhones, sondern auch in den M1-Prozessoren für Macbooks und iMacs. Darüber hinaus werden ARM-Designs für Server-Prozessoren etwa von Amazon oder Ampere eingesetzt – und sind auch im Supercomputing angekommen.

"Wenn wir uns den Trend heute anschauen, denke ich, dass alle auf ARM setzen", beschreibt Amon die zentrale strategische Rolle des Unternehmens für die ganze Halbleiterbranche. Dass ARM-Eigner Softbank den Chipdesigner an die Börse bringen will, wird deshalb nicht nur bei Qualcomm mit gewisser Nervosität beobachtet. Die Branche bangt um ARMs Unabhängigkeit.

2016 hatte der japanische Mobilfunkkonzern Softbank ARM für 24 Milliarden Pfund (umgerechnet damals knapp 29 Milliarden Euro) übernommen. 2020 wollten die Japaner ihre britische Tochter wieder verkaufen und wurden sich mit dem US-Grafikchiphersteller Nvidia einig. Der zum Teil aktienbasierte Deal war zunächst mit rund 40 Milliarden US-Dollar (37 Milliarden Euro) bepreist, wuchs nach Kursgewinnen der Nvidia-Aktie aber noch auf 66 Milliarden US-Dollar an, bevor er platzte.

Softbank war bei dem Verkauf an Nvidia auf erheblichen Widerstand von Aufsichtsbehörden, Branchenvertretern sowie der britischen Regierung gestoßen – und zog schließlich zurück. Stattdessen soll ARM nun an die Börse gebracht werden; der Börsengang ist für Frühjahr 2023 geplant. Amon sieht darin eine Chance, dass sich mehrere Partner an ARM beteiligen und damit die Unabhängigkeit und Offenheit des Chip-Designers sicherstellen.

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Der Qualcomm-Chef bringt nun erneut die Idee eines Konsortiums ins Spiel, dass sich strategisch an ARM beteiligen könnte. Das könnte sowohl "einen erfolgreichen Börsengang unterstützen" als auch sicherstellen, dass ARM investiere und sich weiterentwickle, sagte Amon der Financial Times. Dafür brauche es aber eine breite Unterstützung aus der Branche: "Es müssten sich viele Unternehmen beteiligen, um im Endeffekt die Unabhängigkeit von ARM zu erreichen." Wenn das Konsortium "groß genug" ist, wäre auch eine Übernahme möglich, meint Amon.

Der Qualcomm-Chef hatte ein Konsortium schon einmal vorgeschlagen, als absehbar wurde, dass der Verkauf an Nvidia platzen könnte. In der Branche trifft das auf Interesse. Intel-Chef Pat Gelsinger hatte sich im Februar offen für eine Beteiligung an einem Konsortium gezeigt. "Sollte so ein Konsortium entstehen, wäre eine irgendwie geartete Beteiligung wahrscheinlich sehr vorteilhaft", sagte Gelsinger der Nachrichtenagentur Reuters.

Auch die südkoreanischen Chiphersteller Samsung und SK Hynix hatten sich bereits dafür ausgesprochen, dass ARM von einem Konsortium mit möglichst breiter Unterstützung getragen werden sollte. Das dürfte auch möglichen kartellrechtlichen Bedenken entgegenkommen. "Wir glauben nicht, dass ARM von einem einzelnen Unternehmen gekauft werden sollte", sagte SK-Hynix-CEO Park Jung-Ho.

(vbr)