Qualcomm Snapdragon 690: Neuer Smartphone-Chip mit 5G für die 400-Euro-Klasse

Qualcomms neuer Snapdragon 690 soll günstigere 5G-Smartphones ermöglichen. Im Handel sollen erste Modelle von Nokia und Motorola noch 2020 landen.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 3 Beiträge
Von

Mit dem Snapdragon 690 hat Qualcomm einen neuen Prozessor mit 5G-Modem für Mittelklasse-Smartphones im Preisbereich zwischen etwa 300 und 500 US-Dollar vorgestellt. In Deutschland dürften derartige Modelle zwischen 400 und 600 Euro kosten. Gegenüber den anderen Modellen der 600er-Reihe soll die Leistung spürbar höher ausfallen. Erste Endgeräte erwartet Qualcomm für die zweite Hälfte 2020, unter anderem von Nokia, Motorola und LG. Gefertigt wird der Chip im 8-nm-Verfahren von Samsung.

Gegenüber dem bislang günstigsten Snapdragon-Prozessor mit 5G-Modem, dem Snapdragon 765, verfügt das neuen System-on-Chip (SoC) über ein abgespecktes Modem. Die X51 getaufte Lösung erreicht im Snapdragon 690 maximale Transferraten von 2,5 GBit/s im Down- und 660 MBit/s im Upstream. Zum Vergleich: Das X52-Modem des Snapdragon 765 ermöglicht 3,7 und 1,6 GBit/s. In mmWave-Netzen muss der Snapdragon 690 mangels entsprechender Antennen in 4G-Netze (maximal 1,2 GBit/s und 210 Mbit/s) wechseln, einzig in Sub-6-Netzen ist der 5G Betrieb möglich. Dank Standalone- und Non-Standalone-Modus sowie Dynamic Spectrum Sharing werden zumindest einige andere wichtige Möglichkeiten der neuen Mobilfunkgeneration genutzt.

Der Snapdragon 690 soll günstigere 5G-Smartphones als bisher ermöglichen. Qualcomm spricht von einem Einstieg im Bereich von umgerechnet etwa 400 Euro.

(Bild: Qualcomm)

Die gegenüber dem nicht konkret genannten Vorgänger höhere Leistung ist auf neue CPUs und eine neue Grafikeinheit zurückzuführen. Der CPU-Part besteht aus acht Kernen, die Qualcomm allesamt als Kryo 560 bezeichnet. Tatsächlich verbergen sich dahinter leicht modifizierte ARM-Kerne: zwei vom Typ Cortex-A77, die Qualcomm bislang dem Topmodell Snapdragon 865 vorbehielt, sowie sechs Cortex-A55. Erstere erreichen in der Spitze 2 GHz, letztere 1,7 GHz. Das reicht laut Hersteller für ein Leistungsplus von 20 Prozent. Die Grafikeinheit vom Typ Adreno 619L unterstützt unter anderem Vulkan 1.1, OpenGL ES 3.2 und DirectX 12 und soll eine um 60 Prozent höhere Renderleistung bieten. Das reicht aus unter anderem, um Displays mit maximal FHD+-Auflösung mit 120 Hz anzusteuern. Bei höhere Auflösungen ist die Bildwiederholrate auf 60 Hz begrenzt, HDR10 und HDR10+ wird hingegen in allen Fällen unterstützt.

An die Snapdragon-700-Reihe erinnern ISP und DSP. Bei ersterem setzt Qualcomm auf einen Spectra 355L – eine verbesserte Version des 355 aus dem Snapdragon 765. Er kann Kamerasensoren mit einer maximalen Auflösung von 192 Megapixeln ansteuern, beim Einsatz der Multi-Frame-Rauschunterdrückung (MFNR) liegt das Limit bei 48 Megapixeln. Dual-Kamerakonfigurationen können 32 und 16 Megapixel bieten, ohne dass es zu Auslöseverzögerungen kommt. Videos lassen sich maximal in 4K mit 30 Bildern pro Sekunde und HDR kodieren, im Super-Zeitlupenmodus sind 240 Bilder pro Sekunde bei 1280 × 720 Pixeln möglich. Den DSP Hexagon 692 hat Qualcomm unverändert vom Snapdragon 720G übernommen. Er ist in erster Linie für KI-gestützte Funktionen wie Bildverbesserungen beim Einsatz der Kamera zuständig. Den Leistungszuwachs gegenüber dem Vorgänger-SoC beziffert Qualcomm auf 70 Prozent.

Die höhere KI-Leistung des Snapdragon 690 kommt unter anderem der Bildbearbeitung zugute.

(Bild: Qualcomm)

Als erstes Modell der 600er-Reihe unterstützt der Snapdragon 690 zwei gleichzeitig nutzbare WLAN-Funkdatenströme (2x2 MU-MIMO). Das dahintersteckende Modul FastConnect 6200 ist jedoch nur Wi-Fi-6-ready – beherrscht somit also nur Wi-Fi 5 (802.11ac) sowie einige ausgewählte Funktionen des neueren Standards. Darüber hinaus bietet FastConnect 6200 Bluetooth 5.1 mitsamt aptX Adaptive.

Zur weiteren Ausstattung des Chips gehören unter anderem die Unterstützung gängiger Ortungsdienste wie GPS und Galileo sowie der Schnellladetechnik Quick Charge 4+. Setzt der Smartphone-Hersteller auf eine USB-Typ-C-Buchse, ist die Ansteuerung externer Displays möglich (maximal QHD mit 60 Hz). Die Größe des Arbeitsspeichers ist auf 8 GByte begrenzt (LPDDR4X, 1866 MHz).

(pbe)