Qualcomm Snapdragon 8 Gen 2: Erste Benchmarks deuten Leistungssprung an

Qualcomms neuer Smartphone-Prozessor rechnet deutlich schneller als sein Vorgänger, kann aber nicht in allen Belangen mit Apple mithalten.

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  • Patrick Bellmer
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Mit einer überarbeiteten Grafikeinheit sowie schnelleren und neu sortierten CPU-Kernen soll der Snapdragon 8 Gen 2 Qualcomms bislang schnellstes System-on-Chip (SoC) sein. Erste Tests, die heise online im Zuge des Snapdragon Summit 2022 vornehmen konnte, bestätigen die von Qualcomm genannten Leistungssprünge. Der neue Prozessor hängt aber nicht nur seinen direkten Vorgänger ab. Auch gegenüber Apple wächst der Vorsprung in bestimmten Disziplinen.

Für die Benchmarks stand ein Qualcomm Reference Design (QRD) zur Verfügung. Dabei handelt es sich um ein speziell für Tests entwickeltes Smartphone mit dem Snapdragon 8 Gen 2. Mit einer Display-Auflösung von 2400 × 1080 Pixeln, 12 GByte RAM vom Typ LPDDR5X und Android 13 verfügt das QRD über keine ungewöhnliche Ausstattung. Aufgrund möglicher unbekannter Optimierungen sind die Messwerte aber nicht zwangsläufig 1:1 auf künftige Serien-Smartphones übertragbar.

Qualcomm spricht von einer um bis zu 35 Prozent höheren CPU-Leistung im Vergleich mit dem Snapdragon 8 Gen 1. Auf welche Einzelmaßnahmen dieser Zuwachs zurückzuführen ist, ist aber unklar. Denn viele technische Details hat das Unternehmen nicht verraten. Unklar ist unter anderem, wie groß die Caches ausfallen und welche Änderungen es an den CPU-Kernen gegenüber ARMs Standarddesigns gibt.

Für die ersten Tests stand ein Referenz-Smartphone von Qualcomm zur Verfügung. Entsprechend dürften die Leistung der späteren Serien-Smartphones abweichen.

Qualcomm hat lediglich die CPU-Modelle sowie die maximalen Taktraten genannt. Der Prime-Kern (ARM Cortex-X3) erreicht 3,19 GHz, die vier Performance-Kerne (je zweimal ARM Cortex-A710 und -A715) 2,8 GHz und die drei Efficiency-Kerne (ARM Cortex-A510 Refresh) rechnen mit maximal 2 GHz. Aber nicht nur die in jeder Leistungsstufe höhere maximale Taktrate sowie der Einsatz neuer Kerne dürfte die Gesamtleistung beeinflussen. Auch der zusätzliche Performance-Kern – beim Snapdragon 8 Gen 1 waren es nur drei – dürfte einen zusätzlichen Schub geben.

Im CPU-Benchmark Geekbench fällt die Einzelkernleistung (Single Core) des Snapdragon 8 Gen 2 fast 21 Prozent höher als bei der ersten Generation aus. Gegenüber deren beschleunigtem Neuauflage Snapdragon 8+ Gen 1 beträgt das Plus immerhin noch fast 14 Prozent. Noch größer fällt der Vorsprung bei der Multikernleistung (Multi Core) aus. Gegenüber dem Snapdragon 8 Gen 1 rechnet das neue Modell 42 Prozent schneller, gegenüber dem Snapdragon 8+ Gen 1 immer noch 25 Prozent schneller.

Seine Vorgänger übertrifft der Qualcomm Snapdragon 8 Gen 2 in puncto CPU-Leistung deutlich, Apple liegt aber erneut vorne.

Im Vergleich mit Apple unterliegt Qualcomms neuer Mobilprozessor aber erneut. Der Bionic A16 mit seinen insgesamt sechs CPU-Kernen, der unter anderem im iPhone 14 Pro (Test) steckt, bietet eine um 26 Prozent höhere Einzel- sowie eine um 5 Prozent höhere Multikernleistung. Und selbst den Bionic A15 übertrifft der Snapdragon 8 Gen 2 nur beim Einsatz aller Kerne.

Ausgerechnet die wichtigste Änderung im Hinblick auf die Grafikeinheit kann nicht eingeschätzt werden. Denn Benchmark-Programme, die die Raytracing-Leistung bewerten können, standen zum Testzeitpunkt nicht zur Verfügung. Mit welchen Leistungseinbußen die realistischere Berechnung von Lichtstrahlen einhergeht, müssen folglich spätere Messungen mit Serien-Smartphones zeigen.

Abseits davon spricht Qualcomm von einer um 25 Prozent höheren Grafikleistung, beim Einsatz der Low-Level-Grafik-API Vulkan sogar von 30 Prozent. Wie diese Zuwächse zustande kommen, ist unklar. Denn für die Adreno-Grafikeinheit nennt Qualcomm keinerlei technische Daten.

Die Grafikeinheit des Snapdragon 8 Gen 2 ist die Stand Ende 2022 schnellste, die in Smartphones verfügbar ist.

Im Grafik-Benchmark GFXBench fällt die Leistung des Snapdragon 8 Gen 2 gegenüber seinem Vorgänger in allen drei Testszenarien um etwa 40 Prozent höher aus. Auch der Snapdragon 8+ Gen 1 ist langsamer: Der neue Chip übertrumpft ihn um etwa 25 Prozent. Anders als in Bezug auf die CPU-Leistung liegt Qualcomm in diesem Bereich klar vor Apple. Der Vorsprung gegenüber der GPU des Bionic A16 beträgt je nach Szenario 27 bis 48 Prozent. Dabei gilt es jedoch zu beachten, dass sich die Leistungsangaben der drei GFXBench-Tests auf die Darstellung in 1920 × 1080 Pixeln beziehen. Die tatsächliche Leistung in nativer Auflösung kann somit abweichen.

Für die Messung der Systemleistung stand die 3DMark-Suite zur Verfügung. Neben CPU und GPU spielt hier unter anderem auch der Arbeitsspeicher eine Rolle. Gegenüber dem Vorgänger erreicht der Snapdragon 8 Gen 2 im Test Wildlife Extreme eine um 50 Prozent höherer Bewertung. Im Vergleich mit dem Snapdragon 8+ Gen 1 beträgt das Plus immerhin noch 35 Prozent. Apple landet wie schon im Vorjahr knapp hinter Qualcomm.

Im 3DMark landet der Qualcomm Snapdragon 8 Gen 2 nicht zuletzt aufgrund seiner Grafikeinheit auf dem ersten Platz. Für Spiele sollten mit dem Chip bestückte Smartphone mehr als genügend Leistung bieten.

Noch deutlicher werden die Zuwächse im Vergleich mit dem zwei Jahre alten Snapdragon 888. Gegenüber dem erreicht der neue Prozessor eine um mehr als 150 Prozent höhere Leistung.

Zumindest im angepassten Test-Smartphone bietet der Snapdragon 8 Gen 2 eine deutlich höhere CPU- und Grafikleistung als sein Vorgänger und dessen beschleunigte Variante. Was davon beim Nutzer ankommt, bleibt abzuwarten. Denn nicht zuletzt der Snapdragon 8 Gen 1 hat gezeigt, dass es eine große Leistungsbandbreite je nach Smartphone gibt. Entscheidend ist am Ende nicht nur die konkrete Ausstattung in Form von Arbeitsspeicher, Display-Auflösung, sondern auch die Anpassung der Software. Ebenso kommt es auf das Temperaturmanagement, also die Kühlung an. Unter länger anhaltender Volllast ging die Leistung in den ersten Tests teilweise um etwa 5 Prozent zurück.

Im Vergleich mit Apples SoC Bionic A16 profitiert Qualcomm von einer stärkeren Grafikeinheit. Im Hinblick auf die CPU-Leistung kann der Snapdragon aber erneut nicht mithalten. Hier profitiert Apple einmal mehr vom eigenen Kern-Design. Qualcomm beschränkt sich stattdessen in weiten Teilen auf das, was ARM vorgibt.

Mit dem MediaTek Dimensity 9200 gibt es aber auch noch eine große Unbekannte. Der Anfang November 2022 vorgestellte Prozessor nutzt im Vergleich mit dem Snapdragon 8 Gen 2 zwar einen stellenweise anderen CPU-Aufbau sowie eine andere Grafikeinheit. Laut MediaTek soll er seinen Vorgänger aber um etwa 10 und 30 Prozent (CPU, GPU) überragen. Damit würde er etwa im Bereich des Snapdragon 8 Gen 2 landen. (pbe)