Qualcomm wächst, doch Smartphone-Markt wird schneller schrumpfen

Die Nachfrage nach Smartphone-Chips geht deutlich zurück – noch schneller, als Qualcomm erwartet hat. Bislang wächst die Firma noch. Die Aktie fällt deutlich.

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Zwei Chips, dahinter ein Handy

(Bild: Qualcomm)

Qualcomm, Marktführer bei Chips für Smartphones, berichtet von noch stärkerem Rückgang im Markt als bisher erwartet. Das Unternehmen liefert die meisten Systems-on-a-Chip für Android-Handys sowie die meisten 5G-Modems. In diesen Bereichen rechnet Qualcomm nun mit einem Schrumpfen des Umsatzes im Kalenderjahr 2022 im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Smartphone-Händler setzen derzeit auf Verkauf von Lagerbeständen und bestellen weniger nach. Zuvor hatte Qualcomm einen Rückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich in Aussicht gestellt.

Qualcomms Finanzjahr 2022 ist am 25. September zu Ende gegangen. Für das vierte Quartal weist das Unternehmen 11,4 Milliarden Dollar Umsatz aus, ein Zuwachs von 22 Prozent im Jahresabstand. Der Betriebsgewinn ist noch deutlicher, nämlich um 26 Prozent, auf 3,7 Milliarden Dollar gewachsen. Beim Nettogewinn beschränkt sich das Plus auf drei Prozent und 2,9 Milliarden Dollar.

Dabei zeigt sich im vierten Quartal bereits die nachlassende Nachfrage nach Smartphone-Chips. Denn für das gesamte Finanzjahr sehen die Zahlen noch deutlich besser aus. Qualcomm meldet 44,2 Milliarden US-Dollar Umsatz (+32%), 15,9 Milliarden Dollar Betriebsgewinn (+62%) und 12,9 Milliarden Dollar Reingewinn (+143%).

Die drei früheren Quartale waren an der Börse aber natürlich bereits eingepreist. Die Warnung vor deutlich schneller schrumpfender Nachfrage erfreute die institutionellen Anleger naturgemäß nicht. Sie ließen die Aktie im nachbörslichen Handel gleich um annähernd sieben Prozent fallen.

Streit hat Qualcomm derzeit mit ARM. Diese britische Firma entwickelt Prozessordesigns, die Grundlage der meisten Qualcomm-Chips sind. ARM beschuldigt Qualcomm in einer Klage, ohne gültige Lizenz ARM-Prozessoren zu entwickeln. Dabei hat Qualcomm eine Lizenz – aber vielleicht nicht mehr die richtige. Denn Qualcomm vertreibt Chips, deren grundlegende Arbeit von der Firma Nuvia stammt.

Zwar hat Qualcomm vergangenes Jahr Nuvia gekauft, doch ist Nuvias ARM-Lizenz am 1. März abgelaufen. Qualcomms eigene Lizenz gelte nur für Eigenentwicklungen, sagt ARM. Strittig ist, ob die Entwicklungen einer zugekauften Firma unter diese Lizenz fallen oder nicht. Qualcomm wirft ARM vor, durch ein neues Geschäftsmodell den Smarpthone-Markt umkrempeln und höheren Gewinn lukrieren zu wollen.

(ds)