Rätselhafter "blinkender Stern" für hunderte Tage fast komplett abgedunkelt

Ein riesiger Stern war 2012 für Hunderte Tage dunkler als sonst und zwischenzeitlich fast komplett verschwunden. Über die Gründe wird noch spekuliert.

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Künstlerische Darstellung des Sterns und des rätselhaften Objekts

(Bild: University of Cambridge)

Von
  • Martin Holland

Eine Gruppe von Astronomen hat einen gigantischen Stern entdeckt, der für Hunderte Tage beinahe komplett vom Nachthimmel verschwunden ist und möglicherweise zu einer neuen Klasse "blinkender" Riesensterne gehört. Die Helligkeit des Himmelskörpers mit dem Namen VVV-WIT-08 sank demnach um bis zu 97 Prozent und die Forscher haben zwar Theorien über die mögliche Ursache, aber gänzlich erklären können sie das Phänomen nicht. Sie haben aber bereits ungefähr ein halbes Dutzend weiterer Sterne gefunden, bei denen ähnliche Abdunkelungen beobachtet wurden und sie erwarten noch mehr Funde.

Wie sie nun im Fachmagazin Monthly Notices of the Royal Astronomical Society erläutern, gehen sie davon aus, dass die Sterngiganten – von etwa der 100-fachen Größe der Sonne – von bislang nicht beobachteten Begleitern umkreist werden. Dabei könnte es sich um einen zweiten Stern oder einen Planeten handeln, welche wiederum von einer undurchsichtigen Scheibe umgeben sind. Damit könnten sie dafür sorgen, dass der Stern am Himmel verschwindet und wieder auftaucht, wenn sie sich zwischen ihn und Beobachter auf der Erde schiebt. Wie genau diese Verdunkelung abläuft und wie solche Systeme entstehen, wollen die Wissenschaftler nun erforschen, denn noch sei das Phänomen nicht komplett zu erklären.

Gefunden wurde VVV-WIT-08 vom VISTA Variables in the Via Lactea survey (VVV) des VISTA-Teleskops an der Europäischen Südsternwarte (ESO). Damit werden etwa eine Milliarde Sterne langfristig beobachtet, um solche Helligkeitsschwankungen zu finden. Der damit entdeckte Stern VVV-WIT-08 passe in keine bekannte Kategorie, erklärt die Universität Cambridge, von wo aus die Analysen geleitet wurden. Es sei erstaunlich, dass man damit ein dunkles, großes und langgezogenes Objekt gefunden habe, das zwischen uns und dem Stern vorübergezogen sein müsse, meint Co-Autor Sergey Koposov von der Universität Edinburgh. Noch könne man lediglich spekulieren, worum es sich handelt, erklärt er. Es gebe aber andere Sterne, bei denen ähnliches beobachtet wurde. Sie könnten eine gemeinsame Sternenklasse bilden.

Die Entdeckung ruft vor allem Erinnerungen an das Rätselraten um den Stern KIC 8462852 hervor, dessen wiederkehrende Abdunkelungen für allerlei Spekulationen gesorgt hatten. Zwar gibt es auch dafür verschiedene Erklärungsversuche, aber keine befriedigt die Forschergemeinde vollständig. Bei VVV-WIT-08, der in einer vergleichsweise dichten Region im Zentrum der Milchstraße liegt, haben die Forscher nun auch überlegt, ob lediglich zufällig ein dunkles Objekt weit von dem Stern entfernt zwischen uns und ihm vorübergezogen sein könnte. Simulationen hätten aber gezeigt, dass es in diesem Fall eine unwahrscheinlich große Zahl solcher Objekte geben müsste, die sich durch die Milchstraße bewegen.

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(mho)