Ransomware-Angriff auf Apple-Fertiger: Freie Werkstätten profitieren von Leaks

Eine Gruppe soll bei Quanta Computer eingebrochen sein und veröffentlichte bereits Dokumente. Die helfen nun von Apple nicht zertifizierten Reparateuren.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 43 Beiträge

Ein M1-MacBook im Teardown.

(Bild: iFixIt)

Von
  • Ben Schwan

Eine Attacke auf einen wichtigen Fertiger von Apple-Produkten brachte für freie Werkstätten unerwarteten Info-Segen. Dokumente, die eine professonell agierende Ransomware-Gruppierung im Netz veröffentlicht hatte, um Apple beziehungsweise dessen Fertiger Quanta Computer zu erpressen, helfen von Apple nicht offiziell zugelassenen Reparateuren. Diese bekamen so unter anderem Leiterbahnendiagramme in die Hand.

Wie das IT-Blog Motherboard berichtet, freut sich unter anderem der bekannte Werkstattbetreiber und YouTuber Louis Rossmann über den Datenabfluss. "Unser Geschäft hängt davon ab, dass so etwas leakt", sagte der Spezialist für die Reparatur von Mac-Hauptplatinen. Solche Informationen würden ihm dabei helfen, "jemandem seine Daten zurückzugeben". Damit gemeint ist, dass Apple seine SSDs weitgehend vernagelt, was Recovery-Versuche durch nicht zertifizierte Werkstätten unmöglich machen kann.

Mehr von Mac & i Mehr von Mac & i

Die Ransomware-Gruppe hatte vereinzelte Blueprinte von Apple-Produkten veröffentlicht und damit gedroht, noch mehr Material zu leaken, sollte keine zweistellige Millionenzahlung erfolgen. Apple solle die Dokumente "zurückkaufen", machte aber keine Anstalten, dies zu tun. Im Dark Web sollen mindestens fünfzehn schematische Zeichnungen eines aktuellen MacBooks veröffentlicht worden sein, hieß es. Darin seien spezifische Größen, Kapazitäten und Seriennummern von Komponenten enthalten, ein Dokument sei im März von einem Apple-Designer unterzeichnet worden, schrieb die Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Offenbar handelte es sich um noch unbekannte Hardware, die zusätzliche Ports enthält, über die es vorab Gerüchte gab.

Rossmann hofft, dass Apple künftig selbst solche und ähnliche Dokumente freigeben wird, um es Betrieben wie seinem leichter zu machen. Er sei bereit, Apple 1000 Dollar im Jahr zu bezahlen und wäre dabei froh, sagte er. Aktuell könne man nicht einmal zu Apple gehen und sagen, man gebe dem Konzern 800.000 Dollar für diese Informationen.

Es ist nach wie vor unklar, wie der Ransomware-Vorfall letztlich ausgegangen ist. Zwischenzeitlich sollen die veröffentlichten Dokumente wieder aus dem Dark Web verschwunden sein – warum, ist nicht durchgesickert. (bsc)