Raspberry Pi OS auf Debian-Bullseye-Basis aktualisiert

Raspberry Pi OS basiert auf der Debian-Distribution und zieht nun auch auf deren aktuellen Stand "Bullseye" nach.

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Raspberry Pi 4 Model B im c't-Labor

(Bild: c't/Christof Windeck)

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Die Raspberry Pi Foundation hat das offizielle Raspberry Pi OS jetzt auf die Basis von Debian Bullseye gestellt. Damit hat das Betriebssystem für die Bastelplatinen wieder einen aktuellen Unterbau. Von einem direkten In-Place-Upgrade rät die Foundation jedoch ab, wie schon in der Vergangenheit zu solchen Releases.

Die Entwicklerinnen und Entwickler nennen lediglich wenige sichtbare Änderungen. Sie heben etwa den Umstieg auf das GTK+3-Toolkit hervor, das mit dem Compositing Window Manager Mutter arbeitet. Dieser rendert die Darstellung zunächst im RAM und kann schönere Fenster etwa mit abgerundeten Ecken darstellen. Das hat jedoch den Nachteil, dass das erst mit Raspberry Pis mit mehr als 2GByte RAM funktioniert. Kleinere Versionen des Pi behalten das alte GTK+2-Framework mit OpenBox-Window-Manager. Künftig wird die Entwicklung jedoch weiter weg vom X Windows Manager hin zu Wayland gehen, kündigt die Raspberry Pi Foundation an.

Augenfällig sollen auch die Benachrichtigungen sein, die nun standardmäßig rechts oben auf dem Desktop und in chronologischer Reihung erscheinen. Den Komfort erhöht ein grafischer Updater, der beim Start automatisch nach Aktualisierungen sucht – man muss also dafür nicht mehr die Kommandozeile und den Befehl apt bemühen.

Unter der Haube gab es jedoch auch einige bedeutende Änderungen. Der Kernel-Mode-Setting-Videotreiber (KMS) entfleucht dem experimentellen Stadium und ist jetzt der Standard-Videotreiber. Der alte war noch Closed Source, während der neue Pi-Video-Treiber Bestandteil des Linux-Kernels ist und als Open Source weiter entwickelt wird.

Weiterhin wurde der bisherige Kamera-Treiber durch libcamera ersetzt – einer Standard-Linux-API. Auch dies bedeute weniger proprietären Closed-Source-Code und soll Drittherstellern das Entwickeln neuer Kamera Hard- und Software erleichtern. An dieser Stelle erwähnen die Entwickler jedoch nicht, dass dafür raspistill und raspivid aus der Distribution geflogen sind und sich auch nicht aus den Repositories installieren lassen.

Es gibt jedoch mit libcamera-still und libcamera-vid ähnliche Tools, wobei jedoch die Kommandozeilen-Schalter angepasst werden müssen. So wird etwa

raspistill -n -w 1920 -h 1080 -o bild.jpg

zu

libcamera-still -n --width 1920 --height 1080 -o bild.jpg

Natürlich empfiehlt die Raspberry Pi Foundation, das Betriebssystem einfach komplett neu zu installieren. Doch wer hat schon Zeit und Lust, seine bestehenden Projekte dadurch softwareseitig komplett neu aufbauen zu müssen? Viele werden daher die Paketquellenliste in
/etc/apt/sources.list sowie alle .list-Dateien unter
/etc/apt/sources.list.d/

so abändern, dass sie "Buster" durch "Bullseye" ersetzen und anschließend mit

sudo apt update
sudo apt upgrade

auf das neue Release umstellen. Dies führt jedoch oftmals dazu, dass einige Skripte und Befehle nicht mehr funktionieren. Die Raspberry-Pi-Foundation-Entwickler weisen daher darauf hin, dass sie davor unbedingt ein Backup der SD-Karte empfehlen, um gegebenenfalls wieder auf einen funktionierenden Stand zurückgehen zu können.

Im eigenen Test führte die Umstellung von python2 auf python3 in Bullseye als Standard dazu, dass in allen Skripten der print-Befehl angepasst werden musste. Anstatt etwa

print "%7.2f" % Mein_Float

muss die Formatierung jetzt folgendermaßen aussehen:

print (f'{Mein_Float:7.2f}')

Zudem war für den Zugriff auf i2c-Peripherie das Nachinstallieren des python3-smbus-Moduls nötig:

sudo apt install python3-smbus

Nach Anpassung von Kamera-Scripten, um raspistill durch libcamera-still zu ersetzen, funktionierten auf dem lokalen Testgerät alle eingesetzten Dienste wieder wie gewünscht. Es können jedoch individuell weitere Modifikationen nötig sein, dies ist lediglich eine beispielhafte Auflistung.

(dmk)