Raumfahrt: Zu wenige Bodenschätze auf dem Mond - Warnung vor Konflikten

Das Interesse am Mond ist so groß wie lange nicht mehr. Doch dort könnte es schon bald eng und konfliktreich werden, warnen Forscher nun.

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Der Mond aus der ISS aus fotografiert

(Bild: NASA)

Von
  • Martin Holland

Die Vorkommen wichtiger Ressourcen auf dem Mond sind so klein, dass es schon bald zu starken Spannungen, Platzmangel und Konflikten kommen könnte, sollte die Ausbeutung tatsächlich in den kommenden Jahren beginnen. Das haben zwei Forscher und eine Forscherin ermittelt, die ihre Erkenntnisse in der Fachzeitschrift Philosophical Transactions of the Royal Society A veröffentlicht haben. Das Problem sei, dass es inzwischen immer mehr Pläne für Landungen auf dem Mond gebe, aber nur vergleichsweise wenige Orte, die etwa für Mondbasen oder den Ressourcenabbau geeignet seien. Außerdem gebe es keine gesetzlichen Regelungen dafür, wer Rohstoffe dort bekommt.

Der wissenschaftliche Artikel ist Teil einer Serie rund um die Bedeutung des Mondes für die Astronomie im kommenden Jahrzehnt. Der Erdtrabant ist jüngst wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit geraten, vor allem nach der Ankündigung der NASA, schon in wenigen Jahren Astronauten dorthin schicken und in dessen Orbit eine Raumstation einrichten zu wollen. Die Jagd auf die Ressourcen dort hatte die US-Weltraumagentur selbst vor wenigen Wochen quasi offiziell eröffnet. Der Zugriff vor Ort ist eine unerlässliche Voraussetzung für angestrebte Bauvorhaben auf dem Mond, etwa weil es "absurd teuer" wäre, das Eisen dafür von der Erde dorthin zu bringen, wie es die Forscher ausdrücken.

Das Interesse an den Rohstoffen dort sei zwar nicht neu, erklärt das Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, wo die Studie entstand, aber die Dringlichkeit sei nun eine andere. Außerdem habe man bisher über wissenschaftliche Nutzungen in Konkurrenz zu wirtschaftlichem Ressourcenzugriff diskutiert, oder darüber, wer eigentlich Zugriff bekommen darf. Das größte Problem sei aber, dass es viel zu wenige Ressourcen auf dem Mond gebe, die außerdem auch noch auf einige wenige Orte konzentriert seien. Dort könnte es rasch zu einem Platzmangel, den daraus entstehenden Konflikten und einer viel zu schnellen Ausbeutung kommen. Außerdem bestehe das Risiko, dass sich die bisher entdeckten Vorkommen nach besser aufgelösten Analysen als noch viel kleiner herausstellten, als angenommen. Das Gegenteil kann aber ebenfalls der Fall sein.

Rechtliche Grundlagen wie der Weltraumvertrag von 1967 hätten keinen robusten Schutz der Vorkommen zum Ziel, heißt es noch. Trotzdem sehen die Forscher Möglichkeiten, die Konflikte zu verhindern. Mögliche Nutzer der Ressourcen – also etwa Staaten und private Unternehmen – könnten sich zusammensetzen, und Worst-Case-Szenarien durchspielen, um darauf basierend abzustimmen, wie diese sich verhindern lassen könnten. Auf der Erde gebe es außerdem Nutzungsszenarien, etwa auf den Ozeanen, die hier Vorbild sein könnten. Dafür müsste aber erst einmal festgelegt werden, um welche Ressourcen es überhaupt gehe, denn neben physischen Rohstoffen seien beispielsweise auch die wenigen Standorte mit besonders kurzen Nächten eine knappe Ressource an sich.

(mho)