Menü
c't Fotografie

Raw-Entwicklung: Rohkost für Feinschmecker (II)

Mit einem Raw-Konverter bestimmt man bei der Umsetzung der Sensordaten in ein wirkungsvolles Bild durch Auswahl des Tonwertbereiches und der Gradation, ob das Ergebnis möglichst natürlich oder künstlerisch verfremdet wirkt – der Spielraum ist gewaltig.

vorlesen Drucken

Inhaltsverzeichnis

Aus den vom Sensor erfassten Tonwerten muss der bildwichtige Tonwertumfang des Motivs von den Schatten bis zu den Lichtern herausgegriffen und so in ein RGB-Format umgesetzt werden, dass auf dem verwendeten Ausgabemedium (Monitor, Papierbild) die gewünschte Bildwirkung erzielt wird. So sollen Hauttöne in einer passenden Helligkeit und Farbe erscheinen, Schatten dunkel und satt, oder aber auch gut durchgezeichnet, wenn sich interessante Motivteile dort befinden – trotzdem sollte es noch nach Schatten aussehen.

Um aus den linearen Rohdaten des Sensor ein wirkungsvolles Bild zu gewinnen, bedarf es etlicher Transformationen.

Lichter sollen leuchtend, aber nicht ausgefressen wiedergegeben werden. Die mittleren Bereiche sollen kontrastreich wirken, es kann aber sein, dass man beim Blick aus einem Innenraum durch die Fenster versuchen möchte, sowohl Details im dunkleren Innenraum als auch im helleren Außenbereich erkennbar und "natürlich" erscheinen zu lassen, sodass sich Innenraum und Außenbereich gewissermaßen um die gut aufgelösten Tonwerte in der Mitte streiten. Ein Beispiel ist die Aufnahme in der Lindenallee – hier kommt es vor allem auf die Tonwerte der Gesichter im Schattenbereich an, die zwischen den Bäumen im Hintergrund durchscheinende besonnte Landschaft muss keine volle Durchzeichnung aufweisen.

Bei dieser Aufnahme in einer Lindenallee erscheinen die Mitten- und Hauttöne düster und blaugrün verfärbt - trotz "automatischem Weißabgleich". Keilförmig eingeblendet manuelle Korrekturen im Raw-Konverter.

Auf der Benutzeroberfläche der Fotoprogramme findet man zwei verschiedene Modelle zur Steuerung der Tonwertumsetzung: Direkt manipulierbare Gradationskurven, die eine mathematische XY-Funktion in einem zweidimensionalen Koordinatensystem darstellen, und Schieberegler, welche die Tonwerte auf einer gedachten horizontalen Achse stauchen oder dehnen (was eigentlich nur eine bequemere Art ist, die Form der Gradationskurve zu verändern).

Der Ansatz mit der Gradationskurve ist für den Fachkundigen sehr flexibel und erlaubt fast alle Manipulationen in einem Werkzeug. Für den ungeübten Einsteiger ist die Wirkung aber schwer durchschaubar. Doch auch die Funktion der Schieberegler muss man erst einmal verstehen, die Bezeichnung ist nicht immer eindeutig, und außerdem gibt es welche, die noch etwas ganz anderes tun als nur die Gradationskurve zu verändern!

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Gradationskurve - ein Fast-Alleskönner