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c't Fotografie

Raw-Entwicklung: Rohkost für Feinschmecker (III)

Korrektur von Unterbelichtungen

Inhaltsverzeichnis

Sehr viel toleranter als auf Überbelichtung reagiert eine Digitalkamera bei Unterbelichtung. Die Bildqualität verschlechtert sich zwar zusehends - je mehr man zu dunkle Bildpartien aufhellt oder Schatten aus dem "Nichts" heraufholt, desto stärker leiden sie unter Rauschen und womöglich gar Banding - hässlichen Bildstörungen, die im Vergleich zum "Korn" von analogem Film wenig anmutig wirken - aber die Differenzierung von Tönen geht nicht so schnell und so abrupt verloren. Unterbelichtungen um drei bis vier Blendenstufen kann man notfalls noch "retten", unter Umständen kann man dann die Schatten per Software "entrauschen".

Bei einer Unterbelichtung um drei Blendenstufen (erstes Bild in der Reihe) sind alle Histogrammbalken schmal geworden und drängen sich links von der Mitte zusammen - entsprechend sind selbst die hellsten Felder nur noch dunkelgrau. Aber nur zwei der dunkelsten Felder sind völlig "unterbelichtet" und ohne Zeichnung. Und sie lassen sich wiederherstellen! Tatsächlich kann man in mehreren Schritten daraus ein Bild gewinnen, das sich auf den ersten Blick nur geringfügig von der optimal belichteten "Referenz" unterscheidet.

Der erste Versuch besteht im kräftigen Hochziehen des Belichtungseinstellers (zweites Bild). Er macht mit + 2,5 EV aus Mittelgrau wieder Weiß und aus Dunkelgrau wieder Hellgrau - die hellsten Felder kommen schon einigermaßen korrekt. Allerdings bleiben die beiden dunkelsten noch fast ohne Differenzierung und behalten ihre "Unterbelichtungs-Warnmarkierung". Wir müssen auch noch die "Schwarzschwelle" nach unten verschieben, um dunklere Werte aus dem Raw in den RGB-Tonwertraum herüberzuholen. Dazu wird der Einsteller "Schwarz" von seinem Standardwert 5 auf 0 zurückgestellt: Schon gewinnen auch die dunkelsten Felder Zeichnung und heben sich voneinander ab (drittes Bild). Sie geraten sogar etwas zu hell - hier ist die Anzahl der Stufen zwischen 0 und 5 für den Schwarzpegel etwas grob, eine genauere Anpassung könnte durch weitere Maßnahmen erfolgen, beispielsweise mit der Gradationskurve. So kann man deren linken Fußpunkt bei den Schatten auf der Registerseite "Gradation" etwas nach rechts verschieben, was die Schwelle des "absoluten Schwarz" etwas anhebt und das erste Feld wieder schwärzer macht.

Das vierte Bild zeigt den Versuch, den Schwarzwert-Einsteller auf 4 zu belassen und kräftig am Fülllicht zu drehen - dadurch werden die dunkelsten Felder zwar auch getrennt, aber das Ergebnis ist stark verrauscht und wenig befriedigend. Der Fülllicht-Einsteller eignet sich besser zur Anhebung leicht zu dunkler Schatten, gegebenenfalls kann er in einer wohlabgewogenen Kombination mit dem Schwarzwert-Einsteller benutzt werden.

Verringert man die tatsächliche Belichtung in der Kamera weiter, etwa auf -4 EV, so lassen sich die beiden dunkelsten Felder kaum mehr klar trennen und sie rauschen sehr stark, wenn man sie aufhellt. Hier gilt: Bei zunehmender Unterbelichtung droht der allmähliche Untergang ins Nirwana des Dunkelrauschens, bei Überbelichtung aber sehr rasch die explosive Auslöschung aller Inhalte in den Lichtern.