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c't Fotografie

Raw-Entwicklung: Rohkost für Feinschmecker (III)

Korrekturen mit Canons Digital Photo Professional

Inhaltsverzeichnis

Neben den teuren professionellen Raw-Konvertern (Adobe Camera RAW in CS4, etwas preiswerter eingebaut in Lightroom) über diverse Fremdanbieter oder Open Source (GIMP) gibt es auch Software von den Kameraherstellern, die man als kostenlose Beigaben beim Kauf einer Kamera erhält. Dazu zählt Digital Photo Professional (DPP) von Canon, das als ausgezeichneter Raw-Entwickler gilt. Es zeigt ein echtes Raw-Histogramm, in dem man auch diejenigen Tonwertbereiche zu Gesicht bekommt, die in den Rohdaten der Aufnahme vorhanden sind, normalerweise aber nicht in das RGB-JPG-Format übertragen werden. Das erkennt man mit den hier vorgestellten über- und unterbelichteten Testaufnahmen sehr deutlich. Man sieht dann - jedenfalls für Canon-RAW-Aufnahmen - auch deutlich, wenn – vor allem im Bereich der Lichter – die Aufzeichnungsgrenzen der Kamera schon überschritten wurden.

In ACR legt der Schwarzwert-Einsteller fest, welche Schattenwerte in der Raw-Datei mit dem Schwarzwert "0" in der RGB-Datei gleichgesetzt werden. Diese werden als "0" übertragen, alles darunter wird abgeschnitten (bzw. erscheint ebenfalls als "0", "negative" Helligkeitswerte gibt es nicht). Alles darüber wird in einen Wert größer als 0 übertragen. Der Einsteller "Belichtung" in ACR stellt einen Multiplikationsfaktor für die Werte oberhalb der Schwarzschwelle dar. Angenommen, dieser Mulitplikator sei einmal 1, ein andermal 10, dann ergibt 0 × 1 = 0; und 0 × 10 = 0 (Schwarz bleibt Schwarz), 1 × 1 = 1, 1 × 10 = 10 (sehr dunkles Grau wird aufgehellt). Ein Weißwert, der bei einem Belichtungsfaktor von 1 den Zielwert 255 ergibt, wird durch Absenken der Belichtung auf einen Multiplikator von 0,5 zu: 255 * 0,5 =~ 128 (mittleres Grau). Wenn es Ausgangswerte gibt, die zum Beispiel einen Helligkeitswert von 300 ergäben (der in 8-Bit nicht mehr darstellbar wäre), so wird daraus 300 x 0,5 =~ 150, und so weiter. Umgekehrt werden bei Belichtungsfaktoren größer als 1 schon Helligkeitswerte, die sonst unter 255 lägen, diese Grenze überschreiten und somit "abgeschnitten": 212 * 1,3 = 276 zum Beispiel geht nicht und wird auf 255 beschnitten.



Die grau schattierten Bereiche links und rechts sind die in 12-Bit-Raw numerisch nicht mehr darstellbaren Blendenstufen (bei einem 14 Bit-Raw-Format, wie beispielsweise aus einer 500D wäre der weiße Bereich breiter). Die leicht geschwungene und etwa von -4,0 nach rechts ansteigende Kontrastkurve steht für das "Abbildungsfenster" der Töne, die aus dem Raw-File in das RGB-Format übertragen werden (es werden auch noch Bereiche unterhalb -4,0 EV übertragen, aber hier ist die Kurve so flach, dass sie im Diagramm nicht mehr zu erkennen ist). Etwa ab der Einstellung "Helligkeit 0" und darüber (Mitte und rechts im Bild) werden Balken im Lichterbereich abgeschnitten, was auch an den nicht mehr differenzierten hellsten Graufeldern zu erkennen ist. Die linke Grenze des weißen Bereiches kann man nach rechts verschieben, was dem Höherstellen des "Schwarz"-Einstellers in ACR entspricht. Ebenso kann man den rechten Rand (Lichter) nach links verschieben, und dadurch in Grenzen dunklere Töne zu absolutem Weiß (255) machen. Dennoch kann man nicht im selben Maße wie in ACR durch Herunterstellen des Schwarzpegels und negative Einstellungen von "Belichtung" gleichzeitig in den Lichtern und den Schatten den von Raw nach RGB übertragenen Tonwertebereich ausdehnen. Man kann nur die Gammakurve flacher oder steiler machen, was dann prinzipiell genauso wirkt wie die Gammakurvenverstellung bei Adobe.

Im Falle der Unterbelichtung um -3 EV ließen sich die Schattentöne noch ziemlich gut trennen, bei -4 EV gelingt dies nur noch schlecht. Die "Degradation" der Schattenzeichnung erfolgt aber, anders als bei den Lichtern und Überbelichtung, schleichend und nicht abrupt, ein regelrechtes "Schwarzclipping" gibt es nicht, eher ein allmähliches Untergehen im Rauschen. Die 400D zeigt bei diesem Test zum Beispiel eine Überbelichtungstoleranz in den Lichtern von 0,6 bis maximal 1 Blendenstufen, darüber werden von den 9 Tonwerten nur noch 8 oder weniger aufgelöst. Je nach Kameramodell liegen diese Grenzen enger oder weiter, das muss man individuell austesten. Im Bereich der Unterbelichtung kann man bis zu 3,5 oder gut 4 Blendenstufen gehen, um Schatten noch aufzulösen, wenn man sie korrigiert - allerdings sehen sie dann schon sehr verrauscht aus. Ganz gut sind die Werte bis -2 Blendenstufen unter dem linken Histogrammrand restaurierbar.

Ihre größten Stärken spielt die Raw-Entwicklung auf dem PC bei Aufnahmen aus, die trotz sorgfältiger Belichtung nicht zufriedenstellend aussehen. Demonstrierten die bisherigen Folgen zum Thema Raw-Konvertierung die Wirkung der verfügbaren Einsteller im Raw-Konverter anhand künstlich erzeugter Vorlagen und deren "Balkenhistogrammen", geht es im nächsten Kapitel um die Korrektur praktischer Problemfotos. Das Bild im Screenshot auf der ersten Seite gehört auch dazu, wir werden zeigen, wie man sowohl die Lichter- als auch die Schattenpartien verbessern kann.

Bisher sind in dieser Reihe erschienen:

Mit eingebetteten "Schnappschüssen" verschiedener Korrekturfassungen in Photoshop