Recht auf Reparatur: Apple weiß nicht, was es will

Es gab einen internen Konflikt um die Frage, ob Apple sich gegenüber freien Werkstätten öffnen sollte. Dies geht aus frisch veröffentlichten Memos hervor.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 107 Beiträge

Ein zerlegtes iPhone 11.

(Bild: iFixIt.)

Von

Zu den großen Kritikpunkten an Apple zählt die Tatsache, dass der Konzern seine Servicebetriebe bis ins Detail kontrolliert – so konnten freie Werkstätten bis vor kurzem an Originalersatzteile praktisch nicht herankommen. Das sogenannte Recht auf Reparatur, zu dem es in den USA mittlerweile erste Gesetze gibt, bekämpfte der Konzern mit Lobbyarbeit – auch unter dem Hinweis, dass es angeblich die Sicherheit der Kunden gefährde. Mittlerweile ist die Situation etwas besser geworden: Mit einem neuen "Programm für unabhängige Reparaturanbieter", das im Juli auch in Deutschland gestartet ist, gibt es Zugang zu Apple-Werkzeug sowie erstmals auch Teilenachschub.

Lesen Sie auch

Wie Apple die Situation intern bewertet hat, war bislang nicht bekannt – nach außen gab sich der Konzern in seiner Ablehnung monolithisch. Interne Memos, die Apple im Rahmen von Aussagen seines Chefs Tim Cook vor einem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses offengelegt hat, zeigen nun, dass die Debatte keineswegs eindeutig war. Noch in diesem Frühjahr versuchte der Konzern demnach, eine Strategie zu formulieren, wie der Reparaturdienstleister iFixIt in seinem Blog darstellt.

Apple stellte sich demnach die Frage, was seine Reparaturstrategie überhaupt sei, ob man sich für neue Regularien in den USA und Europa einsetzen wolle und ob das Unternehmen grundsätzlich damit einverstanden ist, künftig Reparaturanleitungen für alle Produkte zu publizieren. Im Frühjahr hatte es zu dem Thema nochmals ein großes Editorial in der New York Times gegeben, das die Kommunikationsabteilung Apples veranlasste, das Management zum Thema anzusprechen. "Das größere Problem ist, dass unsere Strategie rund um all dies unklar ist. Aktuell sprechen wir aus beiden Seiten unseres Mundes und niemand ist klar, wohin wir uns bewegen."

In seinem Umweltbericht von 2020 hatte Apple noch betont, wie wichtig "Reuse & Repair" für das Unternehmen ist. Darin heißt es unter anderem, wie wichtig eine einfache und verlässliche Reparatur von Geräten sei, um "langlebige Produkte zu schaffen". Die internen Memos kommen nicht zu einem Schluss, wie Apple künftig agieren will – es ist also durchaus möglich, dass der Konzern weiterhin Lobbyarbeit gegen ein Recht auf Reparatur machen wird, während er sich gleichzeitig freien Werkstätten gegenüber stärker öffnet. (bsc)