Reclaim Your Face: Neue Kampagne gegen Gesichtserkennung

Ein Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen fordert ein Verbot biometrischer Gesichtserkennung und der damit verknüpften Massenüberwachung.

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(Bild: Scharfsinn/Shutterstock.com)

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  • Stefan Krempl

Der zunehmende und teils heimliche Einsatz automatisierter Gesichtserkennung durch die Polizei und weitere Behörden ruft die Zivilgesellschaft auf den Plan. Zwölf europäische Organisationen haben die Koalition "Reclaim Your Face" gegründet. Sie fordern ein Verbot der biometrischen Erkennungstechnik und der damit verknüpften Massenüberwachung.

"Einige Anwendungen der Biometrie sind schlicht zu schädlich", heißt es auf der zugehörigen Website im Rahmen einer Petition, die mitgezeichnet werden kann. Menschen würden damit aufgrund ihres Aussehens ungerecht behandelt, als potenzielle Verdächtige abgestempelt und ihr Recht auf freie Meinungsäußerung eingeschränkt. Automatisierte Überwachung anhand von Körpermerkmalen diene dazu, "unser Verhalten zu manipulieren und zu kontrollieren, was wir tun". Die breite Öffentlichkeit werde damit unfreiwillig als Testobjekt benutzt. Es sei daher an der Zeit, das Recht am eigenen Gesicht geltend zu machen.

Angestoßen haben die Initiative die Bürgerrechtsorganisationen Hermes Center (Italien), Homo Digitalis (Griechenland), Bits of Freedom (Niederlande), Iuridicum Remedium (Tschechien), Share Foundation (Serbien), Access Now und European Digital Rights (EDRi). Zu den weiteren Unterstützern gehören Privacy International, Article 19, der Chaos Computer Club (CCC), Panoptykon Foundation und La Quadrature du Net.

"Biometrische Überwachung entmenschlicht uns zu leblosen Datenbits und nimmt uns unsere Autonomie und unsere Ausdrucksfähigkeit", erläutert Laura Carrer vom Hermes Center. "Sie zwingt uns in ein nicht rechenschaftspflichtiges, automatisiertes System, in das wir ungerechterweise eingestuft werden." Nur ein Verbot der Technik könne sicherstellen, "dass starke, fröhliche und gut organisierte Gemeinschaften gedeihen".

In den vergangenen Monaten haben die Beteiligten bereits lokal gegen automatisierte Gesichtserkennung erfolgreich mobil gemacht. Sie schafften es etwa, den Einsatz der Technik an französischen Schulen sowie in Städten wie Prag und Como zu stoppen beziehungsweise zu verhindern. In Belgrad gibt es nun zumindest ein öffentliches Verzeichnis aller fast 700 entsprechend aufgerüsteten Überwachungskameras, die die Stadtverwaltung zunächst heimlich in Kooperation mit Huawei installierte.

In einem frühen Entwurf für ein EU-Weißbuch für Künstliche Intelligenz (KI) hatte die für Digitales zuständige Kommissionsvizepräsidentin Margrethe Vestager einen temporären Bann automatisierter Gesichtserkennung im öffentlichen Raum ins Spiel gebracht, einen solchen Schritt dann aber doch nicht mehr für nötig befunden. Eine Mehrheit der Teilnehmer an einer Konsultation zu den geplanten KI-Regeln drängte aber auf ein solches Verbot.

(mho)