Regierungsbericht: Erster Drohnenangriff aufs Stromnetz in den USA

Laut einer Analyse von US-Sicherheitsbehörden soll im vergangenen Jahr erstmals eine Attacke mit einer Drohne auf ein Umspannwerk dokumentiert worden sein.

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(Bild: Dmitry Kalinovsky/Shutterstock.com)

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  • Stefan Krempl

In den USA wurde im vergangenen Jahr – offenbar zum ersten Mal – eine Drohne für einen Angriff auf das Energieversorgungsnetz eingesetzt. Dabei sollen die Piloten versucht haben, aus der Ferne ein Umspannwerk in Pennsylvania außer Betrieb zu setzen und damit möglicherweise eine Kettenreaktion auszulösen. Dies geht aus einem Bericht des FBI, des Department of Homeland Security und des National Counterterrorism Center hervor, wie das Magazin New Scientist meldet.

Die Angreifer haben demnach für die geplante Attacke auf die Einrichtung, die zum Bereich der kritischen Infrastrukturen (Kritis) gehört, eine modifizierte Verbraucherdrohne benutzt. Der genaue Ort des Vorfalls werde nicht genannt, heißt es in dem Medienbericht. Die Drohne sei aber abgestürzt, ohne Schaden anzurichten. Der Regierungsreport sei zur Warnung an US-Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet worden.

Die Drohne war der Meldung zufolge mit einem Schleppseil ausgestattet, an dem ein Stück Kupferdraht befestigt war. Wäre dieser mit einer Hochspannungsanlage in Berührung gekommen, hätte er einen Kurzschluss, Ausfälle und möglicherweise Brände verursachen können.

Das Gerät soll konzeptionell den von der US-Luftwaffe eingesetzten "Blackout-Bomben" ähneln. Diese enthalten keinen Sprengstoff, dafür aber massenweise leitende Fäden, die über elektrische Anlagen verstreut werden. Mit diesen Ladungen wurden 1999 während des Kosovo-Kriegs 70 Prozent der serbischen Stromerzeugungskapazität außer Gefecht gesetzt.

Elektrische Umspannwerke sind normalerweise durch Zäune und andere Barrieren geschützt, um sie etwa vor Angriffen mit Fahrzeugen auf dem Boden zu schützen. Zak Kallenborn vom National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism in Maryland erklärte aber gegenüber dem New Scientist, dass diese gegen Drohnen wenig ausrichten könnten. Die Terrorismusabwehr gehe bislang noch nicht hinreichend auf Attacken aus der Luft ein: "Drohnen sind billig und leicht zu bedienen." Betreiber kritischer Infrastruktureinrichtungen müssten sich gegen "Angriffe aus allen Richtungen" wappnen.

An einigen Standorten in den USA werden zwar bereits Störsender zur Drohnenabwehr. Sie können aber aus Kostengründen und wegen der begrenzten Einsatzmöglichkeiten nicht jedes Umspannwerk schützen. Kallenborn gab zu bedenken, dass Drohnen zwar nur eine winzige Nutzlast im Vergleich zu einer Autobombe mit sich führen könnten. Trotzdem sei es damit aber möglich, einen unverhältnismäßig großen Schaden anzurichten, wenn etwa ein umgerüsteter Multicopter auf verwundbare Stellen ziele.

Kallenborn ermahnte Eigentümer und Betreiber von Anlagen im Kritis-Sektor, entscheidende empfindliche Komponenten zu identifizieren, bei denen kleine Sprengladungen dem Betrieb des gesamten Werks erheblichen Schaden zufügen könnten.

Die US-Regierung hatte bereits 2017 unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, wonach Sicherheitsbehörden und das Militär umfangreiche Befugnisse zur Drohnenabwehr erhalten sollten. Wenn unbemannte Flugobjekte eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellen oder laufende eigene Operationen sowie Infrastrukturen bedrohen, hieß es damals, könnten sie ohne Einwilligung der Piloten identifiziert, überwacht und verfolgt werden.

Alternativ sollten dem Entwurf zufolge gefährlich erscheinende Flugsysteme auch umgeleitet, beschlagnahmt oder gehackt werden können, um die Kontrolle über sie und ihre möglicherweise geladene Fracht zu erhalten. In Kreisen der Exekutive gab es nicht erst nach der Crash-Landung einer Drohne auf dem Zaun des Weißen Hauses 2015 wachsende Bedenken, dass die breite Verfügbarkeit kostengünstiger Multicopter etwa von Terroristen oder Schmugglern im Haftbereich missbraucht werden dürfte.

Hierzulande plant die Bundespolizei, zumindest die 14 großen deutschen Verkehrsflughäfen in ihrem Zuständigkeitsbereich "mit einem stationären Drohnenabwehrsystem" auszustatten. Einen Prototyp testeten die Partner des Projekts "Falke" am Flughafen Hamburg.

(bme)