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RentAHitman: Auf Scherzseite Auftragskiller gesucht, Frau bekennt sich schuldig

Die Seite RentAHitman.com bietet Auftragsmorde unter Beachtung des Datenschutzes an. Erneut ist darauf jemand hereingefallen und muss wohl lange ins Gefängnis.

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Von
  • Martin Holland

In den USA hat sich eine Frau schuldig bekannt, über eine Scherzseite im Internet versucht zu haben, einen Auftragsmörder zu finden, der ihren Ex-Mann umbringen sollte. Wie The Monroe News aus der gleichnamigen Stadt im US-Bundesstaat Michigan berichtet, hatte die heute 52-Jährige im Frühjahr 2020 ein Formular auf der Seite RentAHitman.com ausgefüllt. In dem "Formular für Serviceanfragen" gibt es jede Menge Felder für Daten über Antragssteller:in und Zielperson. Zwar habe die Frau einen falschen Namen angegeben, aber andere personenbeziehbare Informationen hinterlassen. Der Seitenbetreiber gab die Daten an die Polizei, die die Frau überführen konnte. Sie hat sich nun der Anstiftung zum Mord und zur Nutzung eines Computers für kriminelle Aktivitäten schuldig bekannt.

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Das Internet ist voll von heißen IT-News und abgestandenem Pr0n. Dazwischen finden sich auch immer wieder Perlen, die zu schade sind für /dev/null.

Obwohl als Scherzseite zu erkennen, hat RentAHitman.com damit einmal mehr als Honeypot gedient, um jemanden anzulocken, die zu einem Mord anstiften wollen. Registriert wurde die Domain Anfang 2005 von einem US-Amerikaner, der Netzwerksicherheit studierte und überlegte, ein Unternehmen für Penetrationstest zu gründen, erzählte der der Washington Post. Bei dem "Hitman" im Namen ging es also um Angriffe auf IT-Systeme, keinen Auftragskiller. Der Mann namens Bob Innes hat die Seite dann fast vergessen und Jahre später jede Menge Anfragen per E-Mail gefunden. Die habe er aber nicht ernst genommen. 2010 sei dann die Erste gekommen, die ernst gemeint war, die Bitte einer Britin in Kanada, die drei Verwandte umbringen lassen wollte. Nachdem er noch einmal explizit nachgefragt hat, habe er sie der Polizei gemeldet. Sie sei inhaftiert und abgeschoben worden.

Innes hat die Seite in ihr aktuellen Form demnach 2014 eingerichtet, inklusive des Formulars. Immer wieder habe es Fälle von ernsten Versuchen gegeben, jemanden umbringen zu lassen. Aktuell gebe es monatlich acht bis zehn Anfragen an den fiktiven Betreiber "Guido Fanelli", darunter vor allem selbst Scherze. Wenn er Angaben aber verifizieren kann, stelle er zwei Nachfragen – auch der Frau aus Michigan: "Brauchen Sie immer noch unsere Dienste" und "Wollen Sie, dass ich Sie mit einem unserer Außendienstmitarbeiter in Verbindung setze?". Werden die bejaht, kontaktiere er Strafverfolger. Die Frau aus Michigan hat sich dann mit dem "Außendienstmitarbeiter" getroffen, einem getarnten Polizisten. Dem habe sie Informationen zu ihrem Ex-Mann gegeben und 200 US-Dollar, weitere 5000 habe sie zugesagt. Später sei sie festgenommen worden.

Angesichts dieses neuerlichen Falls meint Innes zur Washington Post, "das ist eine verrückte Welt". Das Internet sei offensichtlich ein gefährlicher Ort, "und diese Website ist ein Magnet für die tief hängenden Früchte, die es da draußen gibt und die Menschen schaden wollen". Obwohl er jede Menge Interviews zu der Seite gegeben habe, gebe es immer wieder ernst gemeinte Versuche, darüber einen Auftragskiller zu mieten. "Ich verstehe es nicht", aber "Menschen sind einfach dumm". Der 52-Jährigen aus Michigan drohen nun maximal eine lebenslange Haft beziehungsweise 20 Jahre für die beiden eingestandenen Straftaten. Ein Urteil soll es Mitte Januar geben.

(mho)