Richard Stallman kehrt zur FSF zurück

Nach umstrittenen Äußerungen in einem #MeToo-Fall war der Software-Spezialist im September 2019 zurückgetreten.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 177 Beiträge
Richard Stallmann auf einer Konferenz

Die Kritik an unwürdigen Äußerungen will er vergessen machen: Stallmann ist wieder bei der FSF

(Bild: CC BY 4.0)

Von
  • Teo Lukas

Er ist wieder da. Das verkündete der GNU-Guru und Gründer der Free Software Foundation (FSF) Richard Stallman auf einer Online-Veranstaltung. "Ich bin jetzt wieder im Vorstand der Free Software Foundation. Einige von Euch werden sich darüber freuen und andere werden vielleicht enttäuscht sein, aber wer weiß. Auf jeden Fall ist es so, wie es ist. Und ich habe nicht vor, ein zweites Mal zurückzutreten." Das Amt des FSF-Präsidenten behalte aber Geoffrey Knauth inne.

Das Video der Ankündigung Stallmans ist bei It's FOSS News verfügbar. Es zeigt seinen Auftritt bei der diesjährigen Linux-Konferenz LibrePlanet2021, wo er einen Vortrag hielt über "wachsende Ungerechtigkeiten in der Computerwelt", darunter "gesperrte Betriebssysteme; benutzerbeschränkende App-Stores; [und] die Forderung nach unfreier Client-Software, einschließlich Javascript."

Stallman gründete die FSF im Jahr 1985 und stand ihr bis zum 16. September 2019 als Präsident vor. Von seinem Vorstandsamt und dann aus dem Vorstand zurückgetreten war er nach Druck aus der eigenen Organisation. "Stallmans über die Jahre an den Tag gelegtes Verhalten ist nicht dazu geeignet, die Werte des GNU-Projekts zu vertreten", schreiben die Unterzeichner einer offenen Erklärung. Damit krisitsierten sie Stallmans Äußerungen zu sexuellem Missbrauch in der Affäre rund um Jeffrey Epstein und den MIT-Professor Marvin Minsky.

Dem inzwischen verstorbenen Minsky war eine sexuelle Beziehung zu einer 17jährigen vorgeworfen worden. Epstein habe das Mädchen dazu auf seine Insel einfliegen lassen. Stallman verteidigte Minsky auf einer internen MIT-Mailingliste und bezeichnete die junge Frau als willig, wie US-Medien berichteten.

Auch wenn Stallman offiziell zurückgetreten war, hat er die FSF nie wirklich verlassen. Denn er blieb verantwortlich für das GNU-Projekt, der Vorläuferorganisation der FSF, verantwortlich für die Entwicklung von GNU Emacs und anderer GNU-Programme. Für dieses Projekt trat Stallman auch immer wieder öffentlich auf. Die FSF wurde als steuerbefreite Wohltätigkeitsorganisation "für die Entwicklung freier Software" gegründet.

Die Nachricht von Stallmans Rückkehr wurde nicht im täglichen LibrePlanet 2021, dem Nachrichtenblog der FSF-Konferenz für freie Software, erwähnt. Die FSF-Webseite listet ihn jedoch nun als Mitglied des Vorstands auf.

Während ihm seine Unterstützer zujubeln, kommen aus der Open-Source-Szene auch sehr kritische Stimmen. So twitterte Josh Simmons, Präsident der Open Source Initiative (OSI): "Ich bin schockiert und entsetzt über die Nachricht von der LibrePlanet, dass RMS [Stallman], ein bekannter Belästiger, in den Vorstand der FSF zurückkehrt."

VM (Vicky) Brasseur, eine preisgekrönte Free/Open-Source-Verfechterin und Unternehmensstrategin, sagte: "Vor etwas mehr als einem Jahr bin ich endlich der @fsf beigetreten. Sie hatten endlich Maßnahmen gegen RMS [Stallman] ergriffen, einen Mann, der nicht nur selbst nachweislich toxisch war, sondern auch ein Vorbild für Toxizität in #FreeSoftware ist. RMS hielt die FSF und Freie Software zurück. Trotz dieser bekannten Toxizität gab die FSF auf Twitter bekannt, dass RMS in ihren Vorstand zurückkehrt. Der eine Schritt vorwärts im September 2019 hat sich in zwei große Schritte zurück in das dunkle Zeitalter der Freien Software verwandelt."

Mozilla Senior IP and Product Counsel, Daniel Nazer, bemerkte: "Selbst wenn man seine Gruseligkeit beiseite lässt, hat RMS [Stallman] seit Jahrzehnten keine effektive öffentliche Lobbyarbeit außerhalb seiner kultigen Blase geleistet."

(tol)