Riesenkomet C/2014 UN₂₇₁: Seit drei Millionen Jahren unterwegs ins Sonnensystem

Noch bis 2031 wird sich der Komet C/2014 UN₂₇₁ der Sonne nähern. Nun wurde der außergewöhnliche Himmelskörper auch mit Hubble genau vermessen.

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Links die Hubble-Aufnahme des Kometen, in der Mitte ein Modell von Koma und Schweif, rechts der ermittelte Kern.

(Bild: NASA, ESA, Man-To Hui (Macau University of Science and Technology), David Jewitt (UCLA); Image processing: Alyssa Pagan (STScI))

Aufnahmen des Weltraumteleskops Hubble haben bestätigt, dass C/2014 UN₂₇₁ der bislang größte bekannte Komet aus der Oortschen Wolke am Rand des Sonnensystems ist. Dessen Kern ist demnach tatsächlich über 139 Kilometer groß, teilte die US-Weltraumagentur NASA nun mit. C/2014 UN₂₇₁ rast aktuell mit über 35.000 Kilometern pro Stunde ins Sonnensystem, wird sich der Sonne aber nur bis etwa auf die Bahn des Saturn nähern. Auch wenn er der Erde also nicht nahekommen wird, ist er für die Forschung von großem Interesse. Unter anderem könnte er wertvolle Einblicke in seine Herkunftsregion am Rand des Sonnensystems liefern, die bislang nur theoretisch beschrieben wurden. Nach dem Asteroiden Chiron, der auch als Komet gilt, ist C/2014 UN271 der zweitgrößte bekannte Komet.

Laut NASA geht die Forschung aktuell davon aus, dass die Oortsche Wolke mehrere tausend Astronomische Einheiten von der Sonne entfernt beginnt, also Tausende Male so weit wie die Erde. Ihre äußere Grenze könnte weit über ein Lichtjahr von der Sonne entfernt sein. Aus diesem Gebiet stammt C/2014 UN₂₇₁, sein Orbit um die Sonne dauert etwa drei Millionen Jahre. Seit etwa einer Million Jahren ist er jetzt auf dem Weg ins Innere des Sonnensystems, von der Sonne ist er aktuell noch etwa über 21 Astronomische Einheiten entfernt. Die Distanz wird sich bis zum Jahr 2031 noch etwa halbieren. Seine Temperatur beträgt etwa -210 Grad Celsius. Das reicht aus, damit Kohlenmonoxid an der Oberfläche sublimiert und eine staubige Koma bildet. Selbst wenn er aber noch deutlich aktiver werden dürfte – also mehr Gas ausstößt – wird er von der Erde nicht mit bloßem Auge zu sehen sein.

Von der Erforschung von C/2014 UN₂₇₁ in den kommenden Jahren erhoffen sich Astronomen und Astronominnen Erkenntnisse über dessen Herkunftsregion. Die Oortsche Wolke wurde in den 1950er-Jahren erstmals theoretisch beschrieben. Sie soll aus unzähligen Kometen bestehen, die aber viel zu weit von uns entfernt sind, um direkt nachweisbar zu sein. Ironischerweise sei die größte Struktur des Sonnensystems damit für uns unsichtbar, schreibt die NASA. Sogar die aktuell am weitesten entfernte Sonden – Voyager 1 und 2 – werden ihre Ausläufer erst in mehreren Hundert Jahren erreichen. Daten werden sie dann längst nicht mehr schicken können. Für die Durchquerung werden sie bis zu 30.000 Jahre brauchen. Lediglich anhand zur Sonne rasender Kometen können wir die Wolke erschließen. Weil die aus allen Richtungen kommen, muss sie kugelförmig sein.

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C/2014 UN₂₇₁ ("Bernardinelli-Bernstein") war von den Astronomen Pedro Bernardinelli und Gary Bernstein in Aufnahmen der riesigen Himmelsdurchmusterung DES (Dark Energy Survey) gefunden worden. Anfangs war angesichts seiner immensen Größe darüber spekuliert worden, ob es sich nicht um einen Kometen, sondern gar einen Zwergplaneten handelt. Wie seine Bezeichnung offenlegt, war er nachträglich auf Aufnahmen gefunden worden, die aus dem Jahr 2014 stammen. Inzwischen habe man ihn sogar auf Bildern aus dem Jahr 2010 entdeckt, ergänzt die NASA. Modellierungen hätten ergeben, dass C/2014 UN₂₇₁ der Sonne wohl noch nie so nahe gekommen ist, wie für 2031 berechnet wurde. Damit ist er womöglich auch noch einer der "ursprünglichsten" Kometen, der je beobachtet wurde. Die jüngste Studie zu ihm wurde jetzt in The Astrophysical Journal Letters veröffentlicht.

(mho)