Risiko Weltraumschrott und Satellitentrümmer: Solar Orbiter holt an Erde Schwung

Am frühen Samstag wird der Solar Orbiter der ESA in nur 460 Kilometern Entfernung an der Erde vorbeirasen. Gerade dort gibt es besonders viel Weltraumschrott.

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Künstlerische Darstellung des Flybys

(Bild: ESA)

Von
  • Martin Holland

Wenn am Samstagmorgen die ESA-Sonnensonde Solar Orbiter noch einmal an der Erde vorbeifliegt, um Schwung zu holen, dann wird das der riskanteste Flyby ihrer gesamten Mission. Darauf verweist die Europäische Weltraumagentur ESA und macht Weltraumschrott im Erdorbit dafür verantwortlich, der zwar nur eine kleine, aber eben nicht keine Gefahr für die Sonde darstelle. Hinzu kommt als vergleichsweise große Unbekannte jenes Trümmerfeld, das vor wenigen Tagen durch den russischen Test einer Antisatellitenwaffe entstanden ist. "Der Test passierte vor so kurzer Zeit, dass es nur unvollständige Informationen über die dabei entstandenen Trümmer gibt", erklärte Andrea Accomazzo dem US-Portal Space.com nun.

Auf seinem Weg immer näher an die Sonne holt der Solar Orbiter gleich mehrfach an der Venus Schwung, aber jetzt auch einmal an der Erde. Dabei wird die Sonde unseren Heimatplaneten am Samstag um 5:30 Uhr (MEZ) in nur 460 Kilometern passieren, das ist wenige Dutzend Kilometer über der Höhe, in der etwa die Internationale Raumstation ISS unterwegs ist. Außerdem ist es in etwa so hoch wie viele der Trümmer des Satellitenabschusses. Soweit man deren Position kenne, sehe aktuell alles gut aus, versicherte Accomazzo Space.com. Sollte aber doch ein Stück Weltraumschrott auf Kollisionskurs entdeckt werden, könnte der Solar Orbiter Stunden vor der Annäherung auch noch ausweichen. Das hätte aber für den weiteren Verlauf der Mission Folgen, weil die Bahn dann nicht mehr ideal wäre. Aus der Gefahrenzone wird der Solar Orbiter nach dem zweiten Durchflug durch die Bahn der geostationären Satelliten, eine Stunde nach der größten Erdannäherung, sein.

Der Solar Orbiter wird also jene Region des Erdorbits passieren, wo – auch schon vor dem russischen Satellitenabschuss – der meiste Weltraumschrott um die Erde rast. Die ESA warnt bereits seit Längerem vor den Folgen, sollte die Zahl von Trümmern und inaktiver Satelliten weiter so signifikant steigen. Nun nutzt sie den Flyby des Solar Orbiter für den erneuten Hinweis auf die hausgemachten Gefahren. Zwar sei das Risiko für die Sonde gering, aber es liegen eben nicht bei Null. Bei den Passagen um die Venus oder die anderer Sonden etwa um Merkur gebe es solch ein Risiko dagegen überhaupt nicht. Auch sei das Risiko vor dem eingeleiteten Aufbau sogenannter Mega-Konstellationen wie Starlink von SpaceX geringer gewesen.

Ziel des Solar Orbiters ist die Erforschung der Sonne aus vergleichsweise großer Nähe. Die Sonde soll sich unserem Stern auf bis zu 42 Millionen Kilometer nähern, dazu muss sie aber noch deutlich an Fahrt aufnehmen. Sechs weitere Schwungmanöver sind an der Venus geplant, die Sonne soll 22 Mal umkreist werden. Parallel zum Solar Orbiter holt auch gerade die Parker Solar Probe der NASA Schwung, um sich der Sonne zu nähern. Die Sonde ist inzwischen bereits das schnellste menschengemachte Objekt überhaupt und 163 Kilometer pro Sekunde (586.800 Kilometer pro Stunde) schnell.

(mho)