Rivian: Elektroauto-Hersteller fährt 1,7 Milliarden US-Dollar Miese ein

Rivian hat im zweiten Geschäftsquartal seinen Verlust binnen eines Jahres auf 1,7 Milliarden Dollar gesteigert, bei einem Umsatz von 364 Millionen Dollar.

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Ein elektrisch angetriebener Rivian R1T Pick-up.

(Bild: Rivian)

Von
  • Oliver Bünte

Der US-amerikanische Hersteller von Elektro-Pick-ups Rivian hat im abgelaufenen zweiten Geschäftsquartal seinen Verlust im Jahresvergleich auf insgesamt 1,7 Milliarden US-Dollar, etwa 1,65 Milliarden Euro, erhöht. Etwa 704 Millionen Dollar Verlust kamen im abgelaufenen Quartal hinzu. Wie Rivian am Donnerstag mitteilte, seien dafür vor allem Schwankungen in der Lieferkette verantwortlich. Entsprechend könnten Fahrzeuge nicht fertiggestellt und an Kunden ausgeliefert werden.

Zwar stieg der Umsatz im abgelaufenen Quartal auf 364 Millionen Dollar und damit mehr als zuvor prognostiziert war, allerdings fiel auch der Verlust deutlich höher als erwartet aus. Im Vergleich zum Vorjahresquartal liegt er nun fast dreimal so hoch. Entsprechend korrigiert Rivian seine Erwartung für das Gesamtjahr: Statt zuvor 4,7 Milliarden Dollar Verlust sollen es dann 5,4 Milliarden Dollar Miese sein.

Rivian will nun weitere Anstrengungen unternehmen, um die geplante Produktion von 25.000 Elektroautos in Form des Pick-ups R1T, der mit Teslas Cybertruck konkurriert, im Jahr 2022 noch zu erreichen. Zum Vergleich: Seit dem Start der Serienproduktion im September 2021 sind erst rund 8000 Fahrzeuge gebaut worden, 4401 seien es im zweiten Quartal gewesen, schreibt Rivian in einem Brief an die Aktionäre. Rund 98.000 Vorbestellungen aus den USA und Kanada bis zum 30. Juni stehen dem gegenüber.

Wie Rivian das dafür notwendige Hochfahren der Produktion aufgrund der angespannten weltweiten Lieferkettenprobleme bewerkstelligen will, ließ der Autobauer weitgehend offen. Zusätzlich müssten auch die gestiegenen Kosten für Rohstoffe und Energie in den Griff bekommen werden. Ein Teil der Vorbestellungen für Fahrzeuge wurde kundenseitig abgesagt, wohl weil Rivian nicht zeitnah liefern konnte.

Möglicherweise sorgt aber das in den USA am Sonntag verabschiedete Klimapaket für einen weiteren Schub, denn das sieht Steuergutschriften für neue Elektroautos in Höhe von 7500 Dollar vor, sofern das Einkommen des Käufers unter 150.000 Dollar liegt. Ein Pick-up von Rivian kostet etwa 73.000 Dollar.

An der Börse ist Rivian nach seinem Börsendebüt im November 2021 ohnehin kein Lieblingskind mehr; seit Jahresanfang ist der Aktienkurs von 102,71 Dollar auf nunmehr 38,95 Dollar am Freitagvormittag abgestürzt. An Geld fehlt es Rivian vorerst nicht, auch wenn Entlassungen in Höhe von 6 Prozent der Beschäftigten im Stammwerk Illinois anstehen. Dies ist Teil eines Einsparungspakets, um die Betriebskosten zu senken und "im gesamten Unternehmen auf den Weg zur Profitabilität" zu kommen, wie es von Rivian heißt. Derzeit stehen Rivian etwa 15,46 Milliarden Dollar an Barreserven zur Verfügung.

Elektropickup Rivian R1T (19 Bilder)

Mitte September beginnt die Serienproduktion des R1T.
(Bild: RJ Scaringe auf Twitter)

Hilfe hat sich Rivian zudem in Form von Harald Kröger an Bord geholt, gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Kröger war als Manager bei Mercedes-Benz tätig und soll nun im Aufsichtsrat von Rivian eine Position einnehmen.

(olb)