Robophilosophy: Roboter und Religion

Roboter werden auch für religiöse Zwecke eingesetzt, etwa in Tempeln. Um theologische Fragen und um Sterblichkeit ging es zuletzt auf der Robotik-Konferenz.

Lesezeit: 5 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 53 Beiträge
Robophilosophy: Roboter und Religion

Ein Roboter stellt Kannon, den Bodhisattva des Mitgefühls dar.

(Bild: YouTube-Kanal 'Kodaiji Android Kannon Minder' (Screenshot) / youtube.com)

Von
  • Hans-Arthur Marsiske
Inhaltsverzeichnis

Die Roboter kommen, und zwar schnell. Die intelligenten Maschinen entwickeln sich mit rasantem Tempo und werden die menschliche Gesellschaft mehr und mehr prägen. Aber wohin werden sie uns führen? Wohin sollen sie uns führen?

Klare Antworten darauf gab es nicht bei der Konferenz Robophilosophy 2020, die am Freitag zu Ende gegangen ist. Es ist eben eher die Aufgabe von Philosophen, Fragen zu formulieren und vermeintliche Gewissheiten zu hinterfragen. Das mag insbesondere für Ingenieure, die es gewohnt sind, mit präzisen Definitionen und mathematischen Formeln zu arbeiten, gewöhnungsbedürftig sein. So entschuldigte sich denn auch Johanna Seibt (Aarhus University), Ko-Organisatorin der Tagung, in ihren Schlussbemerkungen bei den Nicht-Philosophen, „die wahrscheinlich einige Mühe hatten, uns zuzuhören“. Doch der Austausch über die Disziplingrenzen hinweg sei notwendig, damit aus der Philosophie der Robotik eine Philosophie für die und mit der Robotik werde.

Zu den wichtigsten Kompetenzen der Philosophie zählt dabei sicherlich, dass sie Hilfestellung geben kann, wenn es darum geht, sich über die wünschenswerte Richtung der technologischen Entwicklung zu verständigen. Ähnliches gilt auch für die Theologie, und so ist es nicht verwunderlich, dass auf der Konferenz auch über religiöse Aspekte der Robotik diskutiert wurde. Es gebe eine wachsende Zahl von Robotern, die für religiöse Zwecke verwendet würden, sagte Gabriele Trovato (Waseda University, Tokyo) und nannte insbesondere den von ihm mit entwickelten DarumaTO-2, der ursprünglich für therapeutischen Anwendungen gedacht war, und den von vornherein mit heiliger Anmutung gestalteten Roboter SanTO. Solche Roboter stießen in Japan und Asien generell auf weniger Ablehnung als im Westen, da die östlichen Religionen wie Buddhismus, Taoismus oder Shintoismus keinen Dualismus von Körper und Seele kennen und anders als die abrahamitischen Religionen (Christentum, Islam, Judentum) ein harmonisches Verhältnis mit der Natur anstrebten statt deren Unterwerfung.

Da im Christentum der Körper als ein Geschenk Gottes betrachtet werde, sei der Versuch, in Gestalt eines humanoiden Roboters selbst ein körperhaftes Wesen zu erschaffen, frevelhaft. Daher gebe es im Westen Geschichten wie Mary Shelleys „Frankenstein“, die von den katastrophalen Folgen solcher Versuche erzählen. Im Osten, wo die gesamte Natur als beseelt betrachtet wird, seien solche apokalyptischen Visionen dagegen weniger verbreitet.

Buddhistische Priester, die sich vor einem Roboter verneigen, könnten westliche Beobachter irritieren, stellte auch Gereon Kopf (Luther College) fest. Aber zum einen habe die Geste im Buddhismus keine unterwürfige Bedeutung, zum anderen könnten alle Wesen, selbst nicht-empfindsame, zum Buddha werden. Der gesamte Kosmos werde als heilig angesehen. Kopf nannte ebenfalls diese Abwesenheit eines dualistischen Weltbilds als Grund dafür, dass ein Roboter im Kodaiji-Tempel Kannon, den Bodhisattva des Mitgefühls, verkörpern könne.

Buddhistische Priester verneigen sich vor einem Roboter.