Rück- und Ausblick auf das Kamerajahr: Das war 2020, das wird 2021

Olympus weg, Photokina mal wieder abgesagt, Vielfalt geschrumpft: 2020 war ein turbulentes Jahr für die Fotobranche. Wir blicken zurück und in die Zukunft.

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(Bild: REDPIXEL.PL/Shutterstock.com)

Von
  • Sophia Zimmermann
Inhaltsverzeichnis

2019 war turbulent, 2020 war turbulent: Die Corona-Pandemie hat die Kamera-Industrie und so manche Entwicklung heftig gebeutelt. Wir blicken zurück auf die wichtigsten Entwicklungen und wagen einen Ausblick darauf, was das nächste Jahr bringen könnte.

Unser Jahresrückblick 2020 beginnt genauso wie der von 2019: mit Olympus und dem Ausstieg aus dem Kamerageschäft. Vor einem Jahr war das ein noch häufig dementiertes Gerücht, spätestens seit September 2020 ist es offiziell beschlossene Gewissheit. Olympus hat seine Kamerasparte in eine Tochtergesellschaft ausgegliedert. 95 Prozent der Anteile an dieser Gesellschaft gehen zum 1. Januar 2021 an den japanischen Finanzinvestor Japan Industrial Partners (JIP). Damit verabschiedet sich der Hersteller nach mehr als 80 Jahren aus dem Fotogeschäft. Der Hauptgrund für den Abgang dürften die schlechten Zahlen gewesen sein, denn schon seit 2011 sind die tiefrot. Der Hersteller hat es nicht geschafft, seine Imaging-Sparte trotz innovativer Produkte auf wirtschaftlich tragfähige Beine zu stellen. Olympus will sich nun ganz und gar auf den Medizinsektor fokussieren.

In den vergangenen Jahren verlegte sich Olympus bereits auf eine hochwertige Modellpalette. Kameras wie die hier abgebildete OM-D E-M1 III richten sich an Naturfotografen und bringen eine riesige Funktionsvielfalt mit, die man bei anderen Herstellern teils vergeblich sucht.

(Bild: Olympus)

Die zwischen Olympus und JIP geschlossene Vereinbarung erstreckt sich auf alle Entwicklungs- und Produktionsstätten, die bisher in den Diensten von Olympus' Imaging-Sparte standen. Die Produktion werde wie bisher am Standort in Vietnam bleiben. Den Support von Geräten, noch gefertigt und verkauft von Olympus, werde OM Digital Solutions übernehmen. Was das konkret für die Weiterentwicklung des Micro-Four-Thirds-Systems rund um die spiegellosen Systemkameras mit Four-Thirds-Sensor bedeutet, wird das nächste Jahr zeigen. Olympus und auch JIP bekräftigten, dass man auf der bisherigen Produktpalette aufbauen wolle. Gerüchten zufolge will sich JIP auf hochwertige Modelle konzentrieren, wie man sie beispielsweise in der OM-D-Linie findet. Damit würde der Investor den Weg verfolgen, den Olympus in den vergangenen Jahren ohnehin bereits eingeschlagen hatte.

Und noch eine weitere Konstante der Branche bricht wohl weg: Ende November gab die Koelnmesse bekannt, die Photokina bis auf Weiteres auszusetzen. Die Leitmesse der Fotoindustrie wird damit auch nicht wie geplant im Mai 2022 stattfinden. Die Verantwortlichen der Koelnmesse geben an, dass die Rahmenbedingungen der Branche aktuell keine tragfähige Basis für die internationale Leitmesse böten.

Ganz unerwartet kam das nicht. Seit Langem – nicht erst seit Corona – kämpft der Imaging-Markt mit massiven Rückgängen und die Photokina mit der Selbstfindung. 2018 versuchten sich die Verantwortlichen an einem neuen Konzept, das Smartphone-Fotografie und -Videografie sowie Social Media integrierte – inklusive Turnus- und Terminänderungen. Damit konnten die Verantwortlichen die Situation der Messe aber nicht verbessern. Im Gegenteil: Für eine im Mai 2020 geplante Auflage hatten namhafte Hersteller wie Leica, Nikon und Olympus bereits 2019 abgesagt – der Termin kam letztendlich nie zustande. Somit wurde die Messe seit Ende 2018 immer wieder umgelegt beziehungsweise verschoben. Nun also ein Aussetzen auf unbestimmte Zeit.

Tatsächlich setzt 2020 in der Entwicklung des Fotomarkts einen neuen Tiefpunkt. Besonders drastisch belegen dies die Zahlen des Interessenverbands der japanischen Fotoindustrie CIPA. Hier tummeln sich alle großen Kamera- und Objektivhersteller. Während in den vergangenen Jahren März bis Mai zu den stärksten Monaten gehörten, macht die Absatzkurve in diesem Jahr ausgerechtnet hier einen dramatischen Knick nach unten, erreicht im Mai sogar den Jahrestiefpunkt. Die Hersteller führen diesen Einbruch freilich auf die weltweiten Anti-Corona-Maßnahmen zurück, aufgrund derer Geschäfte schließen mussten und sich die Verbraucherstimmung verdunkelte. Seit September erholt sich die Kurve zwar deutlich, doch sie liegt immer noch unter Vorjahresniveau. Noch ist unklar, wie sich die weltweit wieder steigenden Corona-Zahlen und die damit einhergehenden Beschränkungen im letzten Viertel des Jahres auswirken.

Die Canon EOS R6 ist eine spiegellose Systemkamera mit Vollformatsensor. Sie legt einen Schwerpunkt auf Geschwindigkeit. Wie die Profi-DSLR-Modelle arbeitet sie außerdem mit einer geringeren Auflösung von 20 Megapixeln.

Manche Hersteller sind zumindest vorsichtig optimistisch, so wie Marktführer Canon. Der präsentiert in seinem jüngsten Geschäftsbericht von Ende Oktober sogar überraschend gute Zahlen. So sei der Markt aufgrund von Covid 19 zwar erheblich geschrumpft, doch er erhole sich besser als gedacht. Laut Canon liege das vor allem daran, dass die Nachfrage nach Aufnahmegeräten stark gestiegen sei, weil die Menschen beispielsweise mehr Zeit im Home Office und in Videokonferenzen verbrachten. Zwar rechnet auch Canon weiterhin damit, in diesem Jahre deutlich weniger Kameras als im Vorjahr zu verkaufen, doch trotz des geringeren Umsatzes, könnte ein höherer Profit erwirtschaftet werden. Möglich machen das laut Hersteller hochwertige Produkte wie die EOS R5 und EOS R6, die starke Verkaufszahlen lieferten und sich im gehobenen Preisbereich von über 2000 Euro bewegen.

Auch Nikon gibt im Geschäftsbericht von Ende November an, dass sich der Markt schneller erhole als gedacht. Doch der Hersteller rechnet auch vor, dass dies nur ein kleiner Trost ist. Von 2016 bis 2022 werde der Markt insgesamt um knapp 60 Prozent geschrumpft sein. Der Hersteller betonte daher wie schon bereits im Geschäftsbericht vom Frühjahr, dass er vor deutlichen Umstrukturierungsmaßnahmen stehe. Schneller wolle man in der Imaging Sparte den Wechsel hin zu einem nachhaltigen Geschäftsmodell vollziehen. Dafür will Nikon den Rotstift ansetzen – die Geschäftskosten müssten schneller sinken, als der Markt schrumpft. Außerdem wolle man sich stärker auf Profis und ambitionierte Hobbyfotografen zu konzentrieren und bei der Produktplanung und -entwicklung vor allem auf spiegellose und hochwertige Modelle zu setzen.

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