Russische Wettbewerbshüter: Apple missbraucht App-Store-Monopolstellung

Eine Kartelluntersuchung kommt zu dem Schluss, dass Apple den Markt für iOS-Apps komplett kontrolliert und diese Dominanz ausnutzt, um Wettbewerb zu verhindern.

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Apple integrierte neue Kindersicherungsfunktionen in iOS und warf Kindersicherungs-Apps anderer Anbieter raus – vorübergehend.

(Bild: dpa, Karl-Josef Hildenbrand)

Von
  • Leo Becker

In Russland droht Apple kartellrechtlicher Ärger: Die russische Wettbewerbsbehörde (Federal Antimonopoly Service of the Russian Federation – FAS) ist nach einer Untersuchung des App Stores zu dem Ergebnis gelangt, dass Apple 100 Prozent Anteil am Markt für den Vertrieb von iPhone- und iPad-Software hält und diese dominante Position auch gegenüber Entwicklern und App-Anbietern ausnutzt, um Wettbewerb einzuschränken.

Im konkreten Fall habe Apple parallel zur Einführung seiner neuen Bildschirmzeitfunktion die "Tools und Fähigkeiten" zur Entwicklung von Kindersicherungs-Apps eingeschränkt, so dass diese Programme einen großen Teil ihrer Funktionalität verloren haben, führt der FAS in einer Mitteilung aus. Apple nehme sich sogar das Recht heraus, Apps abzulehnen, die alle Regeln des Konzerns erfüllen, so die Wettbewerbsbehörde – auch das verstoße gegen gesetzliche Vorgaben.

Die Untersuchung geht auf eine Beschwerde von Kaspersky Lab zurück: Die Sicherheitsfirma musste bestimmte Funktionen aus der "Safe Kids"-App entfernen, die Apple plötzlich als regelwidrig betrachtete. Apple hatte nach der Einführung der Bildschirmzeit in iOS 12 damit begonnen, gegen Workarounds von Kindersicherungs-Apps vorzugehen, die bestimmte Funktionen über eine Mobilgeräteverwaltung (MDM) umsetzten. Eine abgesegnete Apple-Schnittstelle gibt es für solche Anwendungsfälle nicht.

Man habe mehrfach versucht, in der Angelegenheit zu einer Lösung zu kommen, es sei aber nicht zu "sinnvollen Verhandlungen" mit dem iPhone-Konzern gekommen, so Kaspersky im vergangenen Jahr. Apple nutze seine Position als Plattformbetreiber, um Regeln vorzugeben, die andere Entwickler benachteiligen. Das App-Store-Nadelöhr erlaube Apple, seine Marktmacht auf andere Märkte auszuweiten, in die das Unternehmen neu eintritt, darunter den Markt für Kindersicherungs-Software, so Kaspersky Lab.

Apple ruderte aufgrund zahlreicher Beschwerde schon im vergangenen Jahr zurück: Seit Sommer 2019 lässt der iPhone-Konzern Kindersicherungs-Apps mit MDM-Funktionen wieder in den App Store und änderte sein Regelwerk dafür erneut.

App-Anbieter können ihre Software für iOS-Geräte ausschließlich über Apples App Store vertreiben, deshalb sei es "extrem wichtig", dass "diskriminierungsfreie Bedingungen für den Marktzugang" gelten, um Wettbewerb sicherzustellen, folgert die FAS. Sie will Apple nun ihre Entscheidung mit Vorgaben zu Regeländerungen mitteilen. Man respektiere die russische Wettbewerbsbehörde, weise das Ergebnis der Untersuchung aber zurück und werde es anfechten, teilte Apple laut der Nachrichtenagentur Interfax in einer Stellungnahme mit.

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(lbe)