Russischer Internetriese Yandex zieht sich aus Türkei zurück

Yandex, Internet-Diensteanbieter aus Russland, zieht sich aus der Türkei zurück. Die Niederlassung soll schließen. Grund ist das neue Digitalgesetz.

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Kein Anschluss unter diesem Briefkasten. Yandex räumt das Büro in Istanbul.

(Bild: Fabio Balbi / Shutterstock,com)

Von
  • Eva-Maria Weiß

Das russisch-niederländische Unternehmen Yandex zieht sich aus der Türkei zurück. Grund soll ein dort neues Digitalgesetz sein, das in diesem Herbst in Kraft tritt. Eine Bestätigung von Yandex steht noch aus, türkische Medien berichten jedoch, dass die Niederlassung in Istanbul geschlossen wird und die Mitarbeiter entlassen werden.

Yandex gilt als russische Antwort auf Google. Die Suchmaschine des Unternehmens hat einen Marktanteil von mehr als 60 Prozent in Russland, schreibt die Süddeutsche Zeitung in einem Bericht über den Rückzug. Zusätzlich bietet Yandex Dienste wie Email, Cloud, Übersetzer und Browser an. Weltweit ist es die fünftgrößte Suchmaschine. In der Türkei liegt der Marktanteil bei 12,8 Prozent, Google ist mit 84 Prozent deutlicher Marktführer. Dabei war die Suchmaschine sogar als Standard im türkischen Firefox eingestellt.

Dass sich Yandex aus der Türkei zurückzieht, dürfte an dem neuen Gesetz liegen, durch das Unternehmen in die Pflicht genommen werden, bei mehr als einer Million Nutzer in der Türkei, eine Niederlassung zu registrieren – samt türkischen Staatsbürger als Vertreter. Diese Niederlassung, befürchten Kritiker, dient vor allem der Kontrolle. Identitäten und Nutzerdaten müssen für die türkische Regierung zugänglich gemacht werden. Soziale Netzwerke müssen Beiträge, die als unwahr oder beleidigend eingestuft werden, umgehend löschen. In der Türkei ansässige Unternehmen sind dabei haftbar, es drohen hohe Geldstrafen und Einschränkungen für die Dienste.

Das Gesetz zur Kontrolle sozialer Medien hat das türkische Parlament in diesem Sommer beschlossen. Die Pflicht zur Speicherung von Nutzerdaten, besteht bereits, konnte jedoch umgangen werden, sofern kein Sitz in der Türkei bestand. Regierungsmitglieder verteidigen die strengeren Vorgaben damit, Beleidigungen, Beschimpfungen und Belästigungen in sozialen Medien den Kampf ansagen zu wollen. Etwas, das sowohl in Europa aus als den USA von vielen gefordert wird. Allerdings mahnen Datenschützer vor einem solchen Vorgehen.

(emw)