Russischer Satellitenabschuss: ISS muss Trümmern von Satellit ausweichen

Die Trümmer des zerstörten sowjetischen Satelliten Kosmos 1408 rasen weiterhin um die Erde. Jetzt musste die ISS deswegen sogar ihre Bahn ändern.

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(Bild: Dotted Yeti/Shutterstock.com)

Von
  • Martin Holland

Die Internationale Raumstation ISS musste vergangene Woche ein Ausweichmanöver durchführen, um genügend Distanz zu Weltraumschrott zu wahren, der beim Test einer russischen Antisatellitenrakete (ASAT) entstanden war.

Der NASA zufolge zündete ein an die Raumstation angedocktes russischen Progress-Frachtschiff für vier Minuten und 34 Sekunden die Triebwerke, um genügend Abstand zwischen die ISS und Überreste des sowjetischen Satelliten Kosmos 1408 zu bringen. Ohne das Manöver wären die Trümmer in etwa 800 Metern Entfernung an der ISS vorbeigerast, das Risiko war den Verantwortlichen zu hoch. Für die Crew habe keine Gefahr bestanden und das Manöver hatte keine Auswirkungen auf den Betrieb der Station, versichert die NASA.

Das Manöver verdeutlicht einmal mehr die langfristigen Folgen von Satellitenabschüssen, wie jenem von Anfang November. Russland hatte dabei eine bodengestützte Rakete abgeschossen und den inaktiven sowjetischen Satelliten zerstört. Dieser war in über 1600 identifizierbare Teile zerstoben. Alle zusammen gefährden seitdem andere Satelliten im niedrigen Erdorbit.

Schon kurz nach dem Abschuss hat sich die Besatzung der ISS vorübergehend in Sicherheit bringen müssen. Vor Russland hatten bereits andere Staaten solche Tests durchgeführt, darunter China und die USA. Letztere hatten sich als Konsequenz aus dem russischen Test nun im April selbst dazu verpflichtet, keine Satelliten mehr abzuschießen und andere Staaten aufgefordert, dem Beispiel zu folgen.

Während Russlands Raumfahrt von den westlichen Staaten als Konsequenz auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine weitestgehend isoliert worden ist, kooperieren beide Seiten weiterhin beim Betrieb der ISS. Die NASA und die russische Weltraumagentur Roskosmos sind hier aufeinander angewiesen – keine Seite könnte die Raumstation aktuell alleine betreiben. Zuletzt hatte die NASA aber Fortschritte gemacht. So sind die Besatzungen dank SpaceX nicht mehr auf russische Raumschiffe angewiesen, um von und zur ISS zu kommen.

Korrekturen des Orbits können aber weiterhin nur die russischen Raumschiffe durchführen, die an der Station angedockt sind. Das könnte sich aber ändern: Ein Cygnus-Frachtschiff der US-Firma Northrop Grumman soll am Montag beweisen, dass es ebenfalls dazu in der Lage ist. Der Test hatte sich wegen des nötigen Manövers verzögert und die Cygnus-Triebwerke sollen nun auch nicht ganz so lang feuern, wie ursprünglich vorgesehen.

(mho)