*t.co* statt t.co: Russland schlampt bei Twitter-Drosselung

Eigentlich wollte Russland mit der Drosselung von Twitter beweisen, wie gut die Kontrolle des Internets bereits klappt. Das ging aber ziemlich nach hinten los.

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Zufrieden dürfte man im Kreml nicht sein.

(Bild: aapsky/Shutterstock.com)

Bei der Drosselung von Twitter im russischen Internet ist am Mittwoch jede Menge schiefgelaufen, auch durch geradezu stümperhafte Fehler bei der Telekommunikationsaufsicht Roskomnadsor. So hatte die Behörde eine Drosselung von Twitters Domain "t.co" angeordnet, aber dabei alle Domains mit genau dieser Zeichenfolge erwischt, berichten mehrere Beobachter.

Betroffen war demnach unter anderem microsoft.com, reddit.com, die beliebte Sportseite championat.com und sogar der staatliche russische Auslandssender rt.com. Erst am Donnerstag sei das behoben worden, berichtet ArsTechnica, inzwischen werde nur noch t.co gedrosselt.

Hintergrund der angeordneten Drosselung ist der Vorwurf, Twitter habe auch nach mehrmaligen Aufforderungen Tausende gesetzeswidrige Beiträge nicht gelöscht. Deswegen würde der Dienst nun gedrosselt, hatte die staatliche Aufsichtsbehörde Roskomnadsor am Mittwoch erklärt. Dabei hatte es geheißen, Twitter würde auf allen Mobilgeräten und auf der Hälfte aller anderen Geräte gedrosselt. Später hatte Roskomnadsor noch klargestellt, dass die Drosselung sich auf Fotos und Videos beziehen sollte, Tweets selbst wären nicht betroffen. Die betroffene Domain t.co gehört zu Twitters URL-Kürzungsdienst, alle auf der Plattform geteilten Links werden darin verpackt.

Wie die Moscow Times erläutert, war das Problem mit der übergriffigen Drosselung von t.co nicht das einzige beim Vorgehen gegen Twitter. Schon direkt nach der Ankündigung der Drosselung war offenbar geworden, dass die Internetseiten des Kremls und andere staatliche Angebote nicht mehr erreichbar waren. Beim staatlichen Provider Rostelecom sei der Traffic am Mittwochvormittag um ein Viertel eingebrochen, heißt es weiter. In dem Artikel wird nahegelegt, dass die Ausfälle etwas mit dem System zu tun haben, mit dem Russland das Internet deutlich schärfer unter Kontrolle bringen und vor allem Video und Livestreaming unterbinden will.

Tests dafür hatte es schon 2019 gegeben, aber in der Pandemie nicht mehr. Nach den jüngsten regierungskritischen Protesten sei das Vorgehen gegen Twitter als Möglichkeit gesehen worden, die Leistungsfähigkeit vorzuführen. Das sei auf ganzer Linie gescheitert, heißt es noch. Auf Twitter werden derweil Witze über die Drosselung geteilt.

(mho)