SAP-Mitgründer Plattner deutlich wiedergewählt – trotz Amtszeitüberschreitung

Mit 90,5 Prozent der Stimmen gleitet Hasso Plattner wieder in den SAP-Aufsichtsrat. Er führt den Vorsitz bereits seit 2003. Ein Nachfolger muss her.

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Hasso Plattner am Mikrofon

SAP-Mitgründer Hasso Platter auf der Hauptversammlung 2022

(Bild: SAP/Screenshot)

Von
  • Daniel AJ Sokolov

Hasso Plattner bleibt im Aufsichtsrat seines Unternehmens SAP, und zwar für weitere zwei Jahre. Bei der virtuellen Hauptversammlung am Mittwoch wurde der Firmenmitgründer mit 90,5 Prozent der abgegebenen Stimmen wiedergewählt. Seine Kritiker konnte nicht einmal zehn Prozent der Stimmen aufbringen. Damit dürfte Plattner auch der Weg zur Wiederwahl als Aufsichtsratsvorsitzender geebnet sein. Seit 2003 hat er diesen Posten bereits inne.

Vor der Hauptversammlung hatten Kritiker nicht Plattner als Person oder bestimmte seiner Entscheidungen kritisiert, sondern auf die Regeln des SAP-Gremiums verwiesen: Für Aufsichtsräte gilt eine Regelaltersgrenze von 75 Jahren sowie eine Regelzugehörigkeitsdauer von nicht mehr als zwölf Jahren. Beides überschreitet Plattner: Er ist 78 und sitzt seit bald 20 Jahren im Aufsichtsrat.

Weil SAP-Mitgründer Plattner trotz der Amtszeit-Überschreitung Aufsichtsratschef bleiben will, rumorte es unter den Aktionären. Mehrere Fondsmanager sowie die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) pochten auf eine Nachfolgeregelung. Es gäbe nicht einmal einen strukturierten Prozess für die Suche nach einem neuen Aufsichtsratschef, der zuständige Ausschuss des Aufsichtsrats habe seine Hausaufgaben nicht erledigt.

Auf der Hauptversammlung bestätigte Plattner, die Kritik vernommen zu haben: "Meine Position als Aufsichtsratsvorsitzender in die richtigen Hände zu geben, ist für mich eine sehr wichtige und auch emotionale Aufgabe, an der ich schon seit einiger Zeit arbeite", sagte der gebürtige Berliner. Es habe auch schon einen vielversprechenden Kandidaten gegeben, der jedoch aus gesundheitlichen Gründen habe absagen müssen.

Jetzt möchte Plattner einen der bestehenden Aufsichtsräte zu seinem Nachfolger machen. Wiedergewählt wurden neben Plattner auch Rouven Westphal und Gunnar Wiedenfels, neu hinzugekommen ist Jennifer Xin-Zhe Li. Die in Peking geborene Kanadierin arbeitete fast 25 Jahre für General Motors (GM), bevor sie 2008 Baidus Finanzchefin wurde. 2018 stieg sie dort aus und gründete in Peking ein Investmentunternehmen.

SAP-CEO Christian Klein erläuterte auf der Hauptversammlung noch einmal seine Strategie: SAP steige vom Verkauf von Softwarelizenzen auf den Vertrieb von Cloud-Abonnements um. So ein Umbau des Geschäftsmodells wirbelt die Bilanzen durcheinander, wie man beispielsweise bei Microsoft gesehen hat, kann sich langfristig aber bezahlt machen: Kurzfristig sinken die Umsätze, was den Betriebsgewinn beeinflusst. Langfristig müssen dieselben Kunden aber immer wieder in die Tasche greifen, statt nur einmal, und das ist gut für die Aktionäre des Anbieters.

Die dürfen sich schon jetzt freuen: Anlässlich von 50 Jahren SAP gibt es eine Sonderdividende von 50 Cent je Stückaktie, was die Gesamtdividende auf 2,45 Euro je Aktie hebt. Der Kurs hat Mittwoch und Donnerstag dennoch leicht nachgegeben. Seit Jahresanfang haben sich SAP-Aktien um mehr als ein Viertel verbilligt, obwohl die Zahl der Aktien in dem Zeitraum durch SAPs Rückkaufprogramm von 1,18 auf 1,17 Milliarden gefallen ist.

(ds)