SAP dreht an der Preisschraube: Staffelmiete unter dem Deckmantel der Inflation?

Die jüngste Preiserhöhung entspräche schlicht den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, so SAP. Die Anwender sehen das anders und fordern eine Rücknahme.

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(Bild: nuruddean / Shutterstock.com)

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  • Achim Born

SAP will mehr Geld von ihren Anwendern: Für die Wartung ihrer bestehenden Anwendungen sollen die Unternehmen im kommenden Jahr bis zu 3,3 Prozent mehr berappen. In einer offiziellen Stellungnahme begründet der Anbieter das Ganze erwartungsgemäß mit "hohe Inflationsraten" respektive "höhere Energie- und Arbeitskosten sowie steigende Aufwendungen für Dienstleistungen von Drittanbietern".

Zudem wird darauf hingewiesen, dass die Bedingungen der Verträge eine Anpassung der Wartungsgebühren auf Grundlage des jeweiligen lokalen Verbraucherpreisindexes (Consumer Price Index – CPI) erlaube und die nun anstehende Erhöhung die erste seit fast einem Jahrzehnt sei. Die Preiserhöhung führt im Übrigen nicht automatisch zu einem Anstieg der Listenpreise für SAP-Supportangebote bei Neukäufen. Vielmehr bezieht sie sich auf bestehende Verträge nach der Anfangs- und der ersten Verlängerungslaufzeit. Abhängig von der lokalen CPI-Rate kann die Erhöhung zudem niedriger als 3,3 Prozent ausfallen.

Dem Softwarekonzern muss zugutegehalten werden, dass sein Vorgehen nicht ungewöhnlich ist und mit dem Index-Bezug einem festen, klar definierten Rahmen folgt, der eine gewisse Transparenz verspricht. Im Falle der vor einigen Wochen bekannt gewordenen und laut SAP "moderaten Erhöhung der Subskriptionsgebühr für Cloud Services" ist dies genau nicht der Fall. Sie mutet eher willkürlich an. Ein Mechanismus, der die Kostenentwicklung in der IT-Branche abbilden sollte, wie Thomas Henzler – im Vorstand der Kundenorganisation DSAG für Lizenzen, Service & Support zuständig – fordert, ist jedenfalls nicht erkennbar. Im Gegenteil: Die automatische Preiserhöhung von 3,3 Prozent pro Jahr, die SAP für alle Cloud-Dienste vorsieht, erinnert vielmehr an die wahrlich nicht positiv beleumundeten Staffelmieten.

"Aktuell argumentieren viele Anbieter bei Preiserhöhungen mit der Inflation. Aus unserer Sicht bildet dies aber nur das Momentum ab", kritisiert der Anwendervertreter mit Blick auf die SAP-Aktivitäten. Für ihn münden Regelungen, die Preise innerhalb von festen vereinbarten Laufzeiten und nicht im Rahmen einer Vertragserneuerung nach Auslaufen bestehender Verträge zu erhöhen, zu signifikanten Kostensteigerungen. Diese würden nachhaltig weit über dem aktuellen Inflationsniveau liegen, da die Regelungen pauschal und dauerhaft gelten. Zudem erfolge alles zusätzlich zu den ohnehin schon immer stattfindenden Anpassungen der Listenpreise für Produkte.

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Seit Bekanntwerden des automatisierten Preisaufschlags für Cloud-Services steht die DSAG nach eigenen Angaben im intensiven Austausch mit SAP, um eine Rücknahme beziehungsweise "Neugestaltung" des Verfahrens zu bewirken. Ziel sind "klare Spielregeln für die Erhöhung von Preisen", welche nicht nur ein Momentum wie die Inflation widerspiegeln. Henzler macht außerdem darauf aufmerksam, dass Unternehmen aktuell mitten in einer Transformation stecken. Vor diesem Hintergrund "sollte sich jeder Hersteller intensiv fragen", ob die derzeitige Preispolitik für die Adaption von Cloud-Lösungen förderlich sei.

Die offizielle Stellungnahme der SAP findet sich in einem Support-PDF.

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(fo)