SAP umwirbt Entwickler mit No-Code-/Low-Code-Tools

SAP ringt mit einer wachsenden Werkzeugsammlung um die Akzeptanz als Plattformanbieter. Nun erhalten Entwickler freien Zugang zur Business Technology Platform.

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Sucht Talente: SAP-CTO Jürgen Müller auf der Entwicklerkonferenz TechEd

(Bild: SAP)

Von
  • Achim Born

Alle sollen für SAP entwickeln können: Der Softwarekonzern gibt Entwicklern neue Tools und Services an die Hand, um "die digitale Transformation zu beschleunigen". Dazu vergrößert SAP die Palette der No-Code-/Low-Code-Tools auf der eigenen Business Technology Platform (BTP), im Grunde der SAP-Spielart einer PaaS-Suite (Platform as a Service).

Den No-Code-Part übernimmt AppGyver. SAP hatte den gleichnamigen finnischen Anbieter erst im Februar 2021 übernommen. Mit dem Tool lassen sich per Drag-and-Drop mobile Apps und Unternehmensanwendungen fürs Web erstellen, die technisch auf den JavaScript-Blibliotheken React und React Native fußen. Erwartungsgemäß zählt zu den Ergänzungen unter neuer Regentschaft, dass AppGyver nun im UI-Stil optional SAPs Designvorgaben (Fiori) folgen kann.

Der gewohnten Entwicklungsumgebung Business Application Studio (BAS) spendierte SAP einen zusätzlichen Low-Code-Ansatz. Entwickler können hier mit der visuellen Programmierumgebung in die Anwendungsmodellierung starten, um dann bei Bedarf tiefer in die Codierung einzutauchen. Im weitesten Sinne zu den Entwicklungswerkzeugen zählt auch SAP Process Automation, das in einer ersten Vorschau-Version vorliegt. Es stehen zahlreiche Bibliotheken mit vorgefertigten Prozesspaketen sowie (Workflow-)Bots bereit, die eigens für den Einsatz mit der Beschaffungsmanagement-Plattform Ariba oder dem ERP-Paket S/4HANA entwickelt wurden. Per Drag-and-Drop können Beschäftigte aus den Fachabteilungen diese zu neuen Prozessketten zusammenklicken.

Mit dem Tool-Portfolio, das SAPs Vorstandsmitglied und CTO Jürgen Müller öffentlich erstmals in geballter Form im Rahmen der hauseigenen Entwickler-Veranstaltung TechEd präsentierte, will SAP offenbar dem allerorten beklagten Fachkräftemangel begegnen. Tatsächlich buhlt der Konzern wieder einmal um die Gunst der Entwickler respektive Maker. Dass Entwickler endlich einen kostenfreien Zugriff auf die BTP-Umgebung inklusive HANA-Cloud und Integration Suite erhalten, soll zusätzliche Überzeugungskraft entwickeln. Sie sollen motiviert werden, neue Produkte in der und für die SAP-(Anwendungs-)Welt zu realisieren.

Ob es SAP damit gelingt, im großen Stil Entwickler neu auf die eigene Plattform zu locken, bleibt vorerst offen. Die Sogwirkung ähnlicher Toolset-Offerten von Amazon, Google, Microsoft & Co. ist einfach riesig. Zumindest könnte das neue Angebot aber dazu beitragen, dass SAP-Spezialisten ihrer Plattform die Treue halten.

Für die eingefleischten Entwickler im SAP-Umfeld dürfte neben dem kostenfreien BTP-Zugriff eine andere Neuerung bedeutender sein: Erweiterungen der neuen ERP-Generation S/4HANA in der "ewigen" SAP-Programmiersprache ABAP sind nicht mehr nur als lose gekoppelte Side-by-Side-Szenarien mit der ABAP-Umgebung in der Cloud (Arbeitstitel Steampunk) möglich. In Embedded Steampunk setzt die Umgebung jetzt direkt auf dem S/4HANA-Cloud-Stack auf. Erweiterungen in ABAP können somit S/4-Funktionen über die lokal zugänglichen S/4-Schnittstellen einbinden, ohne die Stabilität und Release-Fähigkeit des ERP-Kerns zu gefährden.

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